Olympia Olympischer Kampf gegen ansteckende Krankheiten

Olympischer Kampf gegen ansteckende Krankheiten (Foto)
Olympischer Kampf gegen ansteckende Krankheiten Bild: dpa

London - Die Organisatoren der Olympischen Spiele in London haben Angst vor einer Epidemie - deshalb sollen Ärzte und Krankenhäuser bestimmte Symptome sofort einer zentralen Stelle melden.

Sportliche und religiöse Großveranstaltungen der Vergangenheit dienen als Blaupause.

Sie blicken von Vancouver bis nach Mekka und haben London im Visier: Ein internationales Expertenteam interessiert sich für Städte, in denen große Menschenmengen aus vielen Erdteilen zusammengekommen sind. Sei es die islamische Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien oder die jüngsten Winterspiele in Kanada - immer besteht die Gefahr, dass eine Epidemie aus einem Teil der Welt mitgebracht und nach Rückkehr der Teilnehmer in den Heimatländern verbreitet wird. Genau das soll bei den Olympischen Spielen in London vom 27. Juli bis 12. August nicht geschehen.

«Am wichtigsten ist es, sobald wie möglich zu wissen, was vor Ort passiert, so dass wir schnell reagieren können, wenn etwas Ungewöhnliches passiert», sagt der Olympia-Beauftragte der britischen Gesundheitsschutzbehörde HPA, Brian McCloskey. Die HPA arbeitet gemeinsam mit Experten in Toronto und dem Europäischen Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm daran, ansteckende Krankheiten während der Spiele schnell einzudämmen.

Aktuell haben die Forscher und Gesundheitsschützer ein besonderes Auge auf Masern, sagt McCloskey. Sorge bereiten die vielen ungeimpften Europäer unter den erwarteten 660 000 Besuchern sowie den 70 000 Athleten, Betreuern und Mitarbeitern. Die Zahl der Masern-Erkrankungen steigt in einigen Ländern Europas, weil junge Erwachsene entweder gar nicht oder nur unzureichend geimpft wurden.

Bei den Winterspielen vor gut zwei Jahren in Vancouver gab es 85 Fälle von Masern. Von 2002 bis 2009 lag die durchschnittliche Zahl der Erkrankungen in der gesamten Provinz British Columbia bei gerade mal vier pro Jahr.

Doch Masern sind nichts im Vergleich mit einem möglicherweise tödlichen Virus. Vor drei Jahren brach die weltweit gefürchtete Schweinegrippe (H1N1) ausgerechnet zur Zeit der islamischen Pilgerfahrt nach Mekka («Hadsch») aus. Im Pilgermonat reisen Jahr für Jahr mindestens zwei Millionen Muslime nach Saudi-Arabien, um die Geburtsstadt des Propheten Mohammed zu besuchen. Im Fall der Schweinegrippe ein Alptraum, doch die saudischen Behörden reagierten schnell und gründlich. Nun gilt der Hadsch 2009 als Blaupause für die Krankheitsprävention in London.

Die saudischen Behörden nutzten Mobilfunk und zentrale Datenbanken für die Suche nach Schweinegrippe-Symptomen. Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde beobachteten die Menschenmassen und informierten die Zentrale sofort über Grippesymptome bei einzelnen Pilgern. Zudem isolierten sie Kranke von ihrer Pilgergruppe.

Epidemie-Experte Kamran Khan von der Universität Toronto erklärt: «Wenn man einen Patienten zum ersten Mal sieht, weiß man nicht unbedingt, was er für eine Krankheit hat, aber man kann zum Beispiel erkennen, dass er Durchfall hat.» Auch ohne klare Diagnose werden Symptome wie Durchfall während der Sommerspiele in London von Ärzten und Krankenhäusern an die HPA-Zentrale gemeldet. Sollte sich eine schlimme Epidemie andeuten, könnte die Gesundheitsbehörde so viel schneller reagieren.

An einen möglicherweise tödlichen Grippevirus während der Spiele glaubt HPA-Experte McCloskey aber nicht wirklich. Eine andere, jedoch weniger bedrohliche Krankheitswelle sieht er jedoch voraus: «Es wird mehr Durchfall und Erbrechen geben, weil neue Fast-Food-Läden für gewöhnlich mehr Lebensmittelvergiftungen verursachen.»

European Centre for Disease Prevention and Control

news.de/dpa

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