Olympia Schläger statt Smartphones: Kaltstart für Boll

Schläger statt Smartphones: Kaltstart für Boll (Foto)
Schläger statt Smartphones: Kaltstart für Boll Bild: dpa

London - Drei Hölzer, 30 bis 40 Beläge und jede Menge Elektronik-Equipment hat Timo Boll in seinem Olympia-Gepäck mit nach London genommen.

Nach einer fünftägigen Wartezeit heißt es nun «Schläger statt Smartphones» für Deutschlands Tischtennis-Star.

Seine Medaillen-Mission beginnt er mit einer gesunden Mischung aus Vorsicht und Zuversicht. «Ein Kaltstart in der dritten Runde ist tückisch. Da muss man höllisch aufpassen», sagte der WM-Dritte vor seinem mit großer Spannung erwarteten ersten Auftritt am Montag gegen den Außenseiter Alamiyan Noshad (Iran).

Aufgrund ihrer guten Weltranglisten-Positionen sind Boll und sein Kollege Dimitrij Ovtcharov (Hameln/Orenburg) für die Runde der letzten 32 gesetzt. Das spart einerseits Kräfte, auf der anderen Seite haben ihre Auftaktgegner schon Spielpraxis auf dem ungewohnten blauen Boden in der ExCel-Arena gesammelt.

«Dieses System ist tückisch, man muss von Beginn an hellwach sein», kommentierte Boll die Freilose der Top-Spieler für die beiden ersten Runden. Während die Asse einen Kaltstart hinlegen müssen, konnten sich ihre Gegner gut an die Spielbedingungen auf dem blauen Boden gewöhnen. Vor einem «blauen Wunder» hat Boll keine Angst: «Die Bedingungen in der Halle finde ich gut.»

Auch für Ovtcharov hatten die meisten Experten einen anderen Gegner vorhergesagt. Doch Lokalmatador Drinkhall, der nächste Saison für Werder Bremen in der Bundesliga spielt, fertigte zur Freude der 5000 Fans Yang Zi aus Singapur mit 4:1 ab.

«Selten wurde die Weltrangliste so oft außer Kraft gesetzt», kommentierte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig die unerwarteten Ergebnisse. Boll verfolgte den 4:3-Erfolg des 20-jährigen Iraners Alamiyan gegen den favorisierten Hongkong-Chinesen Tang Peng in seinem Zimmer im olympischen Dorf via TV. Wie der Europameister ist sein Auftaktgegner ein Linkshänder, der sich mit Hilfe des früheren Bundestrainers Richard Prause an der Werner-Schlager-Akademie in Wien auf Platz 77 der Weltrangliste verbessert hat.

Oft benötigt der Düsseldorfer ein oder zwei Partien, um richtig in ein Turnier zu kommen. Das kann er sich in London nicht erlauben. Der 31 Jahre alte Rekord-Europameister vertraut seiner großen Erfahrung: «Bei meinen vierten Spielen kann ich davon ausgehen, auch die Gefühlslage unter Kontrolle zu haben. Die Anspannung stimmt», versicherte der Linkshänder.

Zu seiner speziellen Olympia-Vorbereitung gehört nicht nur die Auswahl des richtigen Schlägers und des dazu passenden Belages. «Wer mich kennt, der weiß, dass ich viele technische Geräte dabei habe», berichtete Boll. Die schnelle Internet-Verbindung im olympischen Dorf hilft dem Top-Star bei der Überbrückung der langen Wartezeiten. Drei Smartphones gehören zur Grundausstattung des Facebook-Fans, der mit einem Spezialgerät alle deutschen TV-Programme in London empfangen kann. Nur auf den Beamer für DVD-Filme, der vor vier Jahren in China dabei war, hat er diesmal verzichtet.

Dafür steht erneut eine eigene Kaffeemaschine im Achter-Apartment des deutschen Tischtennis-Teams. «Damit haben wir schon in Peking gute Erfahrungen gemacht. So können wir morgens mal einen frischen Kaffee trinken», sagte Ovtcharov. «Wo es im olympischen Dorf guten Kaffee gibt, gibt es immer lange Schlangen.» Die Nummer zwölf der Weltrangliste, ebenfalls ein großer Film- und Serienfan, hat sich mit viel Akribie auf sein erstes Turnierspiel gegen Lokalmatador Paul Drinkhall (Großbritannien) vorbereitet.

Weil in der Haupthalle bereits seit Samstag gespielt wird und auch zuvor nur wenig Trainingszeiten zur Verfügung standen, meldete Ovtcharov eine Übungseinheit zur ungewöhnlichen Zeit von 6.30 Uhr an. Für «Morgenmuffel» Boll ein Unding. Nach einigem Suchen fand sich in Chuang Chih-Yuan aus Taiwan doch noch ein Trainingspartner. Bleibt abzuwarten, ob sich die Einheit nicht als Bumerang erweist. Läuft das Olympia-Turnier nach Plan, würde der Taiwanese im Viertelfinale auf Boll treffen.

news.de/dpa

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