Fußball Ligachef Rauball: DFL-Gründung ein «wichtiger Schritt»

Ligachef Rauball: DFL-Gründung ein «wichtiger Schritt» (Foto)
Ligachef Rauball: DFL-Gründung ein «wichtiger Schritt» Bild: dpa

Düsseldorf - Als Präsident von Borussia Dortmund und vor allem als Ligachef hat Reinhard Rauball die Entwicklung der Bundesliga entscheidend mitgeprägt.

Die Gründungen des Ligaverbandes am 18. Dezember 2000 und der Deutschen Fußball Liga (DFL) fünf Monate später waren Meilensteine für die Professionalisierung und Modernisierung des bezahlten Fußballs in Deutschland. Aus Sicht des Dortmunder Juristen ist mit der Selbstverwaltung des Profibetriebes und der «engen Verzahnung» mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine gute Mischung gefunden worden, die sich «Jahr für Jahr mehr bewährt».

Die Nachrichtenagentur dpa sprach mit dem 65-Jährigen, der seit 2007 Ligaverbandspräsident ist, über Erfolge, aber auch Rückschläge im letzten Jahrzehnt.

Als BVB-Präsident und Ligaboss sind Sie Zeitzeuge der Bundesliga. Welche Bedeutung hatte die Loslösung des Profibereichs vor zwölf Jahren vom DFB? Es gab ja auch viele Skeptiker.

Reinhard Rauball: «Es war ein wichtiger Schritt für die Entwicklung. Aber es war ja keine komplette Loslösung. Es gab - und gibt auch heute noch - eine enge Verzahnung mit dem DFB. So sind beispielsweise die Themen Sicherheit, Schiedsrichterwesen und Sportgerichtsbarkeit weiter beim Verband angesiedelt. Es wurde eine gute Mischung gefunden: Auf der einen Seite der DFB mit seinen gewachsenen Strukturen, auf der anderen Seite Ligaverband und DFL mit dem Wunsch nach Innovation.»

Was hat sich nach der Jahrtausendwende denn besonders verändert?

Rauball: «Schauen Sie sich die Entwicklung der Bundesliga seit 2001 an. Es gab einen Boom. Vor allem bei den Zuschauerzahlen haben wir unglaublich zugelegt. In der abgelaufenen Saison 2011/2012 hatten wir einen Besucherschnitt von mehr als 44 000, damit ist die Bundesliga die zuschauerstärkste Fußball-Liga der Welt. 2000/2001 lag der Schnitt noch bei 28 400, es gab also eine Steigerung um 54 Prozent. Das ist sehr beachtlich.»

Worauf führen Sie diese positive Entwicklung zurück?

Rauball: «Es hat viel damit zu tun, dass die Liga sehr ausgeglichen ist. Bis auf wenige Ausnahmen war sie zuletzt immer spannend bis zum letzten Spieltag. Seit 2000 gab es in Bayern München, Borussia Dortmund, Werder Bremen, VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg fünf verschiedene deutsche Meister. Schalke und Bayer Leverkusen sind nur knapp gescheitert, sonst wären es sogar sieben. Dazu kommen die Infrastruktur und die tollen Stadien, die unter anderem im Zuge der WM 2006 weiter ausgebaut und modernisiert wurden. Unsere Stadien sind sicher, komfortabel und auch viel familienfreundlicher geworden. All diese Investitionen zahlen sich aus. Die Bundesliga ist ungeheuer attraktiv.»

Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung der Vereine? Es gab auch heftige Rückschläge wie den Schiedsrichterskandal, den Wettbetrug oder die Kirch-Krise mit fatalen Folgen für die Clubs...

Rauball: «Die Kirch-Krise war im Frühjahr 2002. Da stand die Liga vor einer sehr großen Bewährungsprobe. Der sogenannte 'Fernseh-Jahrhundertvertrag' konnte nicht erfüllt werden. Aber die Liga hat zusammengehalten und die Krise letztlich mit großen Anstrengungen überwunden. Wir haben unsere Lehren daraus gezogen.»

