Sieg gegen Färöer Der Vorteil der Fußballzwerge

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Das erwartete Schützenfest der deutschen Elf gegen das Team von den Färöer-Inseln blieb aus. Die Gründe: die schlechte Chancenverwertung und ein guter Gunnar Nielsen. Trotzdem kann Jogi Löw mit dem Ergebnis zufrieden sein - zeigte sich doch eine Schwäche des Teams besonders.

Vermutlich mag es niemand mehr lesen - die Diskussion, ob eine Nationalmannschaft wie die aus Deutschland in einer Qualifikation gegen einen der Fußballzwerge antreten soll. Immer mal wieder gibt es Kritik am Modus Operandi für die Welt- und Europameisterschaften. Jogi Löw lässt seine Spieler lieber gleich gegen die Großen antreten, Karl-Heinz Rummenige konnte das Ende dieser Spiele gegen Mannschaften wie Färöer, Malta oder Liechtenstein kaum abwarten. Die Spiele gegen die angeblichen Fußballzwerge sind nicht sehr beliebt - zu wenig Herausforderung, zu hohe Verletzungsgefahr, kaum Zuschauerinteresse.

Und trotzdem bieten diese Spiele interessante Erkenntnisse. Beispielsweise die, dass die deutsche Nationalmannschaft im Spiel gegen die Färöer-Inseln in der WM-Quali vielleicht 3:0 gewonnen hat, das Spiel aber glanzlos, wenn nicht sogar lustlos war. Und dass es eben noch Schwachstellen gibt - die Chancenverwertung, wie sie die Elf an diesem regnerischen Abend in Hannover gezeigt hat, hätte in einem Spiel gegen eine offensiver aufgestellte Mannschaft in einem Desaster enden können. 

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«Wir machen manchmal Kleinigkeiten nicht gut, wo wir die Aktion nicht zu Ende bringen», sagte Jogi Löw und spielte auf einige Szenen an, die vor allem in der ersten Hälfte häufiger zu beobachten waren: gute Chancen, die sich im Nichts auflösten, weil da vielleicht der Gedanke war, nur gegen einen Fußballzwerg zu spielen und sich nicht anstrengen zu müssen. Die Folge: Ein Stellungsspiel, wie man es bei Bambiniturnieren - untermalt vom Geschrei panischer Eltern - sieht. 

Gunnar Nielsen verhinderte die Torflut

«Die letzte Entschlossenheit und das unbedingte Drängen auf ein Tor waren in manchen Situationen nicht hundertprozentig vorhanden», gab auch Jogi Löw zu und hofft auf mehr «Kaltschnäuzigkeit» in den kommenden Spielen - vor allem die jüngeren Spieler müssten daran noch arbeiten. So blieb es am Ende bei den Toren von Mario Götze und Mesut Özil.

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Eine Eigenschaft, die sich vor allem die jungen Spieler vom Torwart der Färinger hätten abgucken können. Gunnar Nielsen, immerhin dritter Torwart bei Manchester City, hielt die hereinkommenden Bälle bravourös, zeigte starke Reflexe und einen guten Instinkt. An den drei Gegentoren trug er nur wenig Schuld - ohne ihn wäre es wohl zum erwarteten Schützenfest gekommen. «Unser Torwart hatte einen Super-Tag», sagte deshalb auch Trainer Lars Olsen nach dem Spiel, dessen Ausgang ihn nicht wirklich enttäuschte. 

Gegen die Kleinen patzen, gegen die Großen mit Problemen

Zufriedene Gesichter also auf allen Seiten? Wo doch die DFB-Elf ihren 500. Sieg feiern konnte und die Färöer-Inseln keine Klatsche erfahren mussten? Könnte man meinen - wäre da nicht die Diskussion um die Spiele gegen die «Kleinen». «Wir können hier nur wenig mitnehmen. Weil die Mannschaft ganz anders gespielt hat als der nächste Gegner», sagte Philipp Lahm, der mittlerweile im selben Duktus wie sein Trainer spricht. 

Sicherlich: Zur WM in Brasilien werden die Färöer-Inseln nicht fahren, selbst eine EM scheint unerreichbar. Platz 157. in der Fifa-Rangliste spricht da eine klare Sprache - aber im Fußball ist es auch so: Wer gegen die Kleinen patzt, der wird gegen die Großen Probleme bekommen. Das ist eine Einstellungssache.

wam/news.de

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