Knast-Kick Häftlinge machen Fußball-Trainerscheine

Gaudino, Maradona & Co.
Vom Fußballprofi zum Verbrecher

Der SV Kiefer Darmstadt hat nur Heimspiele innerhalb des Knast-Komplexes, weil die Häftlinge nicht ständig raus dürfen. Vor kurzem warb das Team sogar um den Brasilianer Breno, dem ehemaligen Fußball-Profi des FC Bayern München. Der Verteidiger war vor wenigen Wochen wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

In Gefängnissen in Zweibrücken und Schifferstadt konnten sich Inhaftierte unter dem Motto «Vom Regelbrecher zum Regelhüter» freiwillig zum Schiedsrichter ausbilden lassen. Dafür bekam der Südwestdeutsche Fußball-Verband sogar Ende 2010 den Integrationspreis des Deutschen Fußball-Bundes verliehen.

Das größte und aktuellste Projekt läuft unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes und der Sepp-Herberger-Stiftung. Ziel des Jugend-Projekts «Anstoß für ein neues Leben» ist es, Unterstützung bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung durch Akteure aus Sport, Justiz und Arbeitsmarkt zu geben. Projekt-Botschafter dafür ist unter anderem der ehemalige deutsche Nationaltorwart Oliver Kahn. Wie im Gefängnis im mittelhessischen Butzbach können die Inhaftierten unter anderem auch im Jugendgefängnis Regis-Breitingen nahe Leipzig Trainerlizenzen machen. Häufiger sind aber Schiedsrichter-Ausbildungen im Knast.

Freiheit hinter Gittern
Elf Gründe, warum sich Knast lohnt

Fußball lehrte Häftling Hassan, sich mit anderen Leuten zu arrangieren

Steven freut sich riesig, dass ihm in der tristen Welt hinter Gittern so eine Abwechslung und auch Perspektive geboten wird: «Man kann sich gar nicht vorstellen, was das für uns bedeutet.» Er hat zusammen mit seinen Mitstreitern bisher nur Positives erlebt, auch Überraschendes, wie er sagt. Eigentlich sei die Knast-Welt ja rau und zuweilen aggressiv. Aber mittlerweile gebe es keinen Streit mehr während des Spiels. «Wir harmonieren schon richtig miteinander, was für mich unwahrscheinlich beeindruckend ist.»

Auch sein Mitspieler Hassan (Name geändert) fühlt sich schon ein Stück weit durch den Knast-Fußball kuriert: Er habe gelernt, besser mit Leuten klarzukommen - «was früher eigentlich meine Schwäche war». Der 27-Jährige ist zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er bei einer Meinungsverschiedenheit im Vollrausch mit einer Eisenstange auf Kontrahenten eingedroschen hat.

Steffen Winter (29) betreut die Häftlinge. Der Verbandssportlehrer bildet Fußballtrainer aus - normalerweise an der Sportschule Grünberg, nun auch im Gefängnis. «Anfangs war das schon sehr ungewohnt», sagt er. Bis er auf dem Sportplatz angekommen ist, muss er sechs verriegelte Türen und Tore passieren. «Aber letztlich sind es normale Menschen, die es auch wert sind, ausgebildet zu werden.» Er hofft, dass sich «genug Vereine finden lassen, in denen sich die Häftlinge resozialisieren können dürfen, wenn ihre Strafe verbüßt ist».

kru/jag/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • putinfanatiker
  • Kommentar 1
  • 19.08.2012 12:46

Na warum NICHT ?? Wir sind doch ALLE Menschen und jeder Mensch hat doch wohl DAS GLEICHE RECHT !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! ????? O D E R ?????

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