Inwiefern?

Rauball: «Die Wirtschaftskraft der Clubs ist auf drei ertragreiche Säulen gestellt worden: Neben den Medien-Einnahmen sind dies Ticketverkauf und Sponsoring. Gerade der letzte Bereich hat sich enorm entwickelt. Dazu kommt das Lizenzierungsverfahren, das weiter verfeinert wurde. Es gab in 49 Jahren Bundesliga keinen Verein, der während der laufenden Saison in Konkurs bzw. in die Insolvenz gegangen ist.»

Einige Male war es aber sehr kritisch, zum Beispiel in Schalke und auch in Dortmund.

Rauball: «Ja, aber es wurden immer taugliche Mittel gefunden, um die wirtschaftliche Stabilität wiederherzustellen und hochzuhalten. In der Vorsaison hatte die Liga einen Gesamtumsatz von knapp zwei Milliarden Euro. Das ist seit 1999 eine Steigerung von mehr als einer Milliarde. Damit sind wir die Nummer zwei in Europa. Dass die Clubs darüber hinaus mehr als 700 Millionen Euro jährlich an Steuern und Abgaben zahlen, unterstreicht den Wert der Bundesliga als Wirtschaftsfaktor.»

Welche sportlichen Ereignisse seit 2000 sind Ihnen besonders in Erinnerung? Vor allem die drei Meisterschaften des BVB oder konnten Sie auch mit Schalke fühlen, als die Bayern Ihrem Revierrivalen 2001 den Titel in letzter Sekunde vor der Nase wegschnappte?

Rauball: «Als Ligapräsident betrachte ich vor allem die positive Gesamt-Entwicklung mit Freude. Der Fußball, insbesondere die Bundesliga, hat große gesellschaftliche Bedeutung und trägt damit auch große Verantwortung. Dem versuchen Clubs und Liga mit einer Vielzahl an Maßnahmen gerecht zu werden. Das wird dokumentiert durch viele öffentlichkeitswirksame Aktionen beispielsweise gegen Rassismus, für Fairplay, gegen den Hunger in der Welt. Wir unterstützen andere Sportarten, die weniger privilegiert sind. So, wie dies in der Kooperation der Bundesliga-Stiftung mit der Deutschen Sporthilfe gemacht wird. »

Die Integration ist ein immer aktuelles Thema. Hat der Fußball hier eine Vorreiterrolle übernommen?

Rauball: «Ja, das Thema spielt immer mehr eine zentrale Rolle. Hier hat der Fußball so viel auf den Weg gebracht wie kaum eine andere gesellschaftliche Kraft.»

Trotz aller Fortschritte gibt es noch Problemfelder. Die Kluft zwischen armen und reichen Vereinen ist größer geworden, auch die Themen Sicherheit und Gewalt machen weiter Sorgen. Was wünschen Sie der Liga für die nächsten 50 Jahre?

Rauball: «Sicher gibt es Herausforderungen. Ich wünsche der Liga, dass beispielsweise das Sicherheitsthema in den nächsten Jahren grundlegend gelöst wird. Aber da müssen alle gesellschaftlichen Kräfte mit anpacken: Vereine, Verbände, Spieler, Fans, Polizei, Wirtschaft und Politik. Wir brauchen Solidarität und den ständigen Dialog, auch mit der überwältigenden Mehrheit der friedlichen Fans. Ich habe großes Vertrauen in die Verantwortung dieser Fans.»

Ihre Amtszeit läuft noch bis 2013. Eigentlich sind Sie mit 65 Jahren jetzt im Rentenalter. Treten Sie noch mal an, um die Entwicklungen weiter voranzutreiben?

Rauball: «Darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken.»

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
++ Fußball-Liveticker ++
 

Live-Ticker powered by live-ticker.com

Fußball im Überblick
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige