FC Bayern München Martinez' Konkurrenz therapiert sich selbst

Rekordtransfers
Die teuerste Elf der Bundesliga-Geschichte

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Die Kollegenkonkurrenz von 40-Millionen-Neuzugang Javi Martinez macht mit tollen Leistungen und Treffern auf sich aufmerksam. Es scheint, als hätte der teure Teamkollege auch das Feuer der Stammspieler neu entfacht.

Javi Martinez dürfte nicht schlecht über das gestaunt haben, was seine neuen Teamkollegen und -konkurrenten da von der 32. bis zur 51. Minute ablieferten. Wenige Tage nach seiner spektakulären Verpflichtung saß der Spanier zunächst auf der Bank und durfte beim 6:1-Triumph gegen den VfB Stuttgart gemeinsam mit den 71.000 Zuschauern sechs Tore in 20 Minuten bewundern; im Schnitt rappelte es in dieser Phase etwa alle drei Minuten im Stuttgarter Kasten. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass der FC Bayern sein Champions-League-Albtraum dahoam verarbeitet und endgültig den Spaß am Fußball zurückgefunden hat, dann waren es diese spektakulären 20 Minuten.

Vor allem liefen diejenigen Spieler zur Hochform auf, die nach dem Transfer des 40-Millionen-Euro-Mannes Martinez um einen Platz im Team kämpfen müssen. Denn jedes dieser sechs Tore war eine überzeugende Bewerbung für einen Stammplatz in der ersten Bayern-Elf. Durch die grandiose Vorarbeit der Kollegen durfte Jungstar Martinez an seinem 24. Geburtstag trotz Trainingsrückstandes auch noch seinen Einstand geben, als er in der 77. Minute für den starken Schweinsteiger eingewechselt wurde.

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Als der Bayern-Motor nach starken 20 Anfangsminuten des VfB Stuttgart richtig rund lief, konnten es die Münchner Kicker gar nicht abwarten, sich zu beweisen. Den Beginn machte der überragende Thomas Müller mit einem typischen Müller-Tor, als er Doppelpass mit VfB-Torhüter Sven Ulreich spielte. Danach drosch Toni Kroos den Ball von der Strafraumkante so fulminant unter die Latte, wie man das lange nicht mehr von ihm gesehen hatte. Ähnlich fiel Luiz Gustavos 3:1.

Schweinsteiger therapiert sich selbst

FCB-Coach Jupp Heynckes gefielen besonders diese beiden Tore, weil sie durch aggressives Pressing und schnelles Umschalten entstanden, so wie der Trainer das verstärkt üben lässt. Heynckes lobte, dass Toni Kroos endlich einmal Torgefahr entwickelt habe und sich auch im Abschluss mit angeboten habe. Und zu Gustavo hatte Heynckes noch vor der Partie gesagt: «Luiz, heute machst du einen rein, konzentrier' dich mal.» Mit der 40-Millionen-Konkurrenz im Rücken klappte das prompt.

Von der Pause ließen sich die Bayern nicht irritieren, sondern machten gleich da weiter, wo sie aufgehört hatten. Mandzukics 4:1 und seine Beteiligung am Kombinationsspiel war eine weitere Bewerbung für einen Platz in der Startelf, auch, wenn Mario Gomez nach seiner Operation wieder fit ist. Nach einem erneuten Müller-Tor durfte sich zum krönenden Abschluss der sagenhaften 20 Minuten auch noch Bastian Schweinsteiger mit dem 6:1 selbst therapieren. Der zuletzt an Körper und Seele angeschlagene Führungsspieler stand überraschend in der Startelf - ein Vertrauensbeweis von Trainer Jupp Heynckes.

Schweinsteigers Sinnkrise, die drohte, sich durch Niederlagen und Verletzungen zu einem Erschöpfungssyndrom auszuwachsen, scheint überwunden. «Ich bin seit einer Woche einen Tick glücklicher, weil ich keine Probleme mehr habe am Fuß. Seit Februar habe ich das erste Mal das Gefühl, dass der Körper ganz gesund ist», sagte Schweinsteiger. Und neben Qualität und Potenzial sei auch ein «gewisser Hunger» im Team zu erkennen. Die Gier, endlich wieder Titel an die Säbener Straße zu holen.

Chefskeptiker Sammer bremst die Euphorie

Jupp Heynckes pries die mannschaftliche Geschlossenheit ebenso wie die neuen Möglichkeiten im Kader. «Wenn Arjen Robben ausfällt, oder Mario Gomez und Alaba, haben wir nicht nur adäquate Optionen, sondern Top-Spieler», sagte Heynckes. Trotz der großen Konkurrenz herrsche im Kader «absolute Harmonie und trotzdem will jeder in erster Linie gewinnen», sagte Heynckes.

Es scheint zu Beginn der Spielzeit, als hätten sich die 70 Millionen Euro, die der FC Bayern in neue Spieler investiert hat, bereits gelohnt. Nicht nur wegen der starken Neuzugänge, sondern auch, weil die angestammten Platzhirsche ihr Revier nicht kampflos hergeben werden.

Doch vor einem Jahr schien die Situation ähnlich komfortabel. Im Frühherbst 2011 fegte der FC Bayern den HSV 5:0 und den SC Freiburg 7:0 aus dem Stadion und war zu diesem Zeitpunkt gefühlt bereits Deutscher Meister. Die Saison endete bekanntlich mit dem Vize-Triple. Deswegen behielt Chef-Querdenker Matthias Sammer auch in der Stunde des Erfolges seine Grundskepsis und erkannte «einen ganz guten Start, mehr ist es erstmal nicht. Von Euphorie kann keine Rede sein.» Für Sätze wie diesen hat der FC Bayern Matthias Sammer verpflichtet.

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jag/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • putinfanatiker
  • Kommentar 1
  • 04.09.2012 04:42

??? Na mal sehen was der 40 Mille Star so bringt ???

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