Olympia Brasilien fordert Menezes-Rücktritt - Gold für Mexiko

London - Nach dem wieder einmal verpassten Olympia-Gold fürchtet die stolze Fußball-Nation Brasilien ein erneutes Fiasko bei der Heim-WM in zwei Jahren.

Brasilien fordert Menezes-Rücktritt -  Gold für Mexiko (Foto)
Brasilien fordert Menezes-Rücktritt - Gold für Mexiko Bild: dpa
Kaum jemand im Land des fünfmaligen Weltmeisters traut Trainer Mano Menezes noch zu, die Seleção 2014 im eigenen Land zum Titel zu führen.

«Es ist sein Fehler», sagte der frühere Stürmerstar Romario nach dem 1:2 der Südamerikaner im olympischen Finale am Samstag gegen Mexiko wutentbrannt. «Zum Glück sehen wir heute wohl sein letztes Spiel im Nationalteam», sagte der heutige Parlamentsabgeordnete im TV-Sender «Record».

Bereits unmittelbar nach der Niederlage im Wembleystadion von London war der farblose Nachfolger von Carlos Dunga von den brasilianischen Journalisten in die Mangel genommen worden. Ob er Angst habe, in die Heimat zurückzukehren, lautetet die erste Frage. Wie froh er sei, am kommenden Mittwoch mit der A-Nationalmannschaft erst einmal in Schweden und nicht in Brasilien zu spielen, fragte der nächste Reporter.

Menezes ließ das Tribunal äußerlich regungslos über sich ergehen. «Jeder Trainer muss sich nach Niederlagen der Verantwortung stellen», sagte der 50-Jährige. An Rücktritt denke er aber nicht. «Ich glaube nicht, dass diese Niederlage einen negativen Einfluss auf unsere Vorbereitung für die WM 2014 hat.»

Das sehen Fans und Experten am Zuckerhut ganz anders. In ihrer Enttäuschung über das verpasste erste Olympia-Gold ließen die Fans ihrem Frust in den Cafés und Kneipen von Rio de Janeiro freien Lauf und zerrissen vor laufenden Fernsehkameras ihre Nationaltrikots.

Auch in den Medien war Menezes der Sündenbock. «(Pep) Guardiola muss her», meinte zum Beispiel der frühere Nationalstürmer Paulo Cézar Caju am Sonntag in der Zeitung «Estado de S. Paulo». Bis zur WM im eigenen Land seien es nur noch zwei Jahre, erinnerte der 63-Jährige, und warnte: «Wir können nicht davon ausgehen, dass Mano bis dahin aufwachen und ein gutes Team aufbauen wird.»

Es war nicht das erste Mal, dass Menezes die fußballverrückten Brasilianer enttäuschte. Und das, obwohl sein Team zu 90 Prozent dem der aktuellen Nationalmannschaft entsprach. Schon im vergangenen Jahr bei der Copa América in Argentinien war die «Seleção» mit dem Viertelfinal-Aus weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

«Leider gibt es kein Licht am Ende des Tunnels», kommentierte der Starjournalist Juca Kfouri den Niedergang der brasilianischen Nationalelf. In einer Umfrage des Portals «UOL» sprachen sich 90 Prozent der Fans für einen Rauschmiss von Menezes aus.

In Mexiko löste das erste Olympia-Gold dagegen spontane Siegesfeiern aus. Staatspräsident Felipe Calderon gratulierte dem Team von Trainer Luis Fernando zu einer «historischen Leistung». Vor allem Doppel-Torschütze Oribe Peralta stand im Mittelpunkt der Jubelarien. Der Angreifer hatte die Mexikaner bereits nach 27 Sekunden in Führung gebracht und eine Viertelstunde vor Schluss mit einem wuchtigen Kopfball für die Entscheidung gesorgt. Der brasilianische Anschlusstreffer durch Hulk (90.+1) kam zu spät.

«Ich habe von diesem Moment geträumt», sagte Matchwinner Peralta. «Das war das wichtigste Spiel meines Lebens.» Coach Fernando widmete den Triumph seinem verstorbenen Vater. «Er spielt im Himmel immer noch Fußball.»

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig