Fußball Palästinas Fußballerinnen trainieren in Potsdam

Palästinas Fußballerinnen trainieren in Potsdam (Foto)
Palästinas Fußballerinnen trainieren in Potsdam Bild: dpa

Berlin - Auch wenn keine London-Starter am Potsdamer Luftschiffhafen trainieren, weht ein Hauch von Olympia über die Anlage. Zwölf Fußballerinnen von Diyar Consortium Bethlehem, dem aktuellen Vizemeister Palästinas, schwitzen auf dem Kunstrasen beim Üben in der Sonne.

Auf Einladung von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und dem deutschen Frauen-Meister Turbine Potsdam sind die jungen Palästinenserinnen zu Gast in Deutschland - Olympia allerdings ist für sie nur ein Traum.

Seit 2003 gibt es ein Frauen-Nationalteam in Palästina. 2009 hat die Auswahl ihr erstes Heim-Länderspiel im Ost-Jerusalemer Vorort Al-Ram bestritten - es gab ein 2:2 gegen Jordanien. «Ich war beeindruckt von ihrem Enthusiasmus, unter schwierigen Bedingungen ihren sportlichen Traum zu verwirklichen», berichtete Platzeck von der Begegnung mit den Fußballerinnen bei seiner Rundreise durch die Palästinensergebiete um Bethlehem im vergangenen Jahr.

Das Nationalteam setzt sich in etwa zu gleichen Teilen aus Christinnen und Musliminnen zusammen. Die 28 Jahre alte Stürmerin Nevin Al Kolayb, seit fünf Jahren im Nationalteam, ist leicht zuzuordnen: Sie trägt als Einzige Kopftuch. «Bei uns ist das etwas ganz Normales. Es ist nicht festgelegt, jeder kann es für sich auf seine Art und Weise entscheiden», erzählt sie. «Bei mir gehört es einfach dazu.»

Ihre Schwester Nadin (20), die Torfrau mit der Nummer 1, läuft ohne Tuch auf - eine Rolle spielt das im Team nicht. Nevin muss sogar die Namen aufsagen, um festzustellen, wer Muslima oder Christin ist. Aus dem Stand hätte sie es nicht gewusst.

Auch ein jüdisches Mädchen könnte in der palästinensischen Nationalmannschaft spielen, meint Kapitänin Jaklin Jazrawi. Sie hat Biologie studiert und arbeitet jetzt als Sportlehrerin und Ausbilderin an einer Akademie mit 40 jungen Mädchen an der Fußball-Zukunft. «Das ist die neue Generation», sagt sie mit leuchtenden Augen.

Hart waren dagegen die Anfänge - im wahrsten Sinne des Wortes: In der männerdominierten arabischen Welt beanspruchte das «starke Geschlecht» die wenigen Rasenplätze für sich - die Frauen «durften» auf Beton spielen. Viele Verletzungen waren die Folge. «Heute bekommen wir mehr Unterstützung», sagt Jazrawi. Zum ersten Heim-Länderspiel gegen Jordanien kamen rund 10 000 Zuschauer.

«Hier sein zu dürfen, hilft uns Anerkennung und Respekt zu finden», betont die 26-Jährige, die ihre Deutschland-Reise auch als Friedensmission sieht. «Denn sie zeigt, dass Palästina nicht nur Krieg bedeutet, sondern auch Lebensfreude. Im Frauenfußball stehen wir noch am Anfang», sagt Jazrawi. «Unser Ziel ist es, aus dem Nichts etwas zu schaffen.»

Dazu passt ein großer Wunsch von Nevin Al Kolayb: «In diesen Tagen habe ich immer auch Olympia im Hinterkopf. Welch ein Traum!», sagt die Frau mit dem Kopftuch. «Ich weiß, dass er sich nicht heute oder morgen erfüllen wird und eine lange Entwicklung nötig ist. Aber bei den Bildern aus London werde ich auch ein bisschen dabei sein.»

Turbine Potsdam zu Trainingslager

news.de/dpa

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