DFB-Pokal-Rekord Sechs Erstligisten sterben den Hitzetod

DFB-Pokal
Wenn die Kleinen die Großen ärgern
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Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Seit 25 Jahren sind nicht mehr so viele Bundesligisten in der ersten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden - allerdings war es auch seit 25 Jahren noch nie so heiß wie am Wochenende. News.de forscht nach Gründen für das Rekordscheitern.

Kurz vor Ende der Verlängerung zogen zwar Wolken auf über dem Preußenstadion am Berg Fidel in Münster. Doch auch diese willkommene Sonnenpause konnte Werder Bremen nicht vor dem Debakel bewahren. Trotz zweimaliger Führung flogen die Werderaner mit 2:4 (1:0) beim Drittligisten Preußen Münster aus dem DFB-Pokal. Dabei galt der SV Werder Bremen einst als Pokal-Spezialist, stand in den den vergangenen 25 Jahren neun Mal im Pokalfinale (fünf Siege).

Doch aktuell musste sich das Team von Trainer Thomas Schaaf genau wie der HSV (2:4 in Karlsruhe), Eintracht Frankfurt (0:3 in Aue), Nürnberg (2:3 in Havelse), Hoffenheim (0:4 beim Berliner AK!), und Fürth (0:2 in Offenbach) bereits zum Auftakt aus dem Pokal verabschieden - so viele Erstligisten wie seit 25 Jahren nicht mehr und eigentlich ein absoluter Rekordwert, da sich die Bundesligavereine damals noch untereinander aus dem Rennen kegelten; erst seit 1998/99 können die Eliteklubs nicht mehr in der ersten Runde aufeinandertreffen. News.de forscht nach den Gründen für das Rekord-Aus:

Grund 1: Die Rekordhitze

Werder-Trainer Thomas Schaaf nahm das Scheitern gewohnt cool. Doch mit Sicherheit hat die Hitze den Bundesligisten mehr zu schaffen gemacht, als den bereits im Ligabetrieb aktiven und im Spiel des Jahres oftmals motivierteren unterklassigen Klubs. In Münster war es mit 34 Grad noch vergleichsweise angenehm. Auf dem Tivoli in Aachen unterbrach Schiedsrichter Felix Zwayer jede Halbzeit einmal, um den Spielern bei etwa 40 Grad auf dem Rasen Trinkpausen zu geben. Ähnlich heiß war es in Saarbrücken, wo bis zu drei Krankenwagen auf der Tartanbahn kreisten und mehrere Zuschauer mit Hitzeschock abtransportiert werden mussten. Mönchengladbach und Schalke hielten den Extrembelastungen jedoch stand und gewannen ihre Partien souverän. Im Gegensatz zum HSV, der bei etwa 37 Grad im heißen Karlsruhe genau wie Bremen zwei Mal führte und dennoch verlor.

Grund 2: Der Praxisvorteil

Für die Bundesligisten fand bis zum DFB-Pokal-Auftakt noch kein einziges Pflichtspiel statt, die Drittligisten (Münster, Offenbach) hingegen haben bereits fünf Spieltage absolviert, die Zweitligisten (Karlsruhe, Aue) zwei Tage Wettkampfpraxis genau wie Nord-Regionalligist Havelse; Nordost-Regionalligist Berliner AK hat immerhin schon ein Pflichtspiel in den Knochen. Doch das kann keine Entschuldigung sein für einen Erstligisten, schließlich steht seit Monaten fest, wann das erste Pflichtspiel der Saison stattfindet - dementsprechend hätten sich die Klubs auf diesen Tag hin vorbereiten müssen, um nicht etwa mit schweren Beinen aus dem Trainingslager in die K.o.-Pokalduelle gehen zu müssen. Da haben sich einige Trainer offenbar in der Trainingssteuerung vertan.

Grund 3: Die Pokalgesetze

Dass der Pokal - Achtung: Phrase! - seine eigenen Gesetze hat, ist bekannt. Doch diese Regeln sind auch statistisch belegt. Für gut die Hälfte aller Bundesligaklubs ist der Traum vom Titel und dem internationalen Geschäft regelmäßig bereits im Herbst ausgeträumt. Bis zum vergangenen Jahr waren es seit dem Jahr 2000 nie mehr als zehn (aber auch nie weniger als acht) Erstligisten, die die zweite Runde überstanden. Die vergangene Saison bildete da eine Ausnahme, da standen ausnahmsweise einmal zwölf Erstligisten in der Runde der letzten 16 Klubs. Doch auch da scheiterten mit dem VfL Wolfsburg, Werder Bremen, Bayer Leverkusen und dem SC Freiburg gleich vier Eliteklubs in der 1. Runde.

Grund 4: Die Einstellung

Auch ein Bundesligist kann mal ein Spiel gegen einen klassentieferen Verein verlieren. Doch so chancen- und willenlos wie Hoffenheim beim Viertligisten Berliner AK, Eintracht Frankfurt bei Zweitligist Aue oder Fürth bei Drittligist Offenbach darf kein Erstligist sein. Stellvertretend schimpfte Hoffenheim-Coach Babbel: «Nach so einer Niederlage können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Das war desolat. Dafür müssen wir uns schämen», schimpfte Babbel.

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wam/news.de

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