Olympia Aufreger: Publikum punktet mit - Nachteil für Härtel

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Aufreger: Publikum punktet mit - Nachteil für Härtel Bild: dpa

London (dpa) - Das olympische Boxturnier ist endgültig zum Aufreger geworden. Mit der Neutralität der Punktrichter ist es nicht zum Besten bestellt. Vor allem, wenn britische Faustkämpfer in den Ring steigen.

Der Sieg des Einheimischen Anthony Ogogo gegen den Berliner Stefan Härtel gehört in diese Kategorie. Der 24 Jahre alte Mittelgewichtler war der letzte der vier Deutschen im Turnier und verlor nach großem Kampf mit 10:15. Damit wurde es wie 2008 wieder nichts mit einer Medaille für den deutschen Verband.

«Unser Athlet hat klar gewonnen. Die Kampfrichter sind dem britischen Wahn erlegen. Der Krach, das Theater in der Halle ist nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen», sagte Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV). Selbst ausländische Trainer und Funktionäre hatten die deutsche Delegation angesprochen und bekundet, Härtel sei der eigentliche Sieger.

Einen Protest wird es dennoch nicht geben. «Das ist nur möglich, wenn Regelverstöße vorliegen, die der Ringrichter nicht geahndet hat», erklärte Müller. Die Wertungen der Punktrichter, so widersprüchlich oder gar falsch sie auch sein mögen, sind indes kein Regelverstoß. Die zweite Runde, die Härtel offiziell 4:5 verloren, nach Auffassung neutraler Beobachter aber deutlich gewonnen hatte, wurde von einem Punktrichter mit 7:1 für Ogogo gewertet.

Der Brite ist zum zweiten Mal aufgrund eines Fehlurteils weitergekommen. Im Achtelfinale war er dem ukrainischen Weltmeister Jewgen Chytrow unterlegen. Die Punktrichter gaben jedoch ein 18:18 und stimmten schließlich mehrheitlich für Ogogo als Sieger.

«Es bildet sich immer stärker in den internationalen Delegationen die Meinung heraus: Diese Kampfrichter sind nicht die besten der Welt. Ich bin erschüttert, dass die Leute das Neutralitätsgebot unterlaufen», echauffierte sich DBV-Präsident Jürgen Kyas. «Es ist nicht das erste Urteil, das gravierend danebenliegt.» Zwei Urteile hatte der Box-Weltverband AIBA schon umgedreht. Das aber, weil Regelverstöße durch die Ringrichter vorlagen. «Die Kampfrichter sind beeindruckt von der Atmosphäre in der Halle und haben offensichtlich nicht den Mut, gegen das Publikum zu werten», meinte Kyas.

Um dem Problem Herr zu werden, will die AIBA den professionellen Kampfrichter einführen. Ab 2013 sollen die bezahlten Unparteiischen am Ring sitzen. Zunächst sind 10 Referees vorgesehen, peu à peu soll die Zahl erhöht werden. «Bei Olympia sind 35 im Einsatz, wenn wir später 25 Profi-Kampfrichter haben, reicht das», sagte Müller. Ein Profi muss an sich nicht neutraler sein als ein Amateur-Referee. Liegt er aber mit seinen Ansichten mehrfach daneben, ist er seinen Job und damit seine Einnahmequelle los. Müller: «Das wird sich positiv auf das Boxen auswirken.»

news.de/dpa

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