Bundesliga Ein Aufsteiger führt die Liga an

Seit 13 Jahren stand Eintracht Frankfurt nicht mehr an der Tabellenspitze. Trainer Armin Veh wird nach dem haushohen Sieg in Hoffenheim schon ganz übermütig. Meister Dortmund hingegen wurde von Nürnberg ausgebremst.

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Trainer Armin Veh kommentierte die Tabellenspitze mit einem Augenzwinkern. «Ich werde die Euphorie nicht bremsen. Ich wäre enttäuscht, wenn wir jetzt nicht deutscher Meister werden», meinte der hochzufriedene Fußball-Lehrer nach der 4:0-Gala bei der TSG 1899 Hoffenheim. Über Vehs Gesicht huschte dabei ein süffisantes Lächeln, dann wurde der Coach des überraschend stark auftrumpfenden Aufsteigers aber wieder ernst: «Wir spielen guten Fußball und wollen das weiter tun.»

Zwei Spiele, zwei Siege mit 6:1 Toren: Die Eintracht verblüfft zum Saisonstart die Liga und zeigt nach einem Leidensjahr in der Zweitklassigkeit ein völlig neues Gesicht. Nicht nur personell hat sich einiges verändert, sondern auch im Auftreten der Mannschaft. Die hat Struktur, vermittelt Spielfreude und agiert wesentlich offensiver als früher.

Die Handschrift von Veh ist unverkennbar - und der Erfolg gibt ihm Recht. «Unsere Spieler versuchen, eine eigene Identität zu verkörpern, wie wir Fußball spielen wollen. Daher ist es wichtig, dass du punktest. Wenn du zwei Spiele verlierst und so offensiv bist, dann glaubt keiner mehr daran», meinte der 51-Jährige.

Dortmund kann sein Spiel gegen Nürnberg nicht durchziehen

Ganz anders sieht es bei Meister Borussia Dortmund aus. Der sucht noch fieberhaft nach seiner Überlegenheit aus der Vorsaison. Dem spielerisch eher mauen Bundesliga-Auftakt ließ Borussia Dortmund ein wenig erhellendes 1:1 beim 1. FC Nürnberg folgen - kein Saisonstart nach Maß für den Titelträger. «Man kann es nicht über die Sommerpause mitnehmen, dass man so eine Dominanz ausstrahlt», bilanzierte Trainer Jürgen Klopp nüchtern.

Vor allem Kapitän Sebastian Kehl war unzufrieden. «Ich habe ein bisschen Frust», befand der Leader im Team der erfolgsverwöhnten Dortmunder. Wie schon beim 2:1 in der Vorwoche gegen Werder Bremen brachte Klopps Truppe ihr gefürchtetes Kurzpassspiel kaum mal durch - und kam nur ganz selten zu klaren Torchancen. Die Taktik der fast ausschließlich mauernden Gastgeber ging hingegen perfekt auf. «Spieltaktisch war das Eins mit Sternchen», lobte FCN-Coach Dieter Hecking.

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Eintracht erstmals seit 1999 ganz oben

So konnte sich nach dem bärenstarken Auftritt beim ersten Bundesligasieg gegen Hoffenheim die Eintracht erstmals seit dem 21. August 1999 wieder an der Tabellenspitze sonnen. «Das kann so bleiben», flachste Bastian Oczipka. Der von Bayer Leverkusen gekommene Außenverteidiger ist einer von sechs Neuzugängen, die sich auf Anhieb einen Platz in der Stammformation erkämpft haben und mit den fünf «Alten» eine prächtige Einheit bilden.

«Die Typen passen zusammen, sie verstehen sich gut. Das Klima ist schon in der Vorbereitung gut gewesen», stellte Veh zufrieden fest. Seine Ansprüche haben die Profis bereits verinnerlicht. «Wir wollen das Risiko, wir wollen das Spiel machen und uns nicht hinten reinstellen», formulierte Oczipka das neue Selbstverständnis. Wichtiger als die Momentaufnahme in der Tabelle sind die sechs Punkte auf der Habenseite.

Ihren neuen Stil wollen die Frankfurter nun auch nach der Länderspielpause pflegen: «Ich bin sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir hier aufgetreten sind. Wir werden versuchen, weiterhin nach vorne zu spielen, vielleicht sogar noch mehr», versprach Veh.

Dortmund sucht noch nach seiner Linie

Der Meister hat seine Form zwar noch nicht ganz gefunden, Sorgen braucht sich Meistertrainer Jürgen Klopp bei einer Anfangsausbeute von vier Punkten aus zwei Spielen aber keineswegs zu machen. «Es waren noch nicht hundert Prozent, was wir gespielt haben», erkannte Abwehrchef Mats Hummels, der beim 1:0 durch Tomas Pekhart den entscheidenden Luft-Zweikampf verlor.

«Das Spiel hat lange schon so ausgesehen, wie es aussehen muss, nur hat uns dann im letzten Moment die Klarheit gefehlt», urteilte Klopp. Für den 45-Jährigen war der Punktverlust gegen den «Club» ungewohnt - seit 2008 arbeitet er in Dortmund, «und seitdem haben wir alle Spiele gegen Nürnberg gewonnen». Jetzt mal nicht - was die einfallslosen BVB-Kicker einerseits aufs Nürnberger Abwehrbollwerk zurückführten, andererseits auch auf Schiedsrichter Tobias Welz.

14 Tage Länderspielpause stehen jetzt für Klopps Team an - eine frühe Auszeit in der Saison, die vor allem dazu dienen soll, um Rohdiamant Mario Götze endlich in Topform zu bekommen. Das lange angeschlagene Spielmacher-Talent kam wie schon gegen Bremen spät in die Partie, hatte im Gegensatz zu seinem Siegtreffer gegen Werder diesmal aber keine Galaszene mehr.

«Demnächst werden wir im Drei-, Vier-Tages-Rhythmus Fußball spielen - unsere Aufgabe ist es, Mario Götze auf diese lange Phase vorzubereiten», sagte Klopp. Es bringe nichts, ihn zum Saisonauftakt nur «halb fit in Bundesligaspiele» zu werfen.

iwi/news.de/dpa

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