Olympische Geschichte Das Feuer brennt und brennt und brennt

Michael Johnson mit dem Olympischen Feuer. (Foto)
Michael Johnson mit dem Olympischen Feuer. Bild: dapd

Von Von Günter Deister
Seit 1896 finden regelmäßig die Olympischen Spiele statt. Ein riesiges Ereignis bei dem es hoch fliegende Gewinner und tief fallende Verlierer gibt. Wir blicken zurück auf zusammenbrechende Läufer und Heldinnen der Nachkriegszeit.

Alle Olympischen Spiele haben ihre Geschichte und Geschichten. Und manchmal sind es Verlierer, deren Bilder sich unlöschbar mit einem Ereignis verbinden.

Bei der olympischen Marathon-Entscheidung 1908 in London lief der Italiener Dorando Pietri als überlegener Erster ins Stadion ein. Auf der Aschenbahn stürzte der vollkommen Erschöpfte fünfmal. Es schien, «als könne Pietri in Anwesenheit von Königin Alexandra auf der Bahn sterben», stand später im offiziellen Bericht. So weit ist es nicht gekommen. Helfer stützten den Torkelnden bis ins Ziel. Pietri wurde wegen unerlaubter Hilfe disqualifiziert - und stieg dennoch zu einer olympischen Legende auf. Der zum Sieger erklärte Zweite Johnny Hayes (USA) wirkt in den olympischen Geschichtsbüchern wie eine Randnotiz.

Olympia 2012
Die deutschen Hoffnungen in London

Ganz anders die Szenerie bei Londons zweiten Spielen 1948. Da trumpfte die 30 Jahre alte Fanny Blankers-Koen, eine zweifache Mutter aus den Niederlanden, so unerhört auf, dass sie nach ihren Siegen über 100 Meter, 200 Meter, 80-Meter-Hürden und mit der Sprintstaffel bewundernd «fliegende Hausfrau» genannt wurde. Dazu wurde Fanny Blankers-Koen zwölf Jahre nach den Vorgänger-Spielen von Berlin, wo sie Fünfte mit der Staffel und Sechste im Hochsprung geworden war, auch ein sportliches Bindeglied zwischen olympischer Vorkriegs- und Nachkriegszeit.

Wettkampf: Doppelschuss auf laufenden Hirsch

Londons erste Olympiade ist eine Notgeburt. Eigentlich sollten die vierten Spiele nach ihrer Premiere 1896 in Athen in Rom veranstaltet werden. Doch Italien sah sich außerstande, als 1906 der Ausbruch des Vesuvs zu einer nationalen Katastrophe führte. Die Briten sprangen als Nothelfer ein und schufen Erstaunliches und Beispielhaftes bis zum heutigen Tag. Sie gaben Olympia mit der Vorgabe von Wettkampfregeln und der Zulassung des metrischen Systems ein erstes Format. Sie profitierten davon, dass die Spiele nicht wie zuvor in Paris (1900) und St. Louis (1904) als ein bloßes Anhängsel von Weltausstellungen ausgetragen wurden. Das in nur neun Monaten geschaffene Olympiastadion wurde zu einer Mehrzweck-Arena für Leichtathletik, Schwimmen, Radrennen und weiteren elf Sportarten.

Bei den über sechs Monate gestreckten 110 Entscheidungen in 22 Sportarten gab es erstmals einen Einmarsch der Nationen unter Nationalflaggen, wobei die USA und Schweden auf ihre Fahnen verzichten mussten. Angeblich waren für sie keine aufzutreiben. Vieles wirkt aus heutiger Sicht beliebig. Es gab kaum Qualifikationen, Amateur war, wer sich dafür hielt. Zur Austragung kamen Tennis auf Rasen und in der Halle, Hochsprung und Weitsprung aus dem Stand, Doppelschuss auf laufenden Hirsch, Tauziehen und je drei Wettbewerbe im Motorbootrennen und Eiskunstlauf.

«Unterstützt» von durchweg einheimischen Kampfrichtern triumphierte Großbritannien im verbissenen Duell mit den wegen der Anreisestrapazen ermatteten Amerikanern mit 56:23 Siegen. Die Abordnung von 84 Sportlern aus dem Deutschen Reich brachte es lediglich auf drei erste Plätze und machte dafür schlechte Vorbereitung, zu späte Ankunft, ungewohntes Essen und miserable Unterbringung verantwortlich. Zwei Athleten ragten heraus: Johannes (Hanns) Braun als erster deutscher Leichtathlet und Otto Froitzheim als erster deutscher Tennisspieler von Weltformat. Braun gewann Bronze über 800 Meter und Silber mit einer Staffel. Froitzheim wurde Zweiter im Rasentennis.

Emil Zatopek, die «tschechische Lokomotive»

Nur drei Jahre nach einer vom Zweiten Weltkrieg geschundenen und ermatteten Welt sandten die zweiten Spiele in London unterschiedliche Signale. Ein Teil der Athleten trat mit eigenen Handtüchern und mitgebrachter Nahrung als Selbstversorger an und nächtigte in Studentenunterkünften und Militärbaracken. Hingegen marschierten die französischen Athletinnen im New Look von Christian Dior ein. So war es dann doch auch ein Aufbruch in eine neue Zeit, von der deutsche Sportler als Repräsentanten des Kriegsverursachers noch ausgeschlossen blieben.

Neben der fabelhaften Fanny Blankers-Koen ging der Stern von Emil Zatopek auf, jenem phänomenalem Langstreckenläufer, der als «tschechische Lokomotive» Weltruhm erntete. In London startete Zatopek seine Karriere mit dem Sieg über 10 000 Meter und einer Silbermedaille über 5 000 Meter. Vier Jahre später in Helsinki schaffte die Läufer-Legende sogar ein bisher unerreichtes und wohl nie mehr zu erreichendes Gold-Triple über 5 000 Meter, 10 000 Meter und im Marathon.

beu/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Elster
  • Kommentar 1
  • 15.07.2012 20:30

Auf die Olympiade da freue ich mich darauf .Ist und bleibt für meine Person immer ein schönes Erlebnis dies zu sehen.Mich fasziniert immer wieder der Kampfgeist der Sportler.Ein Sportler muß immer disziplniert an den Start gehen und auch fair sein .

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