Olympia Harting wirft - Erstes Olympia-Gold seit 2000 winkt

Harting wirft - Erstes Olympia-Gold seit 2000 winkt (Foto)
Harting wirft - Erstes Olympia-Gold seit 2000 winkt Bild: dpa

London - Robert Harting ist heiß - auf seiner Homepage steht der Mann sogar schon in Flammen. Nach zwölfjähriger Gold-Flaute will der Diskus-Hüne in London für frischen Wind sorgen und endlich den Bann brechen.Hat der Welt- und Europameister den Dreh raus, könnte Deutschland am Dienstag erstmals seit dem 29.

September 2000 wieder einen Leichtathletik-Olympiasieger feiern. Die Zeit ist reif für Schwarz-Rot-Gold, und der Harting, der hat's drauf. Die Qualifikation am Montag ist das Warm up für Deutschlands 2,01 Meter große und 129 Kilo schwere Medaillenhoffnung.

Lang, lang ist's her: Heike Drechsler war es, die in Sydney als 35-Jährige Gold im Weitsprung holte. Danach gab es unter den fünf Ringen keinen Champion aus deutschen Landen mehr. Harting kann dies am 7. August 2012 ändern. Die Vorzeichen stehen gut, denn der 27 Jahre alte Berliner ist als Jahresweltbester (70,66 Meter) in London angereist. Und er weiß, dass er eine einmalige Chance hat: Drei große Titel innerhalb von zwölf Monaten. Das wäre ein Coup im Ring.

«Ich will mich nicht verstecken. Es ist ein positives Gefühl, eine Chance zu haben. Ich freue mich darauf», sagte der gebürtige Lausitzer, der im Olympia-Jahr erstmals die 70-Meter-Marke geknackt hatte. Die Super-Serie von 28 Siegen hintereinander gibt dem zweifachen Weltmeister (2009 und 2011) die nötige Ruhe vor dem Sturm. Harting ist heiß, aber die Anspannung kann er aushalten: «In Peking war das schlimmer», versicherte der Schützling von Trainer Werner Goldmann. Vor vier Jahren fehlten 70 Zentimeter zur Bronzemedaille.

Zwei 70-Meter-Würfe im Olympia-Jahr - das macht stark. Auch wenn Harting immer wieder gegen die Schmerzen im operierten Knie kämpfen musste. Im Training quälte er sich vielleicht mehr als die starke internationale Konkurrenz. «Ich trainiere, bis es passt», versicherte er. «Das ist der Punkt, bei dem ich mich vielleicht von den Mitbewerbern unterscheide.»

Flaute herrschte auch im Diskusring. 1996 in Atlanta wurde der bis dato letzte deutsche Olympiasieger gefeiert: Lars Riedel. Nach 16 Jahren will Harting den fünffachen Weltmeister aus Chemnitz beerben. Körper und Geist sind in Balance. «Das ist eine richtige Mischung mit Blick auf das Olympia-Finale. Wenn man zu positiv ist, ist man zu entspannt. Und wenn man sich zu schlecht fühlt, ist man etwas zweifelnd.»

Harting kann austeilen, aber er ist auch sensibel. Immer wieder hat der Mann den Mund aufgemacht. Erst kürzlich kritisierte er das Fördersystem im deutschen Sport, er selbst fühlt sich unterbezahlt.

In ungewöhnlicher Offenheit gewährte Harting dem «Spiegel» Einblicke in sein Seelenleben. «Manchmal habe ich keinen Bock mehr auf die ganze Scheiße. Ich muss die ganze Missgunst, den Schmerz und die Niedergeschlagenheit bündeln und in Wettkampfenergie umwandeln», sagte der zweimalige Weltmeister. Und: «Ich brauche den Olympiasieg, um die negativen Sachen aus meinem Leben zu spülen.»

news.de/dpa

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