Olympische Medaillenflaute Hört auf die Kritiker!

Olympia 2012
Die deutschen Hoffnungen in London

Von news.de-Redakteur
Eine Medaille in drei Tagen: Nach dem ernüchternden Olympia-Auftakt regt sich in diversen Disziplinen Kritik. Die obersten deutschen Sportfunktionäre haben nun die Pflicht, Kritikern wie Dirk Lange und Fechterin Imke Duplitzer zuzuhören und von Visionären wie Matthias Sammer zu lernen.

Die Athleten des Deutschen Schwimmverbandes stellen mit insgesamt 38 Sportlern das drittgrößte Team innerhalb der deutschen Olympia-Mannschaft (Rudern: 48/Leichtathletik: 77). Nach den ersten drei Wettkampftagen ist trotz der Vielzahl an deutschen Schwimmern nichts Zählbares herausgekommen. Verglichen etwa mit Frankreichs Team um Wunderschwimmer Yannick Agnel geben die deutschen Starter bislang ein desolates Bild ab.

Die Ursachen dafür glaubt der ehemalige Bundestrainer Dirk Lange zu kennen. Der Mann, der 2011 im Streit aus dem Verband schied, vertritt folgende Thesen: 1. Deutsche Trainer wie Frank Embacher (Paul Biedermann) verfolgen falsche Konzepte, die sportliche Führung falsche Strategien. 2. Schwimmtrainer verdienen in Deutschland zu wenig, als dass man Trainertalente fördern und auch ausländische Spitzenleute anlocken könnte, um neue Ideen einzubringen. 3. Die Mentalität, die Einstellung zu ihrem Sport stimmt bei vielen Athleten nicht. Nicht das romantisch verklärte Olympische Motto «Dabei sein ist alles», sondern «Leistung ist alles» sei Langes Slogan. «Viele Deutsche gehen auf Absicherung. Das ist die Mentalität, die wir in vielen Sportarten sehen», schimpft der unbequeme 49-Jährige.

Runder Tisch mit Kritikern und Visionären

Gerade dieser dritte Kritikpunkt muss nicht nur bei den deutschen Schwimmern, sondern generell im deutschen Spitzensport diskutiert werden. Nach dem Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM oder der Champions-League-Finalniederlage des FC Bayern wurden schließlich ganz ähnliche Debatte geführt. Es geht um klare Strukturen, moralische Werte und Siegermentalität. Typen wie Lange oder Matthias Sammer sind nun im deutschen Sport gefragt, um den Finger in die Wunde zu legen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sollte froh sein, dass er in Athleten wie der Fechterin Imke Duplitzer potenzielle künftige Funktionäre in seinen Reihen hat, die genau das tun. Statt die Sportlerin wegen ihrer kritischen Äußerungen, die ebenfalls Nachwuchsstruktur, Mentalität und Kultur im deutschen Sport betreffen, zu bestrafen, sollten Thomas Bach und Co. kritische Köpfe um sich scharen - gern Sportarten übergreifend.

Denkbar wäre beispielsweise ein Runder Tisch nach den Olympischen Spielen mit Kritikern und Visionären aus verschiedenen Disziplinen à la Sammer, Lange und Duplitzer, um über neue Nachwuchskonzepte nachzudenken. Es geht nicht darum, um jeden Preis Medaillen zu horten, sondern schlicht um die Tatsache, dass die Millionen der deutschen Steuerzahler für den Sport auch sinnvoll eingesetzt werden sollen. Das sind Deutschlands oberste Sportfunktionäre den Steuerzahlern schuldig. Nur dabei zu sein, ist da zu wenig.

ham/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • ruedigerwolf
  • Kommentar 3
  • 05.08.2012 05:06

Und wenn Du nicht mehr weiter weißt, dann bilde einen Arbeitskreis (= Runder Tisch). Da kann dann jeder sein Schmalz zum Sieden bringen, bla bla bla . . . sülz . . . und am Ende wird beschlossen, dass etwas beschlossen werden muss. M. E. liegt die Ursache noch woanders: Der psychische Aspekt wird total vernachlässigt. Wie bereits vor einigen Jahren in der WELT zu lesen war: Die großen Nationen haben Scharen von Psychologen und Psychotherapeuten in ihren Delegationen, Deutschland hingegen keinen einzigen!

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  • Oscarone
  • Kommentar 2
  • 31.07.2012 18:07

Nach jedem großen Event, haben wir das gleiche Problem, die vorher errechneten Medaillen, Titel kommen nicht und keiner will daran Schuld gewesen sein. Es beginnt jedesmal eine Ursachensuche die stets ins Leere führte, denn es kam ja nie etwas konstruktives dabei heraus. Statt die Meinung unbequemer Leute, egal ob Sportler oder Trainer einmal zu beachten, werden solche Leute vertrieben, die dann anderen Ländern helfen, Deutschland zu schlagen. Wir haben als Land nicht so ein Menschenpotential wie USA, China und Rußland, deshalb sollten wir mit unseren Möglichkeiten sorgsam und effektiv umgehen

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 1
  • 31.07.2012 13:21

R fordert Erfolg. Nichts anderes als der Sieg zählt.

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