Radsport Greipel und Co. lassen Ausreißer gewähren

Pau - Sprintstar André Greipel hat seinen 30. Geburtstag bei der Tour de France nicht mit einem Glas Siegersekt feiern können. Auf der 15. Etappe ließen der Rostocker Radprofi und sein Team Lotto-Belisol eine sechsköpfige Ausreißergruppe bis ins Ziel in Pau gewähren.Den Tageserfolg sicherte sich nach nur 158,5 Kilometern der Franzose Pierrick Fedrigo vor Christian Vande Velde aus den USA.

Greipel und Co. lassen Ausreißer gewähren (Foto)
Greipel und Co. lassen Ausreißer gewähren Bild: dpa

Dritter wurde Thomas Voeckler, der seinen zweiten Etappensieg 2012 verpasste. In der Gesamtwertung verteidigte Bradley Wiggins das Gelbe Trikot souverän vor seinem Sky-Teamkollegen Christopher Froome und Liquigas-Kapitän Vincenzo Nibali.

Greipel hätte mit seinem vierten Erfolg bei dieser Rundfahrt bis auf einen Sieg an Dietrich Thurau heranrücken können, der 1977 fünf Tour-Etappen in einem Jahr gewonnen hatte und in dieser Statistik deutscher Rekordhalter ist. Am Freitag und beim Finale am Sonntag auf den Pariser Champs-Élysées bleiben Kraftpaket Greipel voraussichtlich aber noch zwei Teilstücke für einen Massensprint.

Im Vorfeld hatte allerdings auch das letzte flache Teilstück vor dem Ruhetag am Dienstag als typisches Terrain für einen Spurt des Hauptfeldes gegolten. Allerdings machten die Sprinterteams wie Lotto und GreenEdge dann überraschenderweise keine Anstalten, sich an der Nachführarbeit zu beteiligen.

So rollte das Hauptfeld in relativ gemächlichem Tempo nach Pau; und das Ausreißer-Sextett mit Fedrigo, Vande Velde, Voeckler, Dries Devenyns, Samuel Dumoulin und Nicki Sörensen, das sich nach gut 60 Kilometern von der Gruppe gelöst hatte, konnte sich schon früh auf das Finish an der Place Verdun von Pau einstellen. Fedrigo und Vande Velde setzten sich gut sechs Kilometer vor der Ziellinie ab, auf den letzten Metern ließ sich der Franzose nicht mehr einholen.

Nach dem Sabotageakt mit Reißnägeln war die Empörung im Peloton beim Start in Samatan noch groß. Unbekannte hatten auf der Etappe am Sonntag Nägel auf der Strecke verstreut und mehr als 30 Platten verursacht. Robert Kiserlovski wurde gar in einen Unfall verwickelt und musste die Tour wegen eines Schlüsselbeinbruchs verlassen.

Weltmeister Mark Cavendish nannte den Verantwortlichen für die Aktion, der zunächst nicht identifiziert werden konnte, bei Twitter einen «Drecksack». Routinier Jens Voigt schimpfte: «Ich glaube, das war einer mit einem besonders kranken Sinn für Humor - der hat die lebensgefährlichen Konsequenzen gar nicht bedacht.»

Der Tour-Veranstalter ASO erstattete Anzeige gegen Unbekannt, die Staatsanwaltschaft von Foix leitete Ermittlungen ein. «Das zeigt, wie verletzlich wir in unserem Sport sind», sagte Spitzenreiter Wiggins. «Bei einer Attacke in einem Fußballstadion wären überall Kameras und die Täter längst dingfest gemacht.»

news.de/dpa

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