Olympia Auferstehung von Boll - Bronze-Match gegen Hongkong

London - So nah dran und doch noch weg: Deutschlands Tischtennis-Herren um den überragenden Timo Boll schwankten nach der 1:3-Niederlage gegen Top-Favorit China im Olympia-Halbfinale zwischen Stolz und Enttäuschung.«Es war meine Auferstehung, aber leider unser Untergang», kommentierte der WM-Dritte ein Match, in dem die Europameister so heftig wie nie zuvor am Thron der scheinbar Unbezwingbaren rüttelten.

Auferstehung von Boll - Bronze-Match gegen Hongkong (Foto)
Auferstehung von Boll - Bronze-Match gegen Hongkong Bild: dpa

«Wir haben die Chinesen ins Wanken gebracht, aber es hat immer noch nicht ganz gereicht.»

Viel Zeit zum Grübeln über das letzte Quäntchen, das noch fehlt, hat das Trio des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) nicht. Im Kampf um die Bronzemedaille ist am Mittwoch Hongkong die letzte Hürde. China, das vor vier Jahren in Peking das DTTB-Team 3:0 im Endspiel bezwungen hatte, trifft im Londoner Finale auf Südkorea. Die Südkoreaner wiesen im zweiten Halbfinale die Hongkong-Auswahl deutlich mit 3:0 in die Schranken. Für das Damen-Endspiel an diesem Dienstag qualifizierten sich Top-Favorit China und Japan.

Chinas Cheftrainer Liu Guoliang hielt es am Montag kaum auf seinem Sitz. «Ich war sehr nervös. Für uns war das ein sehr wichtiges Spiel», bekannte der Olympiasieger von 1996. Nach dem verwandelten Matchball seines Sieggaranten Ma Long bedankte er sich mit Kusshand beim zahlenmäßig unterlegenen chinesischen Anhang. Der hatte gegen die lautstarken Anfeuerungen für «Timo» und «Dima» in der Halle klar das Nachsehen, am Ende aber doch mehr Grund zum Jubel.

«Das war sensationell und großer Sport. Wenn die Motivation so bleibt, dann wird es Bronze», lobte der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière die erbitterte Gegenwehr des deutschen Teams und die riesige Stimmung.

Im Mittelpunkt der Ovationen stand Top-Star Boll. Nach seinem frühen Einzel-Aus wirkte der 31 Jahre alte Linkshänder wie ausgewechselt. Der Rekord-Europameister zwang den frisch gekürten Olympiasieger und Weltmeister Zhang Jike in vier Sätzen in die Knie.

«Ich bin froh, dass ich gezeigt habe, was ich spielen kann»,, sagte der Düsseldorfer nach seiner Weltklasse-Leistung, «Wenn einer so zurückkommt, zeigt das, was für ein Sportler in ihm steckt», lobte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig den Ausnahmespieler.

Bolls Ausgleich zum 1:1 war nicht die einzige Chance, um die Negativserie von 21 Niederlagen in 21 Pflicht-Länderspielen zu beenden. Im Auftakteinzel führte der Olympia-Dritte Dimitrij Ovtcharov 9:7 im dritten Durchgang gegen Ma Long, ehe er vier Punkte in Serie abgab, darunter einen sogenannten Elfmeter. «Das war der Knackpunkt», sagte der Europa-Top-12-Sieger. «Ich habe alles probiert. Solche Chancen müssen wir das nächste Mal nutzen.»

Bei einer deutschen 2:0-Führung wäre die Partie möglicherweise mit einer Sensation ausgegangen. Doch so spielte das ungewöhnliche Spielsystem mit einem Doppel und vier Einzelbegegnungen China bei der Neuauflage des Olympia-Endspiels von Peking 2008 und des WM-Finales vom Mai in Dortmund in die Karten. Das Doppel Boll/Steger und der deutsche Meister Bastian Steger in seiner Partie gegen Ma Long hatten ziemlich klar das Nachsehen. «Da waren die Chinesen besser. Sie sind ein anderes Kaliber», bekannte Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Trainer und Spieler richteten den Fokus schnell auf das Spiel um Platz drei am Mittwoch gegen Hongkong. «Wenn wir so loslegen wie gegen China, dann haben wir eine gute Chance», sagte Boll. «Unser Ziel ist eine Medaille», unterstrich Roßkopf. Er will das Turnier mit dem zweiten Edelmetall nach Bronze für Ovtcharov unbedingt positiv beenden.

news.de/dpa

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