Olympia Saubere London-Spiele? - Franke: «Albern»

London - Wie sauber werden die XXX. Sommerspiele sein? Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und Londons Organisatoren haben das größte Anti-Doping-Programm der Geschichte installiert.Die Rekordzahl von geplanten 6250 Doping-Tests - inklusive Paralympics - nötigt Experte Werner Franke jedoch wenig Hochachtung ab.

Saubere London-Spiele? - Franke: «Albern» (Foto)
Saubere London-Spiele? - Franke: «Albern» Bild: dpa

«Zunächst mal ist es vor allen Dingen angesichts der Zahl, die da verkauft wird, albern», sagte der Molekularbiologe in einem Interview des Rundfunksenders «Deutschlandradio Kultur». «Das soll die Leute beeindrucken.»

Ein dopender Athlet würde nicht zu Olympischen Spielen fahren und eine positive Urin-Probe abliefern. «Aber hallo! So doof kann ja eigentlich kaum jemand sein. Es werden auch entsprechend wenige erwischt», sagte Franke. Der Heidelberger Forscher warnt davor, Deutschland als vorbildlich im Anti-Doping-Kampf herauszustellen. «Wir müssen uns einen Vorwurf machen: Die gemeinen Germanen sind wirklich sehr, sehr scheinheilig dabei», meinte Franke. «Wenn sie die Schnauze halten würden, wäre es leichter, aber sie zeigen ja immer mit den Fingern auf andere.» Für ihn sei Frankreich in Europa Vorreiter bei Doping-Tests und der Bestrafung, nicht Deutschland.

Wie sauber werden die Spiele sein? «Niemand weiß genau, welche Dunkelziffer es gibt. Jeder, der dopt, muss die begründete Befürchtung haben, erwischt zu werden», sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der Nachrichtenagentur dpa. «Ich will weder einen Generalverdacht aussprechen noch eine Generalabsolution ausstellen.»

IOC-Präsident Jacques Rogge bekräftigte am Samstag in London noch einmal seine Null-Toleranz-Politik. «Wir haben absolut die Idee und Absicht, den Kampf gegen Doping so hart wie möglich zu führen», erklärte der Belgier.

Dazu gehört auch die Aufnahme einer Regel in den neuen Welt-Anti-Doping-Code, der den Ausschluss eines Doping-Sünders von den nächsten Olympischen Spielen vorsieht. «Wir arbeiten daran, die Osaka-Regel durch eine ähnliche Regel mit einer anderen Formulierung zu ersetzen», sagte Rogge. Der Internationale Sportsgerichtshof (CAS) hatte die Osaka-Regel 2011 gekippt. Der neue Paragraf im Kodex könnte erst am 1. Januar 2015 in Kraft treten.

Im Anti-Doping-Kampf dauert manches sehr lange. So setzte das IOC erst in London nach zwölf Jahren einen Schlussstrich unter den Doping-Fall des US-Läufers Antonio Pettigrew. Es hatte schon 2008 entschieden, der amerikanischen 4 x 400-Meter-Staffel der Männer den Olympiasieg von 2000 abzuerkennen. Erst jetzt wurden die Medaillen neu verteilt. Nigeria, Jamaika und die Bahamas erhalten nachträglich Gold, Silber und Bronze.

Etwas schneller, aber nicht wirklich flott entschied das IOC-Exekutivkomitee im Fall der US-Leichtathletin Crystal Cox. Ihr wurde Staffel-Gold von den Sommerspielen 2004 aberkannt. Cox war in Athen Ersatzläuferin der 4 x 400-Meter-Staffel. Sie war 2010 wegen der Einnahme von Doping-Mitteln für vier Jahre gesperrt worden und hatte zugegeben, zwischen 2001 und 2004 anabole Steroide angewendet zu haben. Offen blieb, ob ihre US-Teamkolleginnen ebenfalls Gold verlieren. Die IOC-Exekutive hat dazu kein Urteil gefällt und den Fall an den Leichtathletik-Weltverband IAAF weitergeleitet.

news.de/dpa

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