Radsport UCI will Armstrong-Fall übernehmen - USADA lehnt ab

Austin - Zum ersten Mal hat sich der Radsport-Weltverband UCI in die laufenden Ermittlungen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) gegen Lance Armstrong und fünf weitere Angeklagte eingeschaltet.

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UCI will Armstrong-Fall übernehmen - USADA lehnt ab Bild: dpa

Die UCI will die Entscheidungsgewalt in dem Fall übernehmen.

Verbandschef Pat McQuaid hatte laut «New York Daily News» einen entsprechenden Brief an die ermittelnde US-Behörde geschrieben - und sich eine prompte Absage eingehandelt. Ermittlungen der UCI? Das sei «als bewache der Fuchs den Hühnerstall», schrieb USADA-Anwalt Bill Bock.

Die USADA beschäftigt sich seit zwei Monaten mit dem Fall, in den auch der frühere Armstrong-Intimus und jetzige RadioShack-Teammanger Johan Bruyneel (Belgien) sowie der italienische Mediziner Michele Ferrari (Italien) verstrickt sind. Gegen den Arzt, in der Branche «Dottore EPO» genannt, hatte die Behörde bereits eine lebenslange Sperre ausgesprochen. Ferrari bezweifelte allerdings deren Berechtigung.

Ähnliche Sanktionen drohen Armstrong, Bruyneel und drei weiteren Angeklagten, denen die Anwendung und der Handel mit Dopingpräparaten vorgeworfen wird. Für den Start bei Triathlon-Wettbewerben - Armstrongs neue Leidenschaft - ist der 40-jährige Texaner bereits gesperrt worden.

Die USADA wies das UCI-Ansinnen, den Fall übernehmen zu dürfen, zurück und argumentierte mit spitzer Zunge. Die Verwicklung der UCI in das Ergebnismanagement des Falls könne zu Besorgnis führen. In zahlreichen Fällen sei «die Unfähigkeit einer Sportorganisation im Anti-Doping-Kampf bereits festgestellt» worden, schrieb Bock. «Die UCI und die Beteiligten der Verschwörung, die den Sport mit gefährlichen, leistungsfördernden Drogen betrogen haben, haben ein großes Interesse daran, das zu verschleiern», erklärte USADA-Chef Travis Tygart.

Die UCI ermittelte unter McQuaid nie gegen Armstrong, obwohl es handfeste Doping-Belege gab. So waren 2005 nach dem ersten Rücktritt des siebenfachen Toursiegers in nachträglich analysierten Proben aus dem Jahr 1999, Spuren von EPO entdeckt worden. Nie aufgeklärt wurden die Hintergründe einer ominösen Spende in Höhe von 125 000 Dollar, die Armstrong dem Verband zukommen ließ. Die UCI hatte das Geld angeblich für den Anti-Doping-Kampf eingesetzt. Armstrong bestreitet Doping nach wie vor hartnäckig.

Der Rekordsieger hat im Gegensatz zu Bruyneel noch keinen Einspruch gegen die USADA-Anklagen gegen ihn eingelegt. Er wollte einen Prozess mit Zeugen, die unter Umständen unter Eid aussagen müssen, unbedingt verhindern. Allerdings wird es auf jeden Fall gegen Bruyneel zum Prozess kommen. Dort dürften Armstrong und Kronzeugen der Anklage geladen werden.

Bruyneel, der wegen der Verwicklungen in den Fall sein Team mit den deutschen Profis Andreas Klöden und Jens Voigt bei der Tour de France nicht betreuen konnte, hatte Einspruch eingelegt und so einen Prozess vor einer Schiedskommission erwirkt.

Armstrong drohen neben der lebenslangen Sperre und der weiteren Entzauberung als unantastbarer Superstar auch die Aberkennung eines Teils seiner Toursiege zwischen 1999 und 2005. Ein vergleichbarer Fall ist der von Bjarne Riis. Der dänische Toursieger von 1996 hatte 2007 Doping gestanden - doch die UCI hatte ihm wegen einer achtjährigen Verjährungsfrist das Gelbe Trikot belassen.

news.de/dpa

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