Motorsport Gradmesser Silverstone: Vettel fühlt neue Stärke

Silverstone - Noch vor dem ersten Kilometer hat Sebastian Vettel in Silverstone den Platz ganz oben sicher. Das Konterfei des Doppelweltmeisters grüßt an der Haupteinfahrt des «Home of British Motor Racing» von der Spitze einer Ehrentafel für bisherige Gewinner des ältesten Formel-1-Rennens.

Gradmesser Silverstone: Vettel fühlt neue Stärke (Foto)
Gradmesser Silverstone: Vettel fühlt neue Stärke Bild: dpa

Heroen wie Ayrton Senna, Juan Manuel Fangio und Nigel Mansell teilen sich die Reihen darunter. Ein Vertrauensvorschuss, den Vettel als Sieger am Sonntag zurückzahlen will. «Unsere Chancen stehen gut», meinte der Red-Bull-Pilot.

Seit dem Leistungssprung von Valencia fühlt der Titelverteidiger, dass aus der Problembeziehung mit seinem «Abbey» getauften RB8 doch noch so etwas wie eine heiße Affäre werden könnte. Das jüngste Lifting des bislang störrischen Dienstwagens entpuppte sich - ungeachtet des Ausfalls wegen einer defekten Lichtmaschine - als Volltreffer. «Dieses Gefühl von Valencia müssen wir bestätigen. Das Resultat natürlich nicht», sagte Vettel.

WM-Platz vier mit 26 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Fernando Alonso soll nur eine Momentaufnahme bleiben. Das Rennen auf dem Traditionskurs in Mittelengland kommt Vettel und der Formel 1 als Gradmesser gerade recht. Ist Red Bull hier wieder stark, ist dies ein klarer Fingerzeig für den Rest des Sommers.

Die Konkurrenz hat die Drohung einer neuerlichen Red-Bull-Dominanz vernommen und Gegenmaßnahmen eingeleitet. McLaren schraubt für das Heimrennen von Lewis Hamilton und Jenson Button ein großes Paket neuer Teile ans Auto. «Die brauchen wir auch. Die anderen haben ernsthafte Fortschritte gemacht», erklärte Hamilton. Wegen der kritischen sportlichen Lage legte McLaren die Verhandlungen mit dem WM-Dritten über einen neuen Vertrag vorerst auf Eis.

Unter Zugzwang sieht sich auch Ferrari, obwohl Alonso die Gesamtwertung anführt. «Es sind einige Autos schneller als wir. Da dürfen wir uns nicht blind stellen. Wir müssen arbeiten», mahnte Alonso. Teamchef Stefano Domenicali warnt indes vor Hektik. «Wir müssen die Ruhe bewahren», forderte der Italiener. «Die Dinge können sich so schnell ändern, da müssen wir fokussiert bleiben.»

Dabei ist es auch vor dem neunten Saisonrennen schwer, überhaupt den Überblick zu behalten. Prognosen und Experten-Urteile haben sich in diesem Jahr regelmäßig als irreführende Kaffeesatzleserei erwiesen. Die ersten acht Grand Prix hatten sieben verschiedene Sieger, erst Alonso beendete in Valencia die Serie und feierte seinen zweiten Saisonerfolg. «Bis zu einem bestimmten Punkt ist das sicher attraktiv für alle, nur darf es nicht in Beliebigkeit umschlagen», befand Rekordchampion Michael Schumacher, der zuletzt im Krimi von Valencia als Dritter endlich wieder aufs Podium durfte.

Vettel aber betonte trotz der irren Wendungen: «Ich glaube nicht, dass es eine Lotterie ist. Jeder hat die gleichen Waffen. Am Ende der Saison wird es eine Sache zwischen zwei, drei oder vier Fahrern sein. Wir müssen sicherstellen, dass wir dabei sind.»

Red-Bull-Teamchef Christian Horner hat keine Zweifel, dass sein Wunderknabe auch für diese Nervenprobe gerüstet ist. «Er ist unglaublich reif. Seine Willenskraft ist einer seiner großen Vorzüge», pries der Brite seinen Hoffnungsträger. Vettels Hunger nach Erfolgen sei noch lange nicht gestillt. «Das Beste kommt noch», beteuerte Horner. Ein Vettel-Sieg in Silverstone wäre der perfekte Beweis.

news.de/dpa

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