Beachvolleyball-Olympiasieg Grandioses Gold-Match ohne Gummipuppen

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Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Das gab's noch nie: Julius Brink und Jonas Reckermann gewinnen bei Olympia Gold im Beachvolleyball. Als erstes europäisches Team der Geschichte! Selbst von ihren brasilianischen Angstgegnern ließen sich die Beach-Boys im Londoner Olympia-Sand nicht aufhalten.

Julius Brink konnte diesen Moment nicht fassen. Um Mitternacht erhob er sein Champagner-Glas und sprach einen kurzen Toast. «Ich weiß nicht, was passiert ist», sagte der Beachvolleyballer, «aber das hätte ich jetzt gern öfter.» Das war in der Nacht vom 5. zum 6. Juli 2009. Julius Brink feierte seinen 27. Geburtstag und war mit seinem Partner Jonas Reckermann wenige Stunden zuvor völlig überraschend Weltmeister geworden. Und das nur wenige Monate, nachdem sich beide nach enttäuschender Olympia-Erfahrung in Peking (Brink) beziehungsweise verpasster Qualifikation (Reckermann) als Team zusammengetan hatten. In Deutschland bekam die breite Öffentlichkeit diesen Triumph nicht mit, weil das Gold-Spiel nicht einmal live im Spartenfernsehen zu sehen war.

Drei Jahre später nun wird es Brink/Reckermann wieder ähnlich schwerfallen, den Triumph zu begreifen: Seit Donnerstagnacht dürfen sich beide Olympiasieger nennen - als erste Europäer. Mit dem atemberaubenden 2:1 (23:21, 16:21, 16:14)-Erfolg über die aktuellen Weltmeister Alison Cerutti und Emanuel Rego holten die beiden Rheinländer die zweite Olympiamedaille für deutsche Beachteams überhaupt - und das erste Gold für deutsche Volleyballer.

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Ein Höhepunkt der Olympischen Spiele

Zur besten Sendezeit lieferten sich die derzeit abgezocktesten Teams der Welt ein an Spannung kaum zu überbietendes Match. 15.000 Fans im Stadion auf dem Gelände des Exerzierplatzes der königlichen Reitstaffel - darunter viele Mitglieder des deutschen Olympiateams - und Millionen Zuschauern stockte der Atem, als Brink/Reckermann plötzlich drei Matchbälle hintereinander nicht verwerten konnten. Mit Sicherheit kamen nicht nur bei den vier Protagonisten auf dem Centre Court Gedanken an den Grand Slam von Moskau im Juni hoch, als die Deutschen im Halbfinale ebenfalls 14:11 geführt hatten und den Zockern vom Zuckerhut doch noch 16:18 unterlagen.

Ungläubig sagte Julius Brink nach dem Gold-Match: «In dieser Situation zwei Bälle reinfallen zu lassen, da ist mir schon kurz das Herz in die Hose gerutscht. Aber der Beachvolleyball-Gott war heute auf unserer Seite.» Nicht der emotionale Abwehrwiesel Brink, sondern der sonst eher coole Blockhüne Jonas Reckermann sorgte im zweiten Satz, in dem es nicht rund lief, für die nötige Motivation.

«Komm, komm, kühler Kopf», feuerte Reckermann seinen drei Jahre jüngeren Beachpartner an. «Das war stark von ihm, da hat er mich zurückgeholt», sagte Brink. Diese mentale Stärke, an der Brink/Reckermann seit Beginn ihrer Zusammenarbeit gemeinsam mit ihrem Trainerstab um Jürgen Wagner und Sportpsychologe Lothar Linz arbeiten, machte schließlich den Unterschied.

Auch ohne Gummipuppen erfolgreich

Im Finale des engen ersten Satz nutzten sie ihre Chancen eiskalt; gegen Ende des verpatzten zweiten Durchgangs spielten sich die Könige vom London-Beach wieder zurück, sodass sie im dritten Durchgang wieder auf Augenhöhe waren und schließlich im Finale einen kühlen Kopf bewahrten und den vierten Matchball zu Olympiagold nutzen konnten. Ein historisches Spiel, von dem man noch in zehn Jahren sprechen wird, aus deutscher Sicht einer der absoluten Höhepunkte dieser Olympischen Spiele.

Und das ohne ihre Maskottchen. Weil sich beide nicht auf ein Maskottchen einigen konnten, bestellten sie sich im Internet zwei Gummipuppen, die sie mit ihrer offiziellen Beach-Kleidung ausstatteten. Doch Brink/Reckermann wechselten die Unterkunft in London und überließen die Gummipuppen ihrem Schicksal. War vielleicht besser so - es wäre doch ziemlich schräg gewesen, wenn Brink/Reckermann den größten Erfolg ihrer Karriere mit zwei Gummipuppen im Arm gefeiert hätten.

jag/news.de

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