Fifa-Präsident Die Wahrheiten des Joseph B.

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News.de-Redakteurin Ulrike Bertus. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Er regiert wie ein Fürst aus dem Mittelalter: Sepp Blatter sagt, was Korruption ist - und was nicht. Ist er in das Problem verstrickt, ist es moralisch vertretbar. Geht es um andere, ist Korruption ein Verbrechen. Da passt es ins Bild, dass er nicht beichtet. Der Fifa-Präsident erhält Absolution.

Das Überraschende im viel diskutierten Interview von Fifa-Präsident Joseph «Sepp» Blatter mit der Blick kommt ganz zum Schluss. Dort wird er gefragt, ob er denn auch ab und an beichte. Seine Antwort gibt Einblick in eine Welt, die an Feudalherrscher erinnert, die nach Gutdünken schalten und walten konnten. «Ich habe Pfarrer Heller als Beichtvater, vielleicht kennen Sie ihn. Er gibt mir die Absolution bei unseren Treffen. Das ist gemütlicher als im Beichtstuhl.»

Kreuzfahrer, Ritter, die in den Krieg zogen, erhielten schon vor ihren Fahrten häufig die Absolution, um danach ohne schlechtes Gewissen brandschatzen und wüten zu können. Ein wenig erinnern die Irrfahrten des Fifa-Präsidenten an diese dunkle Zeit ohne Gesetze. Korruption, von der Blatter zwischen 1989 und 2001 sicher gewusst hat, war keine Korruption, weil es damals noch nicht in dieses Raster fiel. Nun, wo der Fifa-Präsident den Fußballweltverband transparenter machen möchte, gibt es diese Maßstäbe – sie sind aber nicht auf vergangene Zeiten anzuwenden. Eine gefährliche Logik.

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Ein Treppenwitz der Geschichte, dass die Korruption zur Vergabe der WM 2006 in eben diese Zeit fällt – und dass Blatter diese dennoch verurteilt, während all seine Verstrickungen moralisch und rechtlich aber nicht wertbar sind.

Sepp Blatter macht sich seine Welt, wie sie ihm gefällt. Da werden Wahrheiten gedreht und gewendet, bis keiner mehr weiß, was überhaupt die richtig Seite ist. Menschen werden von Sepp Blatter pauschal verurteilt, während die eigenen Vergehen in ein positives Licht gerückt werden, für ein höheres Ziel wichtig waren. Die erteilte Absolution im bequemen Sessel passt da völlig ins Bild. Ebenso wie das Festhalten an seinem Posten. Dabei wäre ein Rücktritt des Präsidenten das, was die Fifa dringend braucht.

ham/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 5
  • 17.07.2012 14:23

Wer einem Weltverband vorsteht und glaubt, den Saubermann markieren zu können, der bringt es zu nichts und schon gar nicht zu einer Weltfußballveranstaltung. Blatter hat Erfolg und steht damit meilenweit über der Moral der Erfolglosen. Ihre Moral besteht im Geldmangel und das ist ein Verbrechen. Ein Kapitalverbrechen aber ist Geldmangel mit Belehrungseifer. Leider haben wir viel zu viele Niedrigleister mit Belastungseifer gegen den Erfolgreichen. Diese Demenzdemokraten plappern als seien sie im Recht. Es gilt jedoch: Schwächlinge missbrauchen das Recht und die Geduld der Starken, wie Blatter.

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  • franken1960
  • Kommentar 4
  • 17.07.2012 13:50

Weg mit einen so alten - senilen - egoistischen - mittelalterlichen - diktatorischen - Greis. Er sollte seine Korruptionsmillionen nehmen - sich in die Schweizer Berger verziehen - und sich langsam um sein Erdmöbel kümmern - als auf der großen Weltbühne weiter eine Witzfigur abzugeben

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  • Paul Herchenbach
  • Kommentar 3
  • 16.07.2012 18:16
Antwort auf Kommentar 1

Sie haben völlig Recht ! Der Mann ist korrupt und senil . Aber Geld verdirbt ja bekanntlich den Charakter und diesen hatte der Mann niemals. Hier ist dringender Handlungsbedarf,freiwillig geht der Mann niemals ! !

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