Olympia London 2012 Degen-Drama um Britta Heidemann

Olympia 2012
Die deutschen Hoffnungen in London

Von Dietmar Fuchs und Michael Fox
Nach Britta Heidemanns furiosem Schlussspurt im Halbfinale kam es zum Eklat. Die unterlegene Südkoreanerin streikte und blieb weinend auf der Planche sitzen. Im Finale verpasste Heidemann den Olympiasieg denkbar knapp und sorgte dennoch für Jubel im deutschen Olympiateam.

Britta Heidemann hat nach ihrem Triumph von Peking zwar den erneuten Gold-Coup bei den Olympischen Spielen in London verpasst. Nach einem Eklat im Halbfinale musste sich die Degenfechterin am Montag im Endkampf gegen der Ukrainerin Jana Schemjakina mit 8:9 in der Verlängerung geschlagen geben und freute sich nach der ersten Enttäuschung doch noch über Silber. «Nach Gold in Peking und Silber hier - ganz doll darf ich mich nicht beschweren», sagte sie. Die 29-Jährige ist die erste deutsche Medaillen-Gewinnerin der Spiele in London. Bronze gewann die Chinesin Sun Yujie gegen die Südkoreanerin Shin A-Lam.

Nach den Anstrengungen des Tages wirkte Heidemann bei der Siegerehrung wieder entspannt und scherzte mit der ehemaligen Fechterin und IOC-Athletensprecherin Claudia Bokel, die ihr die Medaille übergab. «Ich hätte gern den letzten Treffer gesetzt. Aber ich kann ja nicht immer Erste sein», sagte sie.

Lob von höchster Stelle erhielt Heidemann von DOSB-Chef Thomas Bach. Ich kann nur den Hut vor ihr ziehen. Das war eine großartige Leistung nach zwei wahren Krimis», sagte der Florett-Olympiasieger von 1976.

Sitzstreik der Südkoreanerin

Lange hatte Heidemann um den Einzug in das Finale bangen müssen. Mit einem Last-Second-Treffer hatte die Leverkusenerin das umstrittene Halbfinal-Gefecht gegen Shin A-Lam mit 6:5 nach «Sudden Death» für sich entschieden. Die Südkoreaner protestierten wütend. Ihrer Meinung nach war die Zeit schon abgelaufen. Bei einem Gleichstand hätte Shin A-Lam das Finale den Regeln entsprechend erreicht und die Leverkusenerin nur um Bronze kämpfen können.

Es folgten quälende Minuten, in denen die Jury diskutierte. Als der Entscheid pro Heidemann gefallen war, löste sich die Anspannung im deutschen Lager in grenzenlosem Jubel. Die Südkoreanerin brach in Tränen aus und kauerte noch lange auf der Planche. Der Protest ihres Trainers wurde sofort abgewiesen, ein zweiter Widerspruch zog sich ebenfalls lange hin. Erst nach 45 Minuten kam die endgültige Bestätigung. Nur auf Aufforderung von Offiziellen verließ Shin A-Lam die Planche. In ihrem Kampf um Bronze hatte sie dann keine Kraft mehr und verlor gegen Sun Yujie.

«Ich habe einen regulären Treffer gesetzt. Deshalb kann ich die Diskussion nicht nachvollziehen. Ich kann die Koreanerin sehr gut verstehen. Das ist superärgerlich, dass es solche Diskussionen gibt», sagte Britta Heidemann. «Die haben wahrscheinlich diskutiert, dass man was ändern muss in der Zukunft», fügte sie ironisch hinzu (lesen Sie dazu auch Seite 2).

Olympia 2012 in London
Erste Facebook-Spiele der Geschichte
Video: afp

Heidemann: «Ich war in einem Konzentrationstunnel drin»

«Es war eine Tatsachenentscheidung, die wie im Fußball zu akzeptieren ist. Für die Südkoreanerin war es natürlich äußerst unglücklich», sagte Chef de Mission Michael Vesper. Der DOSB hatte zuvor voreilig schon die erste deutsche Medaille via Twitter gemeldet, ehe die Debatten an der Planche begannen. Sportdirektor Manfred Kaspar erklärte zum Geschehen: «So ein Wirrwarr habe ich noch nie erlebt. Das war schon ungewöhnlich.»

Ungewöhnlich auch wie Heidemann den Krimi verarbeitete, ihre Kräfte im Finale gegen Jana Schemjakina noch einmal sammelte und erneut in die Verlängerung kam. «Ich war in einem Konzentrationstunnel drin. Das ist die Konzentration, die man im Fechten braucht», erklärte sie ihre Nervenstärke. Dennoch hatte die 26 Jahre alte Weltranglisten-Elfte aus der Ukraine das bessere Ende für sich.

Die WM-Siebte Monika Sozanska verlor bei ihrer Olympia-Premiere im Achtelfinale 9:14 gegen Shin A-Lam. DOSB-Kritikerin Imke Duplitzer, nach fünften Plätzen von Peking und Athen diesmal schon in Runde zwei an der chinesischen Weltranglistenersten Yujie Sun gescheitert, ist kampfeslustig für den Team-Wettbewerb: «Wir sind eine absolute Comeback-Mannschaft.»

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