Olympia Ende der Trickserei: Verband schließt Athletinnen aus

Ende der Trickserei: Verband schließt Athletinnen aus (Foto)
Ende der Trickserei: Verband schließt Athletinnen aus Bild: dpa

London - In nur zwei Minuten war das harte Olympia-Urteil gesprochen. Nach der unglaublichen Badminton-Trickserei bleibt aber ein fader Beigeschmack.

Acht Spitzenspielerinnen aus Asien sind bei den Spielen in London vom Weltverband von der Doppel-Konkurrenz ausgeschlossen worden.

Mit größtmöglicher Konsequenz reagierten die Funktionäre auf die skandalösen Manipulationsversuche in der Gruppenphase und verweigerten den Athletinnen aus China, Südkorea und Indonesien die Teilnahme am Viertelfinale. Die Spielerinnen wurden am Mittwoch nach der Vorrunde disqualifiziert, weil sie zum Ende der Gruppenphase versucht hatten, durch schwache Leistungen leichtere Konkurrenten für die K.o.-Runde zu bekommen.

«Wer manipuliert, hat bei Olympischen Spielen nichts verloren», sagte Martin Kranitz, Sportdirektor des Deutschen Badminton Verbandes. Die Delegation aus Südkorea legte unmittelbar Protest ein - der wurde aber in kürzester Zeit abgelehnt. Indonesien hatte einen eigenen Einspruch wieder zurückgezogen. China akzeptierte das Urteil sofort. So konnte das Turnier immerhin mit den Nachrückern fortgesetzt werden. Die Doppel aus Russland und Kanada nutzten ihre zweite Chance und zogen ins Halbfinale ein. Wie groß der langfristige Schaden für den Badminton-Sport ist, ist vorerst nicht abzusehen.

Weltverbands-Generalsekretär Thomas Lund versuchte im voll besetzten Pressekonferenzraum der Wembley Arena im Schnellverfahren für Aufklärung zu sorgen. Nach 120 Sekunden beendete der Funktionär seine Urteilsverkündung. Fragen wurden nicht beantwortet.

Das topgesetzte chinesische Damendoppel Wang Xiaoli und Yu Yang hatte seine Partie gegen die Südkoreanerinnen Jung Kyung-Eun und Kim Ha-Na am Dienstagabend unter skandalösen Umständen mit 14:21, 11:21 verloren. Auch bei der Partie zwischen den Südkoreanerinnen Ha Jung-Eun/Kim Min-Jung und dem indonesischen Doppel Meiliana Juahari/Greysia Polii war keines der beiden Teams wirklich gewillt, als Sieger das Feld zu verlassen.

«Diesen Doppeln wird vorgeworfen, nicht alles versucht zu haben, um ihre Spiele zu gewinnen und damit dem Sport Schaden zugefügt zu haben», teilte der Weltverband schon vor dem Urteil mit. «Wir unterstützen und begrüßen die Entscheidung des internationalen Verbandes. Für solch ein Verhalten ist bei Olympischen Spielen kein Platz», sagte ein hochrangiger Funktionär des Internationalen Olympischen Komitees der Nachrichtenagentur dpa.

Ob die Athletinnen auch ihre Akkreditierungen abgeben müssen und somit formal von den Spielen ausgeschlossen werden, muss nun die IOC-Disziplinarkommission entscheiden. Dies gilt angesichts der Vergehen der Sportler und des Verstoßes gegen den olympischen Eid als wahrscheinlich.

«Es war ja auch schon dumm, wie offensichtlich die Chinesinnen sich beim absichtlichen Verlieren angestellt haben», sagte der deutsche Mixed-Spieler Michael Fuchs zu dem unsportlichen Verhalten. Bundestrainer Jakob Hoi nutzte den Skandal zu einer generellen Kritik am internationalen Badminton-Sport. «Wenn die Trickserei bei einer WM passiert wäre, wäre vermutlich nichts passiert», sagte der Däne.

Es sei in der Vergangenheit schon häufiger zu Manipulationen insbesondere der Chinesen gekommen, sagte er. Der Weltverband habe darauf nicht reagiert. Nun habe man ein deutliches Signal für die Zukunft gesetzt, sagte Hoi.

«Wir waren schon qualifiziert, wir wollten Kraft sparen für die K.o.-Runden», verteidigte die ausgeschlossene Yu Yang ihr Verhalten. Mitte des ersten Satzes schlugen die Gold-Kandidaten so gut wie jeden Aufschlag ins Netz. Die Zuschauer in der Londoner Wembley Arena quittierten diese Unsportlichkeit mit Buh-Rufen, ehe der dänische Oberschiedsrichter Thorsten Berg eingriff und mit einer Disqualifikation drohte. Danach brachten die Spielerinnen zumindest den Aufschlag ins Feld, agierten aber völlig lustlos.

Südkoreas Cheftrainer Sung Han-Kook räumte ein, dass seine zwei Doppel ebenfalls versucht hätten, ihre Spiele zu verlieren. Dies sei aber lediglich die Reaktion auf das Verhalten der Konkurrenz gewesen. «Die Chinesinnen haben damit angefangen», sagte Sung und forderte den Weltverband zum Handeln auf. Dieser folgte dieser Forderung konsequent.

Schon zum Turnierauftakt hatte es unter den Badminton-Spielern Unmut gegeben, weil der Verband kurzfristig den Spielplan mit der neu eingeführten Gruppenphase änderte.

news.de/dpa

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