Sa., 25.05.13

Olympia Bolt hellwach: Startschuss zur Mission Dreifach-Gold

Bolt hellwach: Startschuss zur Mission Dreifach-Gold (Foto)
Bolt hellwach: Startschuss zur Mission Dreifach-Gold Bild: dpa

London - Der schnellste Mann der Welt ist Langschläfer aus Leidenschaft. Deshalb hat Usain Bolt für den Alltag in seinem Haus in Kingston eine goldene Regel aufgestellt: «Weckt mich nie so früh!» Manchmal verschläft er sogar den Startschuss bei einem Sprintrennen - wie bei der Leichtathletik-WM 2011.

Beim 100-Meter-Vorlauf in London muss der 25-Jährige aber ausgeschlafen sein. Wie vor vier Jahren in Peking und bei den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin will Bolt dreimal hellwach zu Gold rennen: Über 100 und 200 Meter und mit dem Jamaika-Express über 4 x 100 Meter.

Noch ist Bolt der Star im olympischen Dorf, sogar beim Essen wird er von Autogrammsammlern umringt und in der Kantine schon mal beklatscht und viel fotografiert. Was ist nur los, wenn sich der Mann mit der Startnummer 2170 zum ersten Mal im Olympiastadion zeigt? Macht er dann gleich den «Bogenschützen»? Und viel wichtiger: Wie ist Blitz-Bolt überhaupt drauf, stimmt die Form? Schließlich hat er seine beiden letzten Rennen verloren - und das gegen einen Landsmann aus der gleichen Trainingsgruppe: 100-Meter-Champion Yohan Blake.

Das Wort Niederlage hat Bolt aus seinem Wortschatz gestrichen. Zweifel an seiner Goldmission scheint er nicht zu haben. «Das wird der Augenblick, und das wird das Jahr sein, in dem ich den Rest der Welt hinter mir lasse», tönte der Superstar in einem Interview der britischen Tageszeitung «The Guardian». Verbal ist der Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler schon in Hochform. «Eine Menge Legenden und viele Leute sind vor mir gekommen. Aber das ist jetzt meine Zeit», sagte der Schützling von Trainer Glen Mills.

«Wenn Usain Bolt in Form ist, dann werden wir eine 9,40er Zeit über 100 Meter sehen», meinte Lamine Diack, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Bolts Weltrekord steht seit der WM 2009 in Berlin bei 9,58 Sekunden. Auch John Barrow, Mathematik-Professor an der Cambridge University, hat eine mögliche 9,40 berechnet. Dafür müsste Bolt nicht mal schneller flitzen, sondern nur seine Reaktionszeit am Start verbessern. Außerdem sollte der Rückenwind möglichst mit 2,0 Meter/Sekunde blasen - dem maximal zulässigen Wert unter regulären Bedingungen.

Hartes Training gehört dazu, hier könnte Kumpel Blake ein Vorbild für Bolt sein: Wegen seines Übungseifers wird der Weltmeister auch «Das Biest» genannt. Zu den Olympischen Spielen reiste nicht Bolt, sondern Blake als schnellster Sprinter des Jahres an: In 9,75 Sekunden schlug der Weltmeister seinen Freund bei den Trials in Kingston - persönliche Bestzeit.

Doch Blake weiß: Nur mit einem Olympiasieg könnte er aus dem Schatten Bolts treten. Sein Weg zum WM-Sieg in Daegu war schließlich nur frei, weil der Topfavorit zum größten Fehlstarter der Leichtathletik-Geschichte avancierte. Dies soll ihm in London kein zweites Mal passieren. Der Mann aus Trelawny Parish hat das Zeug zum Mega-Star dieser Spiele. Dafür hat er seit seiner Jugend hart gearbeitet.

Schon mit 15 wurde Bolt vor seinen Fans in Kingston Junioren-Weltmeister über 200 Meter, bis heute seine Lieblingsstrecke. Nach zehn Jahren Leistungssport ist der dreifache «Welt-Leichtathlet des Jahres» überzeugt: Talent ist ohne Leidenschaft wertlos. «Die erste Sache, die mir mein Trainer jemals gesagt hat, war: Talent hat jeder. Es kommt darauf an, was du aus deinem Talent machst - nur das zählt. Ich werde mich immer daran erinnern.»

news.de/dpa

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