Doping-Vorwürfe Verliert Armstrong jetzt alle Tour-Titel?

Ullrich, Zabel & Co.
Dopingfälle im deutschen Radsport

Lance Armstrong will nicht mehr. Der Rekordsieger der Tour de France verzichtet auf weitere Einsprüche gegen die Ermittlungen der US-Dopingjäger. Konsequenz könnte sein, dass ihm sehr schnell alle sieben Tour-Titel aberkannt werden.

Lance Armstrong will sich nicht mehr mit den gegen ihn erhobenen Doping-Vorwürfen beschäftigen und nimmt dafür auch die mögliche Aberkennung seiner sieben Tour-Titel in Kauf. «Es kommt ein Punkt im Leben jedes Menschen, an dem er sagen muss ‹Es reicht›. Für mich ist dieser Punkt jetzt gekommen», teilte der erfolgreichste Radprofi der Tour-Geschichte in einem schriftlichen Statement mit. Der 40-Jährige schrieb von einer «Hexenjagd» durch Travis Tygart, den Chef der US-Anti-Doping-Agentur (USADA).

Die USADA will Armstrong alle bei der Tour de France gewonnenen Titel aberkennen und ihn lebenslang sperren lassen. Das gesamte Verfahren habe einen «zu hohen Zoll» von ihm und seiner Familie gefordert, begründete Armstrong seinen Entschluss. Wenn er eine Chance gesehen hätte, in einer fairen Umgebung die Vorwürfe widerlegen zu können, hätte er «die Chance wahrgenommen». «Aber ich weigere mich, in einem einseitigen und unfairen Prozess mitzumachen.» Ein Dopinggeständnis legte Armstrong damit aber nicht ab.

Gegner vermuten Doping im ganz großen Stil

«Das ist ein trauriger Tag für alle von uns, die den Sport und unsere Athleten-Helden lieben», teilte Tygart in einem Schreiben der USADA mit. Der Fall sei «ein Herzen brechendes Beispiel» wie die Kultur des «Siegens um jeden Preis» einen sauberen und fairen Sport verhindere, so Tygart.

Armstrong hatte erst Anfang der Woche eine weitere Niederlage im Ringen mit der USADA hinnehmen müssen. Ein Richter in Armstrongs Heimatstadt Austin wies die Klage des Ex-Radprofis am Montag ab, der die USADA bei ihren Ermittlungen gegen sich blockieren wollte. Durch diesen Beschluss war Armstrong die Möglichkeit genommen worden, eine Schiedsgerichts-Verhandlung zu verhindern, bei der er offiziell als Doper gebrandmarkt werden könnte. «Heute schließe ich diese Seite. Ich werde dieses Thema nicht mehr ansprechen, unabhängig von den Umständen», schrieb Armstrong.

Die Doping-Jäger werfen Armstrong jahrelanges Doping und Handel mit illegalen Substanzen vor. Der siebenmalige Gewinner der Tour de France soll Teil einer regelrechten «Doping-Verschwörung» gewesen sein. Der Texaner wird seit Jahren mit Doping-Vorwürfen konfrontiert. Zuletzt hatten mehrere ehemalige Teamkollegen gegen ihren früheren Chef ausgesagt.

Armstrong will alle Kraft in Stiftung und Familie stecken

Von 1999 bis 2005 hatte Armstrong siebenmal in Serie die Tour de France gewonnen. Der deutsche Jan Ullrich war in den Jahren 2000, 2001 und 2003 hinter dem Amerikaner auf Platz zwei des wichtigsten Radrennens der Welt gefahren. Ob Ullrich bei einer Aberkennung der Titel nachträglich zum Sieger ernannt werden würde, ist aber offen.

Armstrong teilte mit, dass er sich künftig nur noch um die Arbeit seiner Stiftung, dem Kampf gegen Krebserkrankungen und um seine Familie kümmern wolle. «Nach vorne blickend werde ich mich um die Erziehung meiner fünf wunderbaren (und energetischen) Kinder und dem Kampf gegen Krebs widmen und versuchen, der fitteste 40-Jährige auf dem Planeten zu sein», schrieb er.

zij/news.de/dpa

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • Der immer seinen Nickname vergißt
  • Kommentar 7
  • 25.08.2012 13:56

P.S. Die Toursiege sollen ja jetzt dem Jens Ullrich zufallen. Schwachsinniger gehts wohl nicht mehr. Aber wahrscheinlich sind die ersten zweihundert Plätze nicht besser. Da hilft nur eins: Radfahren weiter raus aus den Medien. Wenns nicht mehr um viel Kohle geht, sind die vielleicht in zehn Jahren wieder sauber ?! In Europa sind aber nur die Deutschen so große Moralapostel, viele sehen es wie beim Euro, wenn sie selbst betroffen sind, zeigen sie (indirekt) uns den Stinkefinger.

Kommentar melden
  • Der immer seinen Nickname vergißt
  • Kommentar 6
  • 25.08.2012 13:47

Die Strafe trifft keinen Falschen. Was mich stört, ist die Tatsache, das die Doping-Heinis gar nicht in der Lage waren, ihm das nachzuweisen. Wie so oft in vielen, vielen Sportarten. Oder glaubt jemand, das ein Usain Bolt, ein Michael Phelps oder viele aus dem Nichts aufgetauchte britische und chinesische Olympiasieger aufgrund ihrer Frühstücksflocken und genetischen Eigenheiten (da wurden gar große Hände und Füße genannt, lol) die Anderen in den "Boden stampfen" ? Die Schummelmedizin ist den überheblichen Dopingfahndern zwei Zyklen voraus und so wird sich außer in Einzelfällen nichts ändern.

Kommentar melden
  • Bob
  • Kommentar 5
  • 24.08.2012 17:46

Wenn es danach geht, wie viele Radsportler sich mit fragwürdigen Mittelchen auf die Tour vorbereiten, dann sollte man diese Tour gleich abschaffen! Die körperlichen Anforderungen sind einfach zu hoch geworden.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
++ Fußball-Liveticker ++
 

Live-Ticker powered by live-ticker.com

Fußball im Überblick
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige