Radsport Keine Skandaltour - Doping trotzdem ständiges Thema

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Keine Skandaltour - Doping trotzdem ständiges Thema Bild: dpa

Paris - Die 99. Frankreich-Rundfahrt lässt keinen Vergleich zu mit den Skandal-Touren von 1998, 2006, 2007 oder 2008. Trotzdem war das Dauerthema Doping ständiger Begleiter der diesjährigen Ausgabe.Zuerst warf Lance Armstrong dunkle Schatten, dann wurde Rémy di Grégorio von der Polizei festgesetzt und schließlich Fränk Schleck mit einer positiven Kontrolle hochgenommen.

Mit Blick auf die bewegte Vergangenheit ist das kein Horrorszenario, aber auch der Beweis, dass die Problematik der Tour wie eine Zecke im Pelz sitzt.

Die USADA-Ermittlungen gegen den Rekordsieger Armstrong, die auch zum Tour-Aus des RadioShack-Chefs Johan Bruyneel geführt hatten, beeinträchtigten das viel beachtete Sommertheater in Frankreich von Beginn an. Fast täglich neue Wendungen in dem Fall lieferten immer wieder Diskussionsstoff. Am ersten Ruhetag gelangte Bergspezialist di Grégorio, gegen den seit Monaten ermittelt worden war, zu zweifelhafter Prominenz: Der Franzose wurde wegen angeblichen Dopinghandels der Staatsanwältin in Marseille überstellt. Das Verfahren läuft, Di Grégorio ist sich keiner Schuld bewusst.

Der zweite Tour-Ruhetag dauerte bis 20.30 Uhr. Dann erschütterte der erste auffällige Dopingtest die Tour. Der Weltverband UCI hatte über die positive A-Probe des Vorjahresdritten Fränk Schleck informiert, im Urin des Luxemburgers wurden Spuren des Diuretikums Xipamid festgestellt. Seine Mannschaft RadioShack nahm den Teamkollegen von Jens Voigt und Andreas Klöden aus dem Rennen - und war sich des Beifalls des Tour-Direktors Christian Prudhomme sicher. Schleck hätte weiterfahren dürfen, weil das in seinem Körper nachgewiesene Entwässerungsmittel - zur Verschleierung anderer Präparate? - nicht explizit auf der Dopingliste steht.

Inzwischen hat sich die Affäre zum Kriminalfall entwickelt. Schleck vermutet einen Giftanschlag und stellte Strafanzeige gegen Unbekannt, nachdem auch die B-Probe Xipamid aufgewiesen hatte. Die Experten sind sich einig: Diuretika sind im Radsport bei großer Hitze und Anstrengung kontraproduktiv, weil sie Flüssigkeit und damit Mineralien ausspülen - und noch dazu sehr leicht nachzuweisen.

Es gibt mehrere Erklärungsversuche. Entweder wollte Schleck tatsächlich andere eingenommene Mittel verschleiern, oder er wurde Opfer eines Anschlags oder hatte schlicht einen «Blackout». Die letzte Möglichkeit kann sich der Nürnberger Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel vorstellen. Er verwies auf die Harakiri-Aktion des Dopers und Armstrong-Anklägers Floyd Landis 2006.

Nach dem Verlust seines Gelben Trikots im Hochgebirge hatte der US-Profi am Folgetag - vollgepumpt mit Testosteron - wundersam zurückgeschlagen und sich wieder an die Tour-Spitze gesetzt. Wenige Tage nach seiner makabren Jubelfeier auf den Pariser Champs Elysées war er aufgeflogen und verlor als erster Gesamtsieger überhaupt im Nachhinein das Maillot Jaune. Ihm folgte jüngst Alberto Contador.

Strahlende Tour-Sieger sind vor bösen Überraschungen nicht gefeit. Das weiß auch Bradley Wiggins, obwohl es in dieser Beziehung keinerlei Hinweise beim Briten gibt. Anders als seine Vorgänger Cadel Evans und Contador stellt sich der smarte Londoner dem Problem wortgewandt und offen, wenn auch in den letzten Tagen der 99. Tour verständlicherweise zunehmend genervter. Immer und immer wieder muss er seinen außerordentlichen Erfolg rechtfertigen. «Diese ständigen Fragen mit der negativen Attitüde habe ich nicht verdient.»

news.de/dpa

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