Olympia Entfesselter Murray holt Olympia-Gold gegen Federer

London - Andy Murray schlug die Hände vors Gesicht und sank überwältigt auf die Knie. Danach rannte der 24 Jahre alte Tennis-Profi auf die Tribüne und umarmte seine Freundin, während Roger Federer geschlagen und gedemütigt den Centre Court von Wimbledon verließ.

Entfesselter Murray holt Olympia-Gold gegen Federer (Foto)
Entfesselter Murray holt Olympia-Gold gegen Federer Bild: dpa

Mit dem Einzel-Olympiasieg in London ist der Schotte Murray endgültig in den Herzen aller Briten angekommen. Er ist der erste britische Tennisspieler mit Einzel-Gold seit Josiah Ritchie 1908.

Murray deklassierte im Endspiel den Schweizer Weltranglisten-Ersten Federer mit 6:2, 6:1, 6:4 und feierte damit den ersten großen Titel seiner Karriere. Zugleich nahm er Revanche für die Niederlage im Wimbledon-Endspiel vier Wochen zuvor. Nach gerade einmal 1:56 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball mit einem Ass. «Unglaublich! Ich habe ein paar schwere Niederlagen kassiert in meiner Karriere. Das war der beste Weg, nach Wimbledon zurückzukommen», sagte Murray nach der stärksten Leistung seines Lebens.

Wenige Stunden nach seinem Gold-Coup im Einzel verpasste er im Mixed zusammen mit Laura Robson seinen zweiten Olympiasieg nur knapp. Das britische Duo musste sich der weißrussischen Paarung Victoria Asarenka und Max Mirnji nach Match Tie Break mit 6:2, 3:6, 8:10 geschlagen geben.

Federer muss weiter auf sein erstes Einzel-Gold bei Olympia warten. Vor vier Jahren hatte der Eidgenosse in Peking zusammen mit seinem Landsmann Stanislas Wawrinka den olympischen Wettbewerb im Doppel gewonnen. «Es ist schade, aber es war trotzdem ein großer Tag für mich. Vielleicht war ich emotional erschöpft. Er war besser, viel besser als ich, aber ich bin mit Silber zufrieden», sagte Federer. «Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren.» Die Niederlage am Sonntag erinnerte an das French-Open-Finale 2008. Damals war Federer gegen den in London verletzt fehlenden Peking-Olympiasieger Rafael Nadal beim 1:6, 3:6, 0:6 genauso chancenlos.

Bronze ging in London an Juan Martin del Potro. Der Argentinier gewann am Sonntag 7:5, 6:4 gegen den Serben Novak Djokovic. Im Halbfinale hatte der 23 Jahre alte US-Open-Champion von 2009 in einer hochdramatischen Partie über mehr als vier Stunden in drei Sätzen gegen Federer verloren. Djokovic hatte sich Murray geschlagen geben müssen und verpasste am Ende eine weitere Medaille nach Bronze 2008 in Peking.

Im herbeigesehnten Traumfinale von London spielte sich Murray schnell in einen Rausch. Wie entfesselt trumpfte der 25-Jährige auf und ließ Federer mit Tennis der Extraklasse nicht den Hauch einer Chance. Angetrieben von 15 000 enthusiastischen Zuschauern auf dem berühmtesten Centre Court der Welt musste der Schotte zunächst eine Schrecksekunde überstehen. Gleich im ersten Spiel kam Federer zu zwei Breakchancen, die Murray aber abwehren konnte.

Danach war der viermalige Grand-Slam-Finalist nicht mehr aufzuhalten. Zum 4:2 nahm er Federer zum ersten Mal das Service ab und versetzte die Briten auf den Rängen in Ekstase - «Andy, Andy»-Sprechchöre hallten über die Anlage.

Als Murray nach 37 Minuten mit dem ersten Satzball den ersten Durchgang mit 6:2 für sich entschied, ging es im «Wohnzimmer» des All England Lawn Tennis Club zu wie in einem Fußball-Stadion. Mit ohrenbetäubendem Jubel feierten die Fans Murrays ersten Schritt zum Olympiasieg, sogar die La-Ola-Welle schwappte durch das Rund. Dort, wo sonst während des Grand-Slam-Turniers stets Ordnung und bedächtige Ruhe herrschen, regierte nun der Wahnsinn.

Federer wirkte einen Monat nach seinem siebten Wimbledon-Triumph sichtlich beeindruckt. Den nächsten Tiefschlag versetzte Murray dem Branchenprimus im dritten Spiel des zweiten Satzes. Nachdem ihm erneut ein schnelles Break gelungen war, musste er bei eigenem Service sechs Breakbälle von Federer abwehren, ehe er mit 3:0 in Führung ging.

Damit war der Widerstand des Schweizers gebrochen. Murray trieb den 17-fachen Grand-Slam-Turnier-Sieger mit seinen druckvollen Grundlinienschlägen nun nach Belieben über den Court. Mit 6:1 entschied er den zweiten Durchgang für sich. Als ihm auch im dritten Satz zum 3:2 das Break gelang, war das mit so viel Spannung erwartete olympische Finale endgültig entschieden. Fortan wurde jeder Punkt des Briten frenetisch bejubelt. «Es gibt nur einen Andy Murray», sangen die Fans und trieben Murray damit zum Olympia-Gold.

news.de/dpa

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