Neonazi-Affäre Ruderverband wusste von Drygalla-Beziehung

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Warum hatte der DOSB keine Ahnung? Die Neonazi-Affäre um Nadja Drygalla wirft nach der überstürzten Abreise der Athletin neue Fragen auf. Die Aufklärung des Falls beschäftigt weiter Sport und Politik.

DOSB-Präsident Thomas Bach appellierte an die deutsche Öffentlichkeit, das Olympia-Team aus der Affäre herauszuhalten. «Kein Athlet der Olympia-Mannschaft hat es verdient, in diese Geschichte hineingezogen zu werden», erklärte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in London, «das hat mit unserer Olympia-Mannschaft, die sich deutlich zu unseren Grundwerten bekennt, nichts zu tun.»

Dass die Ruderin Drygalla eine Beziehung mit Michael Fischer, Direktkandidat der rechtsextremen NPD in Rostock zur Landtagswahl 2011, hat, war zumindest dem Landesruderverband Mecklenburg- Vorpommern «seit vielen Jahren» bekannt. Das sagte der Vorsitzende Hans Sennewald in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Die 23 Jahre alte Athletin war nach einem langen Gespräch mit der Mannschaftsleitung freiwillig aus dem olympischen Dorf ausgezogen. Bach kündigte an, dass geprüft werden müsse, ob es «persönliche Verstöße» der Athletin gegeben hat.

Olympia London 2012
Die deutschen Medaillengewinner

Bach erzürnt über Politik

Streitpunkt zwischen Sport-Verbänden und Politik bleibt die brisante Frage, ob die politischen Verbindungen des privaten Umfeldes von Drygalla schon vor der Olympia-Nominierung bekanntgewesen sind. Vermutungen, der DOSB sei darüber seit längerem informiert, wies Bach entschieden zurück. «Ich bin erbost über Äußerungen aus der Politik in Deutschland, die sagen, dies sei bekanntgewesen. Warum hat man es uns dann nicht gesagt?», erklärte Deutschlands Ober-Olympier, und verurteilte diese Vorwürfe als «inakzeptables Vorgehen».

Für Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, besteht dagegen Aufklärungsbedarf. Die Politikerin hält es für kaum vorstellbar, dass sowohl der DOSB als auch der Deutsche Ruderverband (DRV) nichts von dem Fall gewusst haben wollen.

Der Landes-Ruderfunktionär Sennewald sagte, der DRV sei offiziell nicht informiert worden. «Es hat aber Gespräche am Rande gegeben. Wenn der Deutsche Ruderverband jetzt von dem Thema überrascht worden ist, kann ich das nicht kommentieren», betonte der stellvertretende Vorsitzende von Drygallas Heimatverein (Olympischer Ruderclub Rostock).

Ruderverbandspräsident Siegfried Kaidel setzte sich gegen Vorwürfe, der Verband habe schon vor der Nominierung des Olympia-Teams von den Vorfällen Kenntnis gehabt, zur Wehr. «Ich habe alle Stellen im Verband angefragt, ob etwas Schriftliches vorliegt. Ich habe überall die Antwort erhalten: Nein, es liegt nichts Schriftliches vor.»

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Intermezzo
  • Kommentar 2
  • 05.08.2012 12:33

Warum wird jetzt in die olympischen Spiele auch noch Politik getragen? Sind wir Menschen nicht mehr mündig und benötigen ständige Belehrungen? War ja auch so bei der Fußball- EURO- es nervt....

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  • Knoppka
  • Kommentar 1
  • 04.08.2012 18:02

Warum muß in der Mitte der Spiele so eine beknackte Debatte los getretten werden? Typisch ( Scheiß ) Deutsch!!!. Bestimmt ist die BILD mitbeteiligt. Und = Wer eine Medaille gewinnt wird in den Himmel gelobt, wer keine gewinnt in den Dreck gedrehten.

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