Synchronschwimmer Männer bleiben trocken

Er taucht, er springt, er dreht sich elegant um die eigene Achse: Niklas Stoepel ist Deutschlands einziger Synchronschwimmer. Bei Olympia darf er nicht dabei sein - denn in seinem Sport sind Männer nicht zugelassen. Und der Verband unterstützt ihn nicht. Der Grund: Frauen seien schöner anzusehen.

Einziger Synchronschwimmer in Deutschland: Niklas Stoepel. (Foto)
Einziger Synchronschwimmer in Deutschland: Niklas Stoepel. Bild: dpa

Frauen sind bei Olympischen Spielen auf dem Vormarsch. In London wird eine Rekordzahl an den Start gehen. Und wie ist es mit der Emanzipation der Männer? Der Bochumer Niklas Stoepel beklagt ihren Ausschluss vom Synchronschwimmen.

Bei den Olympischen Spielen ist die Emanzipation der Frauen seit Jahren auf dem Siegeszug und feiert in London einen historischen Erfolg. Erstmals wollen alle Teams auch Frauen an den Start schicken. Synchronschwimmer Stoepel beklagt dagegen, dass es in seinem Sport die Gleichberechtigung für den Mann nicht gibt. «Männer sind im Synchronschwimmen bei Olympia und Weltmeisterschaften nicht erlaubt. Das finde ich diskriminierend», sagte Deutschlands einziger Wasserballett-Akteur vom FS Bochum.

Seit 14 Jahren hat sich Stoepel den für Männer ungewöhnlichen Sport verschrieben - mit wachsender Begeisterung und gegen jedwede Hänselei. «Je länger ich es mache, desto mehr Lust habe ich daran», sagte der 20 Jahre alte Maschinenbaustudent. «Mir ist es egal, was andere Menschen davon halten. Es sind die gleichen Klischees wie bei Männern, die Balletttänzer sind.» Und die gleichen Vorurteile. «Ich bin nicht homosexuell», erklärt Stoepel.

Olympia 2012: Die deutschen Hoffnungen in London

Männer haben mehr Kraft als Frauen

Mit der Synchronschwimmer-Gruppe der FS Bochum ist er Ende Juni in Flensburg deutscher Vizemeister geworden - umgeben nur von Frauen. «Ich trainiere wie sie und bin auf dem gleichen Niveau», sagte Stoepel. In der Vorbereitung auf den nationalen Titelkampf war er an sieben Tagen jeweils drei bis vier Stunden im Wasser, um anspruchsvolle und synchrone Darbietungen einzustudieren. Im Wettkampf trägt er zwar bestickte Badehosen, verzichtet jedoch auf Badeanzug, Schminke und kunstvolle Frisuren.

Die Zulassung von Männern im Synchronschwimmen bei Olympia könnte nach seiner Ansicht auch seine Randsportart voranbringen. «Ich fände es schön. Dann würden sicher mehr Männer auf den Gedanken kommen, es zu machen», sagte Stoepel. «Es würde auch die Sportart verändern, weil Männer mehr Kraft, aber weniger Gelenkigkeit haben.»

Er ist der «Hahn im Korb»

Begrüßen würde er, wenn sich der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) international für die Gleichberechtigung einsetzte. Da trifft er aber auf Widerstand. «Der Verband wird keine männlichen Teilnehmer zulassen, und das wird sich auch nicht ändern», erklärte Udo Lehmann, Teammanager der deutschen Synchronschwimm-Nationalmannschaft. Die europäische Föderation und der Weltverband FINA sähen es genauso. «Synchronschwimmen ist ein Frauensport. Es gibt nun mal gewisse Ausdrucksformen, da sind Frauen netter anzuschauen, als wenn Männer das machen.» Vielleicht werde sich das in ferner Zukunft ändern, «aber im Moment sehe ich da keine Chance», so Lehmann.

Für die Olympischen Spielen in London konnten sich die deutschen Synchronschwimmer nicht qualifizieren. Für 2016 in Rio de Janeiro dürfte es für Niklas Stoepel trotz allen Enthusiasmus sowieso zu spät sein - zudem reicht für einen Einsatz im olympischen Duett seine Leistung nicht aus. National will er aber weiter als «Hahn im Korb» voller Frauen weitermachen: «Die haben mich noch viele Jahre am Hals.»

beu/loc/news.de/dpa

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Herbert Neuser
  • Kommentar 2
  • 04.08.2012 12:39

Alleine läßt sich nicht synchron schwimmen, auch fehlt wohl die Konkurrenz aus anderen Schwimmverbänden. Allerdings ist die Argumentation gegen Männer absurd und diskriminierend. Es ist alles andere als ein ästhetischer Genuss wenn (meist) häßliche Frauen (?) , die als "Damen" bezeichnet werden, Gewichte stemmen oder ander Arten von Schwerathlitik betreiben. Weiß man eigentlich noch was eine Dame ist ? Uns Männern stinkt jedenfalls die andauernde Herabsetzung !!!

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  • Moshira Hassan
  • Kommentar 1
  • 29.07.2012 10:25

Das ist sehr (mehr als nur) schade! Geradezu eine Schande im Sinne der Diskriminierung! Ich halte es für absurd, daß Männer nicht ebenso aesthetisch synchronschwimmen können sollen! Allerdings ist es mit einem einzelnen Menschen schwierig etwas "synchron" darzustellen. Das Argument gegen Männer ist exakt das Gleiche wie die Argumente Frauen gehörten nicht z.B. zum Kugelstoßen oder Fußball.

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