«Angie» Kerber Unsere Tennis-Kanzlerin erobert Wimbledon

Petko, Lisicki und Kerber
Die Gesichter der Tennis-Renaissance

Angelique Kerber und Sabine Lisicki kennen sich, seit sie klein sind: Im Viertelfinale von Wimbledon standen sich die derzeit besten deutschen Spielerinnen gegenüber. Den Sieg errang Kerber - auch weil sie mental stärker war als ihre Kontrahentin.

Angelique Kerber riss stolz die Arme hoch, Sabine Lisicki verließ geknickt den Centre Court: Die Kielerin hat ein hochdramatisches deutsches Wimbledon-Duell gegen die Berlinerin für sich entschieden. Die Weltranglisten-Achte bezwang die Nummer 15 der Tenniswelt am späten Dienstagabend mit 6:3, 6:7 (7:9), 7:5 und machte damit nach exakt zweieinhalb Stunden Spielzeit ihren ersten Halbfinaleinzug bei den All England Championships perfekt.

«Ich bin so froh, dieses unglaubliche Match gewonnen zu haben», freute sich Kerber. «Wahnsinnskampf, es ging hin und her, schade, dass eine verlieren musste», kommentierte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner. Lisicki war geknickt. «Es ist sehr enttäuschend, besonders, weil ich im dritten Satz zum Matchgewinn aufgeschlagen habe», sagte sie. «Daraus werde ich lernen. Ich komme immer stärker heraus aus solchen Matches.»

Das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen auf dem ehrwürdigen Centre Court des berühmtesten Tennisturniers der Welt war erst ab Ende des zweiten Satzes hochklassig - zu schwankend spielte Lisicki zunächst. Die Vorjahreshalbfinalistin konnte nur zeitweise an ihre Weltklasse-Leistung aus dem Vormatch anknüpfen, als sie sensationell die Weltranglisten-Erste Maria Scharapowa geschlagen hatte.

Freundinnen sind Kerber und Lisicki nicht gerade

Kerber sagte vorab: «Wir kennen uns seit wir klein sind - die Chancen sind 50:50.» Freundinnen sind die introvertierte norddeutsche Kerber und die in Florida lebende amerikanisierte Lisicki nicht unbedingt. «Wir sind keine Feindinnen und ich werde weiterhin freundlich zu Sabine sein», hatte die Kielerin gesagt. Mit ihrer Prognose eines zähen Kampfes hatte sie nicht so schlecht gelegen. «Das war so ein hartes Match - Sabine hat unglaublich gespielt und ich bin so glücklich, hier erstmals im Semifinale zu stehen», sagte Kerber im Anschluss.

Am Ende erwies sich die 24 Jahre alte, so enorm laufstarke Linkshänderin als nervenstärker als die eineinhalb Jahre jüngere Fed-Cup-Kollegin. Auch im dritten Hauptfeld-Vergleich mit ihrer voraussichtlichen Olympia-Doppelpartnerin ging sie schließlich als Siegerin vom Platz. Kerber erreichte damit erst als vierte Deutsche in der Profi-Ära der Grand-Slam-Turniere die Vorschlussrunde von Wimbledon - nach Bettina Bunge (1982), Steffi Graf (10 x zwischen 1987 und 1999) und Lisicki (2011).

Wimbledon
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Kerber trifft in ihrem zweiten Grand-Slam-Semifinale - nach den US Open 2011 - nun auf die Polin Agnieszka Radwanska, die Maria Kirilenko aus Russland nach zwischenzeitlicher Unterbrechung 7:5, 4:6, 7:5 besiegte. Kerber feierte bereits ihren 45. Matchgewinn in dieser Saison - das ist Spitze auf der WTA-Tour.

Kerber ist mental stärker

Gegen die gewohnt variabel und hochkonzentriert spielende Kerber wirkte Lisicki zunächst verunsichert bei ihrem Lieblingsturnier und längst nicht so vor Selbstbewusstsein strotzend - nach dem ersten Satz ließ sie sich am linken Daumen behandeln. Sie pushte und kämpfte sich dann in die Partie. Im zweiten Satz wehrte sie bei 4:5 und im Tiebreak insgesamt drei Matchbälle ab, um sich mit ihren Augen-zu-und-durch-Schüssen und Hammeraufschlägen in den dritten Satz zu retten.

Bei einer 5:3-Führung schien sie dann plötzlich auf der Siegerstraße zu sein, aber dann setzte sich die mental derzeit so starke Kerber, die schon im Achtelfinale Kim Clijsters deklassiert hatte, doch noch durch. Nach einem Rückhandfehler der Kontrahentin nutzte die Kielerin, die am Montag mindestens auf Platz sieben der Weltrangliste klettert, Matchball Nummer fünf.

Im Vorjahr an der Church Road war die Aufsteigerin der vergangenen zehn Monate noch in der ersten Runde ausgeschieden. Erst zum zweiten Mal in der «Open Era» seit 1968 hatten zwei deutsche Frauen im Viertelfinale im All England Club gestanden: Im Jahr 1987 waren es Steffi Graf und Claudia Kohde-Kilsch.

kru/news.de/dpa

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