Olympia-Bilanz Gold für London, nur Blech für den DOSB

Goldmedaillen für London und das Auftreten der deutschen Athleten. Die XXX. Olympischen Spiele haben die bisweilen arg strapazierte olympische Idee neu belebt. Stattdessen präsentierte sich die Spitzen-Funktionäre des DOSB nicht medaillenreif.

London 2012: Olympische Tragödien

Es waren glanzvolle Olympische Spiele in London, da sind sich Athleten, Fans, Funktionäre und Beobachter einig. Erstaunlich war nicht, dass fast alles perfekt organisiert war; vielmehr, dass die britischen Fans nicht nur bei Fußball, Boxen und Rugby feiern können, sondern auch alle anderen Sportstätten in Tollhäuser verwandelten. Diese Begeisterung für alle Nationen und Disziplinen - freilich begünstigt vom phänomenalen Abschneiden der britischen Athleten - ist es, die die durch Kommerz und Skandale arg strapazierte olympische Idee alle zwei Jahre neu belebt.

Auch aus deutscher Sicht waren die Spiele ein Erfolg. Zwar blieben einige Athleten hinter den Erwartungen zurück. Doch gab es nicht genügend grandiose Gold- (Harting und Beachvolleyball), Silber (Schwarzkopf und Nguyen) und Bronzemedaillen (Heidler und Tischtennis) zu bejubeln?! Lässt man den Skandal um Ruderin Nadja Drygalla einmal außen vor, haben die deutschen Atleten unser Land in London hervorragend repräsentiert.

Olympia London 2012: Die deutschen Medaillengewinner

DOSB weltfremd und intransparent

Das kann man von den deutschen Spitzenfunktionären leider nicht behaupten. Im Fall Drygalla zeigten sich Thomas Bach, Michael Vesper und Co. ähnlich schlecht informiert wie über den Olympia-Schwimmtrainers Farshid S., dem gerade wegen sexuellen Missbrauchs der Prozess gemacht wird. Die Führungsgarde des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) präsentierte sich in London nicht weltoffen und locker wie die Athleten, sondern weltfremd und intransparent.

Vor allem, was die völlig hanebüchenen Medaillen-Zielvorgaben angeht. Vor vier oder fünf Jahren handelte der DOSB mit seinen Fachverbänden aus, in London 86 Medaillen erreichen zu wollen. Der Vier-Jahresplan sozialistischer Prägung ging daneben. Mit 44-mal Edelmetall wurde nur etwas mehr als die Hälfte erreicht. Monatelang stritt man sogar vor Gericht, um diese Zielvereinbarungen geheim zu halten. Dass DOSB-Boss Thomas Bach nach der notgedrungenen Veröffentlichung zurückruderte und erklärte, er sei sehr zufrieden mit dem Abschneiden, glaubt ihm jetzt kein Mensch mehr.

All diese Beispiele illustrieren, wie weit sich der deutsche Dachverband aller olympischen Disziplinen von den einzelnen Sportarten entfernt hat. Der DOSB hat sich bei Athleten und Vertretern der Fachverbände genauso unglaubwürdig gemacht wie in der Bevölkerung. Es wird bereits laut darüber nachgedacht, ob man den obersten deutschen Sportverband überhaupt noch brauche. Der DOSB sollte seine Funktion, Förderstruktur und Außendarstellung nun schnellstens überdenken, das immerhin hat man bereits angekündigt. Medaillenwürdig waren diese Olympischen Spiele für den DOSB jedenfalls ganz und gar nicht.

ham/news.de

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