Olympia Exotin in England: Lyn Byl als Entwicklungshelferin

Exotin in England: Lyn Byl als Entwicklungshelferin (Foto)
Exotin in England: Lyn Byl als Entwicklungshelferin Bild: dpa

London - Auf diese Augenblicke haben Lyn Byl und ihre Teamkolleginnen gewartet: Einlaufen in eine fast voll besetzte Halle, begeistert empfangen, gefeiert für jedes Tor, umjubelt auch nach einer deutlichen Niederlage.

Byl und ihre Mitspielerinnen haben vieles in Kauf genommen, um dies zu erleben, um einmal bei Olympia zu sein. Und trotz des 19:31 gegen Montenegro mit der britischen Handball-Nationalmannschaft und trotz der geringen Aussichten wusste Byl: «Okay, das war es wert.»

«Wir haben so hart dafür gearbeitet. Wir mussten uns zwar nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren. Aber wir mussten der britischen Olympia Association beweisen, dass wir uns nicht blamieren, dass es wert ist, Geld in uns zu investieren», sagte die 32 Jahre alte gebürtige Wuppertalerin. Die Spielerinnen hätten hart kämpfen müssen, konnten nie in Großbritannien spielen, da die Liga zu schwach war. «Manche haben jedes Jahr das Land, den Verein gewechselt, damit sie überhaupt spielen können», berichtete Byl. «Sie haben von extrem wenig Geld gelebt, haben extrem viel aufgegeben.»

Auch die Tochter einer Engländerin und eines Deutschen hat einiges auf sich genommen. Vor über einem Jahr beendete sie ihre Bundesliga-Laufbahn bei Bayer Leverkusen, nahm eine Auszeit von ihrem Beruf als Physiotherapeutin und zog nach London. Dort begann die intensive Vorbereitung auf Olympia.

Sie ist nicht die einzige Entwicklungshelferin aus «Good old Germany» für eine Sportart, deren Stellenwert in Großbritannien so niedrig ist wie der von Cricket in Deutschland: Im britischen Männer-Team führt der 22-jährige Chris Mohr als Spielmacher die Regie und hatte bei seinem ersten Auftritt gleich Olympiasieger und Weltmeister Frankreich als Gegner.

Während der aus Offenbach stammende Mohr, dessen Mutter Schottin ist und der sich 2006 per E-Mail auf eine Suchannonce des britischen Verbandes gemeldet hatte, nie auf Spitzenniveau spielte, war Byl jahrelang in der Bundesliga aktiv und gewann zweimal den DHB-Pokal. Sie war die einzige im britischen Team, als sie ihre ersten Länderspiele unter dem «Union Jack» 2008 absolvierte, die Erfahrungen auf diesem Level hatte. Viele ihrer Mitspielerinnen waren erst bei einem Casting entdeckt worden und kannten Handball überhaupt nicht.

«Sie ist unsere Schlüsselspielerin, unsere beste Spielerin. Sie hat die Erfahrung und die Fähigkeiten. Sie ist gewöhnt, gegen solche Gegnerinnen zu spielen», beschreibt ihr Trainer Jesper Holmris die Rolle der Spielerin mit dem Kurzhaarschnitt. Wie wichtig sie ist, zeigte sie gegen Montenegro: Im Angriff riss sie die Lücken als Kreisläuferin, warf drei Tore und war in der Deckung die Chefin.

Doch der Coach aus Dänemark muss künftig auf Byl verzichten. «Ich bin jetzt 32, und wenn jetzt nicht noch das Top-Angebot kommt, ist das das Highlight an meinem Karriereende», meinte sie. Byl wird nach den Spielen in Köln wieder als Physiotherapeutin arbeiten. Die unvergesslichen Augenblicke von Olympia wird sie mitnehmen. «Das ist das Beste, was mir je passieren konnte.»

news.de/dpa

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