WM 2006 Das Sommermärchen - war es gekauft?

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Sepp Blatter teilt aus: In der Schweizer Zeitschrift Blick wettert der Fifa-Präsident gegen das Sommermärchen in Deutschland. Die WM 2006 sei gekauft gewesen, sagt er. Aber was ist überhaupt dran an den Vorwürfen? Wir blicken zurück auf die Stimmvergabe vor zwölf Jahren - und auf die Rolle der Titanic.

Warum jetzt? Sepp Blatter, Präsident der Fifa, hat in einem Interview mit der Schweizer Zeitschrift Blick gegen Deutschland und das Sommermärchen, die WM 2006, ausgeholt: Die WM sei gekauft gewesen, sagt er. Er habe immer nur mit Gegenwind zu kämpfen gehabt, Uli Hoeneß habe auf seiner Geburtstagsparty sogar öffentlich gewettet, dass Blatter bald weg sei.

Nun stellt sich die Frage: Was ist dran an den Vorwürfen des Fifa-Präsidenten? Sind die Aussagen nur ein Weg, den immer wieder umstrittenen Weltverband transparenter zu machen? Oder ist es nur das Beißen eines 76 Jahre alten Mannes, der von Funktionären, Medien und Klubs unter Druck gesetzt wird, doch endlich zurückzutreten?

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Fakt ist: Hinweise, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 könnte gekauft worden sein, gibt es bereits seit der Vergabe. So soll Leo Kirch massiv Geld investiert haben, um die Spiele - und somit die Fernsehrechte - ins Land zu holen.

Schinken und eine Kuckucksuhr als Bestechungsgeld

Und dann spielte - so wird gemunkelt - auch das Satiremagazin Titanic noch eine Rolle: Möglicherweise ausschlaggebend für das Stimmenverhältnis war dabei ein - natürlich - gefälschtes Bestechungsfax des Magazins, das nach dessen eigener Aussage zur entscheidenden Stimmenthaltung des neuseeländischen Fifa-Vertreters Charles Dempsey führte. Eigentlich hatte sein Verband beschlossen, für Südafrika zu stimmen, er verließ die Abstimmung jedoch und enthielt sich - ausschlaggebend war seine Stimme aber nicht. Das Ergebnis gegen Südafrika war eindeutig. Und der Einfluss der Titanic ist vermutlich als Scherz anzusehen.

Geboten hatte Martin Sonneborn, der damalige Chefredakteur, den Vertretern der Fußballverbände nämlich kein Geld. Vielmehr waren es Schwarzwälder Schinken und jeweils eine Kuckucksuhr für den, der für Deutschland stimmen würde. Nach Bekanntgabe musste Sonneborn versprechen, nie wieder Einfluss auf Fußballfunktionäre zu nehmen. Die Ausstellung «Wie die Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte» widmet sich dieser kuriosen Episode.

Blatters eigene Logik

Bei den Vorwürfen Blatters geht es natürlich um mehr als um Schinken und Uhren: Geld soll geflossen sein. Direkt an die Entscheider. Dass gerade Sepp Blatter, dem immer wieder Korruption vorgeworfen wird, sich nun als Schützer von Anstand und Moral im Fußball produziert, sorgt bei Fans wie Verantwortlichen für Irritation bis hin zu Unverständnis. Die Rücktrittsforderungen werden lauter - aber der Schweizer hört diese nicht. Er sei nicht korrupt, sagt er und bezieht sich auf ein Gerichtsurteil aus der vergangenen Woche.

Das Schweizer Bundesgericht habe - so sagt er - ihn vergangene Woche nämlich vom Vorwurf der Korruption freigesprochen, er habe sich nichts vorzuwerfen. Fakt ist: Blatter stand auf keiner Liste mit Menschen, die Gelder erhielten, um der Marketingfirma ISL Fernsehrechte zuzuschachern. Festgestellt wurde jedoch, dass er Einblick in die Vorgänge rund um die - mysteriöse - Vergabe von Verträgen hatte. Diesen Einwand schiebt der Fußballpräsident aber mit gewohnter Ignoranz beiseite: «Damals konnte man solche Zahlungen als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen. Heute wäre dies strafbar. Man kann die Vergangenheit nicht mit den Maßstäben von heute messen

Diese «Vergangenheit» bezieht sich auf die Zeit zwischen 1989 und 2001 - also auch auf die Zeit der WM-Vergabe an Deutschland. Und nach den Aussagen Blatters war all diese Korruption keine Korruption - weil es noch keine Maßstäbe dafür gab. Warum dann die Aufregung?

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

phs/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • John51
  • Kommentar 3
  • 17.07.2012 12:46

So was wäre wenn H. Blatter statt Deutschland,ein andere Land beispiel italy,die spiele Gekauft,hätte. Wie würde die Deutsche medien reagiren?

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  • smoker152
  • Kommentar 2
  • 16.07.2012 15:29

Herrn Blatter kann man nur empfehlen, sich auf Altersstarrsinn und Senilität beim Arzt untersuchen zu lassen, sicher kann er dann auf eine Berufsunfähigkeitsrente spekulieren! Scherz beiseite, es ist sicherlich möglich, dass der eine oder andere Funktionär für"kleine Zuwendungen" empfänglich ist. Dazu sollte man aber auch stehen.Schließlich ist das in unser heutigen Welt üblich und wird auch von den sogenannte Vorbildern aus PolitikWirtschaft und Sport vorgelebt. Blatter klebt wie diese an seinem Pöstchen und wird weiterhin den Rücktritt verweigern.

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  • Roland Muller
  • Kommentar 1
  • 16.07.2012 14:37

Ja , den für 2002 Japan / Korea hatte Deutschland für diese Länder gestimmt, und Frage sie bei Daimler und VW was Verspochen wurde das die beide Länder 2006 für Deutschland Stimmen. Nach zulesen FIFA =MAFIA

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