Olympia 2012 Hammerdrama für Hammer-Betty

London 2012
Olympische Tragödien
Martin Wolfram (Foto) Zur Fotostrecke

Von Andreas Schirmer
Es war ein Befreiungswurf. Doch der fünfte Versuch dürfte Hammerwerferin Betty Heidler so manches graue Haar frühzeitig eingebracht haben - schlicht, weil eine Messanlage defekt war. Die Medaille bekam sie trotzdem. Und zur gleichen Zeit waren auch zwei andere Deutsche bei Olympia 2012 erfolgreich.

Das war der Hammer! Die deutschen Stabartisten Björn Otto und Raphael Holzdeppe sind hauchdünn am Olympiasieg vorbei gesprungen und glänzten mit Silber und Bronze. Weltrekordlerin Betty Heidler wäre wegen eines Computerfehlers bei der Übertragung der gemessenen Weite beinahe um eine Medaille in London betrogen worden. Erst nach heftigen Protesten wurde der Olympia-Vierten von 2004 doch die Bronzemedaille zuerkannt.

Zunächst allerdings nur unter Vorbehalt. China protestierte gegen die Wertung, da Zhang Wenxiu auf Platz vier zurückfiel. «Ich habe echt Nerven gelassen», stöhnte Heidler, nachdem die Siegerehrung erst einmal abgesagt wurde. Erst nach langer Warterei wies die Jury den Einspruch ab - und Heidler war glücklich.

Pech hatte ihre Frankfurter Clubkollegin Kathrin Klaas, die am Freitagabend noch vom dritten auf den fünften Platz verdrängt wurde. Während Heidler verzweifelt um ihr Recht kämpfte, drehte die amerikanische 4 x 100-Meter Staffel der Frauen bei ihrem Olympiasieg in 40,82 Sekunden eine Stadionrunde in Weltrekordzeit.

Ende einer 16 Jahre währenden Flaute

Derweil lieferten sich Otto und Holzdeppe einen faszinierenden Dreikampf mit Europameister Renaud Lavillenie aus Frankreich, der mit seinem letzten Versuch als Einziger 5,97 Meter überquerte. Das deutsche Duo hatte 5,91 Meter gemeistert und bescherte den deutschen Stabhochspringern nach 16-jähriger Flaute wieder Olympia-Medaillen. Silber sicherte sich der 34-jährige Otto vor Holzdeppe. Malte Mohr belegte dagegen mit 5,50 Metern nur den neunten Platz.

Olympia London 2012
Die deutschen Medaillengewinner
Hockey-Männer (Foto) Zur Fotostrecke

Die deutschen Leichtathleten haben damit in London schon acht Medaillen (1/4/3) geholt. Bei den Spielen 2004 in Athen war es nur zweimal Silber, in Peking 2008 gar nur einmal Bronze.

Riesige Konfusion gab es um den fünften Versuch von Betty Heidler. Die Vizeweltmeisterin diskutierte lautstark mit den Kampfrichtern, die 80.000 Zuschauer schauten ratlos zu. Der Wurf wurde mit 77,13 Metern gemessen, die Weite allerdings laut Heidler nicht in den Ergebniscomputer übertragen. Angezeigt wurden im Stadion 72,34 Meter. Dies ließ sich nicht so schnell korrigieren.

Fassungslos saß Heidler am Ende des Wettkampfs auf dem Boden und schaute zu, wie ihre Rivalinnen eine Ehrenrunde liefen. Bis dato war sie mit 73,90 Metern nur Achte. Schließlich fruchtete ihr Widerstand, der umstrittene Versuch wurde per Hand nachgemessen und die Weite nach dem Protest offiziell mit 77,12 Metern angegeben - Bronze und die erste Medaille einer Deutschen seit Kirsten Münchow bei der Olympia-Premiere des Frauen-Hammerwurfs 2000 in Sydney. Die WM-Siebte Klaas stellte im dritten Versuch mit 76,05 Metern eine persönliche Bestleistung auf.

ham/news.de/dpa

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