Red-Bull-Problemprojekt Rangnick will RB Leipzig Flügel verleihen

Stunde Null in Leipzig: Ralf Rangnick läutet bei RB Leipzig eine neue Zeitrechnung ein. Der Fußball-Professor soll aus der Lachnummer der Regionalliga wieder das Red-Bull-Prestigeobjekt mit dem Ziel Bundesliga machen. Dafür krempelte er den Laden schon kurz nach seinem Amtsantritt gehörig um.

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«Es ist mir wurscht, was bisher war. Um 13 Uhr beginnt hier eine neue Zeitrechnung», sagte Ralf Rangnick. Zwar erklärte der neue Sportdirektor von Red Bull Salzburg und RB Leipzig bei seiner Vorstellung im riesigen Stadion des sächsischen Viertligisten: «In Hoffenheim hatte ich damals ein weißes Blatt Papier. Hier fangen wir nicht bei null an, es ist schon einiges auf den Weg gebracht. Dennoch ließ Rangnick keinen Zweifel daran: Aktuell ist die Stunde null, danach werden die Tage und Jahre in der Geschichtsschreibung von RB Leipzig mit der Bezeichnung n.R.R. versehen werden müssen.

Mit bestem Logenblick auf die blau-türkis bestuhlte Leipziger 45.000-Zuschauer-Schüssel kündigte der neue Red-Bull-Macher selbstbewusst an: «Ich bin überzeugt davon, dieses Stadion dauerhaft voll zu kriegen. In ein paar Jahren werden wir sagen, das Stadion ist nicht groß genug.»

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Anderthalb Wochen nach seinem überraschenden Comeback als allmächtiger Sportchef stattete Rangnick dem zuletzt aus der Bahn geratenen Red-Bull-Prestigeprojekt in Leipzig seinen Antrittsbesuch ab. Nach überstandener Burn-out-Erkrankung präsentierte sich der Fußball-Professor hoch motiviert und machtbewusst wie eh und je. «Alle, die motiviert und gut sind, sind herzlich willkommen, die Reise mitzugehen», sagte der 54-Jährige. «Wir wollen Spieler haben, für die RB Leipzig der logische nächste Karriereschritt ist und die nicht wegen anderer Annehmlichkeiten hierher kommen.»

Rangnick will «Jugendlichkeit, Dynamik und Abenteuerlust»

Als erste Amtshandlung hatte er tags zuvor den bisherigen Leipziger Trainer Peter Pacult samt Trainerstab und Geschäftsführer Wolfgang Loos abgesägt. Nicht umsonst sei der Slogan des Konzerns «Red Bull verlieht Flügel», erklärte Rangnick. Er wolle auch dem Projekt RB Leipzig Flügel verleihen, für «Jugendlichkeit, Dynamik und Abenteuerlust» solle der Fußball in der Messestadt genauso wie in Salzburg künftig stehen. «Peter Pacult hat eine andere Philosophie.»

Stattdessen soll nun einer aus Rangnicks Dunstkreis die zweimal gescheiterte Mission Aufstieg angehen: Alexander Zorniger leitet bereits am Mittag das erste Training am Leipziger Cottaweg. Der 44-Jährige war bislang nur Insidern bekannt. Nach Stationen bei Normannia Gmünd, als Co-Trainer beim VfB Stuttgart und zuletzt als Chefcoach beim Süd-Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach ist Leipzig Zornigers große Chance, den Durchbruch als Trainer zu schaffen. Der Sportwissenschaftler vergleicht seine Philosophie mit der von Kollegen wie Robin Dutt, Hansi Flick oder Marcus Sorg aus dem Südwesten Deutschlands.

Zorniger steht für aggressive Balleroberung, Ballorientierung und schnelles Umschaltspiel. Als aktueller Jahrgangsbester des Lehrgangs für Fußballlehrer sind seine theoretischen Qualitäten unbestritten. Bleibt die Frage, ob sich der Nobody ohne Stallgeruch im diffusen Leipziger Fußballgeflecht zurechtfindet. Selbstbewusst sagte der Schwabe: «Das Ding hier habe ich mir verdient. Ich bin überzeugt davon, was ich mache, und genauso überzeugt davon bin ich von meiner Aufgabe hier.» Dafür, dass seine Spieler fit genug für Zornigers laufintensive Spielweise sind, soll Tim Lobinger sorgen. Der einstige Hallenweltmeister im Stabhochsprung verlegt seinen Wohnsitz von München nach Leipzig und soll künftig den RB-Kickern als Konditionstrainer Beine machen.

Rangnick sagt Ballack ab

Seit Red Bull 2009 den damaligen Fünftligisten Markranstädt übernommen hatte, scheiterten bereits drei Trainer. Und auch in der Führungsetage herrschte eine Fluktuation wie in der Startelf der deutschen Nationalmannschaft bei der EM. Einige Entscheidungsträger wie Thomas Linke waren nur wenige Wochen im Amt. Anders als beispielsweise bei Red Bulls weltmeisterlichem Formel-1-Rennstall ging es in Leipzig zu wie in einem Taubenschlag. Nun erklärte RB-Vorstand Florian Müller: «Kontinuität ist wichtig, klar, aber Kontinuität alleine hat keinen Wert. Angesichts des sportlichen Misserfolgs tritt so etwas in den Hintergrund.»

Die Fußball-Filialen in Deutschland und in Österreich sollen künftig beide Rangnicks Handschrift tragen. «Wir wollen beide ähnlich aufstellen, die Art des Fußball wird ähnliche Grundzüge tragen genau wie die Spielerausbildung», kündigte Rangnick an. Fortan werden sich die Verantwortlichen beider Standorte regelmäßig treffen, um gemeinsame Workshops abzuhalten. Am kommenden Sonntag geht es mit dem Themenkomplex Spielphilosophie los. Danach folgen Punkte wie Mannschaftsführung oder Umgang mit Druck.

Nach der Vorstellungsrunde machte sich die neue sportliche Führung auf zum Training, um die Mannschaft kennenzulernen. Man darf davon ausgehen, dass bis zum Saisonstart der Kader von derzeit 28 Spielern auf maximal 24 eingedampft wird. Der derzeitige Altersschnitt von 28,5 Jahren soll deutlich nach unten korrigiert werden. «Bisher haben hier eher erfahrene Spieler gespielt, grundsätzlich soll die Mannschaft verjüngt werden», sagte Rangnick. «Ich kann für Leipzig und Salzburg ausschließen, dass wir Michael Ballack verpflichten werden.»

iwi/news.de

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