Olympia-Gewinner Vom Gold-Regen zum Geld-Segen

Olympia London 2012
Die deutschen Medaillengewinner
Hockey-Männer (Foto) Zur Fotostrecke

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Olympische Medaillengewinner stehen für die Zeit der Spiele im Mittelpunkt. Danach verschwinden viele wieder aus dem medialen Fokus. News.de zeigt Ihnen die deutschen Olympia-Athleten, deren Prominenz sich nachhaltig auszahlen könnte.

Sie wurden als «Goldgräber» betitelt, als «Beach-Boys» und als «Sandmänner». Den Beachvolleyballern Julius Brink und Jonas Reckermann gelang in London der aus deutscher Sicht wohl überraschendste Gold-Erfolg. In einem an Dramatik nicht zu überbietenden Finalmatch spielten die Kölner die Weltmeister aus Brasilien an die Wand. Jeder dritte Deutsche, der an diesem Abend den Fernseher angeschaltete hatte, schaute den sympathischen Helden dabei zu, insgesamt 8,04 Millionen Zuschauer. Viele davon hatten sicher noch nie ein Beachvolleyballmatch live verfolgt. Doch wie nachhaltig ist der Erfolg für die olympischen Shootingstars? Und können Sportler wie Brink/Reckermann ihren Sieg versilbern?

Denn reich werden deutsche Olympiasieger nicht, für eine Goldmedaille gibt es vom DOSB lediglich 15.000 Euro. Zum Vergleich: Der indische Sportschütze Sushil Kumar erhält für seine Silbermedaille umgerechnet 550.000 Euro, für die Bronze-Boxerin Mary Kom gibt es 228.000 Euro. In Deutschland gilt es, Gold durch gut dotierte Werbeverträge zu versilbern. «Generell können Sportler nur aus einem Olympiasieg Profit schlagen - allen voran die Beachvolleyballer Brink/Reckermann und Diskuswerfer Robert Harting, weil das Typen sind, die man gut vermarkten kann», sagt Professor André Bühler, Direktor des Deutschen Institutes für Sportmarketing. «Silber und Bronze sind zwar aus sportlicher Sicht toll», sagt der Vermarktungs-Experte, «aus Marketingsicht kann man das allerdings nur schwer in Geld umsetzen.»

Turner Marcel Nguyen knackt bei Facebook die 200.000er-Marke

Eine Ausnahme ist da Turner Marcel Nguyen, «der als Einzelsportler die junge Zielgruppe anspricht und einen regelrechten Hype ausgelöst hat», wie Bühler beobachtet hat. Durch seine zwei Silbermedaillen wurde der 24-jährige Münchner über Nacht zum Star. Bestes Indiz: Innerhalb weniger Tage wuchs seine Facebook-Anhängerschaft um ein Vielfaches, drei Tage nach Ende der Olympischen Spiele knackte er die 200.000er Marke. «Marcel Nguyen konnte während der Olympischen Spiele die Anzahl seiner Facebook-Freunde exorbitant steigern. Das sind Mediadaten und Kontakte, die auch für Sponsoren von Interesse sind, weil sie Bekanntheit und Attraktivität eines Sportlers aufzeigen», weiß Bühler. Da Nguyen vietnamesische Wurzeln hat, kommen viele seine Fans aus Asien - gute Aussichten für Berater Jörg Neblung, der einst Robert Enke betreut hat, seinen Turnstar werbeträchtig zu vermarkten.

Entscheidend für potenzielle Sponsoren sind laut Bühler neben dem sportlichen Erfolg die Medialität der Athleten. Auch nach Olympia müssten die Sportler medial vermarktbar sein, «also im Fernsehen präsent sein oder in Boulevardblättern einer breiten Masse präsentiert werden, sonst bringt das den Sponsoren nichts». Dazu bedarf es Persönlichkeit und echter Typen. «Sponsoren setzen auf Wiedererkennungswert und da sehe ich im deutschen Sport gerade wenig echte Typen und Marken», sagt Bühler. «Es gibt in diesem Bereich immer noch eine Monokultur des Fußballs.»

Julius Brink und sein Beach-Partner Jonas Reckermann sowie Marcel Nguyen sind da Ausnahmen, auch weil sie klar auf eine bestimmte Zielgruppe festzulegen sind. «Jeder Sportler hat ein Markengesicht, das eine spezielle Zielgruppe anspricht», sagt Bühler. Nguyen sei bei jungen Menschen sehr populär, könnte also beispielsweise für Videospiele werben.

Können Brink/Reckermann ihr Gold zu Geld machen?

Bei der Agentur Vitesse Kärcher, die neben Nguyens Teamkollegen Fabian Hambüchen auch Brink/Reckermann vermarktet, steht dieser Tage das Telefon nicht mehr still. Sponsoren übermitteln ihre positiven Reaktionen, Dutzende Medienanfragen erreichen die Fellbacher Agentur. Daraus gilt es nun, die interessanten herauszufiltern.

«Bei uns zählt die Qualität und nicht die Quantität - auch weiterhin», sagt Firmenchef Klaus Kärcher. «Will heißen, die Jungs haben nur eine begrenzte Fläche, auf der sie Sponsoren präsentieren können und auch nur begrenzt Zeit, sich in den Medien und für ihre Sponsoren in der Öffentlichkeit zu zeigen. Weiterhin steht bei den beiden und natürlich auch für uns als Management der Sport im Vordergrund.» Um den aktuellen Hype etwas auszunutzen, aber auch um ihre Körper zu schonen, haben die Überraschungs-Olympiasieger das Grand-Slam-Turnier in Polen abgesagt. Olympiasieger bleibt man zwar ein ganzes Leben lang, doch bei den meisten strahlt das Gold nicht allzu lange. Bei Brink/Reckermann könnte das anders sein.

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jag/news.de

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