Deutscher Olympia-Ärger Schwimmtrainer muss vor Gericht

London 2012
Olympische Tragödien
Martin Wolfram (Foto) Zur Fotostrecke

Ein Trainer der olympischen Schwimmmannschaft soll einen seiner Schützlinge sexuell belästigt haben. Trotzdem war er nun in London dabei. Mal wieder will der DOSB von der Affäre nichts gewusst haben.

Erneut gerät der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in die Negativschlagzeilen. Ein 40-Jähriger Schwimmtrainer, der mit zu den Spielen nach London gereist war, soll zwischen 2004 und 2006 eine Schwimmerin sexuell missbraucht haben. Ganze 18 Mal soll sich der Trainer an der damals minderjährigen Sportlerin vergangen haben. Dafür muss sich der Mann ab Dienstag vor dem Schöffengericht in Kiel verantworten.

Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB, fühlt sich von dem angeklagten Trainer getäuscht. Er will erst am Freitag von dem Fall erfahren haben. «Wenn uns der Vorfall bekannt gewesen wäre, wäre er nicht mitgenommen worden», sagte Vesper dapd und fügte hinzu: «Der Trainer hätte uns über das Verfahren gegen ihn auf jeden Fall informieren müssen.» Der Mann gehörte in London zum Trainerstab der Beckenschwimmer.

Nun sei abzuwarten, wie das Gericht entscheidet. «Ich finde es aber gut, dass die Sache gerichtlich geklärt wird, denn nach meinem Kenntnisstand steht ja Aussage gegen Aussage«, sagte Vesper weiter.

Es gilt zunächst die Unschuldsvermutung

«Es ist - auf Deutsch gesagt - zum Kotzen, dass so etwas gerade dann auch noch an einem Tag aufkommt, an dem Thomas Lurz Silber gewinnt», sagte der Generalsekretär des Deutschen Schwimm-Verbands, Jürgen Fornoff. «Wir sind davon völlig überrascht worden. Sonst hätten wir uns natürlich im Vorfeld der Olympischen Spiele mit dem Deutschen Olympischen Sportbund abgestimmt, wie man sich hätte verhalten sollen. Er hat ja auch den olympischen Ehrenkodex unterschrieben.» Für Rückfragen sei der Trainer bislang nicht zu erreichen gewesen. Fornoff stellt jedoch fest, dass zunächst die Unschuldsvermutung gelte.

Das ändert jedoch nichts daran, dass es beim DOSB offenbar ein Kommunikationsproblem gibt. «Ich wollte den DOSB am Freitag darüber informieren, aber die wussten es bereits», sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel dapd.

Der DSV wurde am Freitagnachmittag von der Neuen Osnabrücker Zeitung über den Sachverhalt in Kenntnis gesetzt. Allerdings wurde Anzeige gegen den nicht vorbestraften Trainer bereits im August 2009 erstattet, seitdem liefen die Ermittlungen. Im September 2011 erhob die Staatsanwaltschaft Kiel Anklage. Im Falle einer Verurteilung droht dem Trainer maximal eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Die junge Frau soll in dem Prozess als Nebenklägerin auftreten. Bei dem Prozess sind drei Zeugen geladen. Weitere Termine sind nicht angesetzt.

Beinahe nicht strafrechtliche relevant

Der betroffene Trainer war seit dem Jahr 2000 Übungsleiter in Kiel. Einen ersten Übergriff soll es laut Anklageschrift im August 2004 bei einem Training auf Kreta gegeben haben. Bis März 2006 soll der Mann das Betreuungsverhältnis ausgenutzt haben, um die Sportlerin mehrfach zum Sex zu zwingen. Zu physischer Gewalt im Sinne einer Vergewaltigung kam es nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht. Hätte das Betreuungsverhältnis nicht bestanden, wären auch die jetzt erhobenen Vorwürfe strafrechtlich nicht relevant gewesen, heißt es bei der Ermittlungsbehörde.

Der Mann arbeitet mittlerweile für einen Sportverein in Nordrhein-Westfalen. Im Mai wurde er im Zuge der Europameisterschaft im ungarischen Debrecen zum ersten Mal in den Trainerstab des DSV für ein internationales Turnier berufen. In London war er einer von sechs Trainern.

ham/news.de/dapd

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