Tor-König Torres «El Niño» klaut Gomez den Goldenen Schuh

EM-Finale 2012
Spanien feiert in Familie, Italien weint

Von Elmar Dreher
Völlig überraschend hat sich Fernando Torres den Goldenen Schuh als bester Torjäger der Fußball-EM gesichert. Der EM-Held von 2008 war dieses Mal zwar nicht in Bestform. Doch seine kurzen Einsatzzeiten erwiesen sich im Fernduell gegen Mario Gomez als Trumpf.

Am Ende reichten Fernando Torres vier Minuten, um Mario Gomez die Torjägerkrone bei der Fußball-EM wegzuschnappen. Mit seinem späten 3:0 (84.) gegen die längst gedemütigten Italiener zog der spanische Stürmer-Star zunächst nach Treffern mit dem Bayern-Profi gleich. Kurz darauf die geniale Vorlage per Außenrist, die Juan Mata (88.) locker zum 4:0 verwertete. Und schon gehörte Torres der «Goldene Schuh». Doch in die EM-Elf der Europäischen Fußball-Union schaffte er es - wie auch Gomez - nicht.

Entscheidend für den Gewinn der begehrten Trophäe war Torres' geringere Einsatzzeit im Vergleich zu Gomez. Wenigstens hier erwies es sich für den Mädchenschwarm mit dem Milchbubengesicht als Vorteil, dass ihn Trainer Vicente del Bosque im gesamten Turnier nur 200 Minuten und 45 Sekunden auflaufen ließ. Der Deutsche stand knapp 86 Minuten mehr auf dem Feld.

Torres: «Das kompensiert ein sehr schwieriges Jahr»

Mit nur drei Treffern Torschützenkönig einer Europameisterschaft zu werden, ist eigentlich ein Armutszeugnis für die versammelte Stürmerelite. Für Torres persönlich war es aber ein Erfolgserlebnis. «Das kompensiert ein sehr schwieriges Jahr», sagte der 28-Jährige nach Mitternacht erleichtert und gelassen.

In der Nationalmannschaft hatte der Mittelstürmer fast zwölf Monate lang nicht mehr getroffen. Erst im vorletzten Test vor Turnierbeginn war Torres gegen Südkorea erfolgreich. Beim FC Chelsea, der 2011 etwa 60 Millionen Euro für ihn an den FC Liverpool bezahlte, hatte er 24 Spiele lang Ladehemmung. Beim Champions-League-Gewinner blieb er meist nur zweite Wahl hinter Didier Drogba. Von seiner einstigen Bestform war der Blondschopf weit entfernt. Längst war «El Niño» (das Kind) zum Sorgenkind geworden.

«Not-Neuner» Fàbregas erhielt den Vorzug

Auch bei diesem Turnier hatte Torres keinen Stammplatz. Nur zweimal stand er in der Startformation. Del Bosque setzte - wie auch im Finale - lieber auf den offensiven Mittelfeldmann Cesc Fàbregas als «Not-Neuner». Er sei kein normaler Mittelfeldspieler, begründete del Bosque immer wieder seine Entscheidung. «Er hat viel Offensivdrang.»

Dreimal wurde Torres eingewechselt, einmal blieb ihm nur die Zuschauerrolle. Eine bescheidene Bilanz für den EM-Helden von Wien. Im Finale 2008 war er mit seinem 1:0-Siegtreffer gegen Deutschland zum Helden aufgestiegen.

Aber nach diesem historischen Titel-Triple und seiner persönlichen Krönung kehrte das unbeschwerte Lächeln bei Torres wieder zurück. Nach dem Abpfiff lief er freudestrahlend mit seinen beiden Kindern Nora und Leo über den Platz des Kiewer Olympiastadions. «Ich fühle mich in der Nationalmannschaft immer wohl», sagte er.

kru/zij/news.de/dpa

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