DFB-Team im Halbfinale Löws Elf sprengt alle Ketten

2006, 2008, 2010, 2012: Deutschland zieht nach dem Erfolg gegen Griechenland zum vierten Mal in Serie ins Halbfinale ein - und das mit einem Weltrekord. Aber der Sieg macht auch Angst - zumindest dem kommenden Gegner. Denn Deutschland ist nun taktisch und personell endgültig unberechenbar. 

Sexy EM-Fans: Die schönste Seite der Euro

Einen deutschen Rekord hatte Bundestrainer Joachim Löw mit seiner Mannschaft bereits nach der Vorrunde errungen: Neun Punkte aus drei Spielen, das war einer deutschen Nationalmannschaft bei einer Europameisterschaft bislang noch nie gelungen. Und das in der Todesgruppe B - der «group of death» - wie Löw betonte. Nach dem 4:2-Erfolg gegen Griechenland im EM-Viertelfinale in Danzig hat die DFB-Elf nun sogar einen Weltrekord eingestellt: 15 Pflichtspiele in Serie hat bislang noch keine Nationalmannschaft gewonnen. «Wir sind zum vierten Mal hintereinander bei einem großen Turnier im Halbfinale - 2006, 2008, 2010, 2012. Das ist eine hervorragende Leistung», schwärmte Löw. Und das mit der jüngsten Mannschaft des Turniers. Kapitän und Torschütze Philipp Lahm sagte: «Ich bin zuversichtlich, weil wir eine Riesenserie im Rücken haben, weil wir sehr viel Qualität in unseren Reihen haben», sagte Philipp Lahm.

Und noch aus einem weiteren Grunde, war dieser 15. Sieg nach dem verlorenen WM-Halbfinale 2010 ein besonderer Erfolg. Denn Jogis Jungs zeigten vor den Augen der drollig jubelnden Kanzlerin («Glückwunsch, weiter so!») endlich wieder Spielfreunde und Lust an der Offensive - und das war wohl auch das einzige Mittel gegen die griechische Mannschaft, deren Defensive nicht umsonst als Betonabwehr bezeichnet wird. Zehn Mann in der Defensive bedeuten für die gegnerische Mannschaft eigentlich: immer wieder dagegen anrennen, ermüden, keinen Weg finden, verzweifeln. 2004 wurde Griechenland mit furchtbarem Defensivfußball Europameister. Es war spielerisch keine schöne EM.

Unberechenbarkeit als Schlüssel zum Erfolg

Aber die deutsche Nationalmannschaft zeigte am Freitagabend vor 40.000 Zuschauern in der PGE Arena Gdańsk was man dagegen tun kann: Spielfreude gegen Beton, Flexibilität gegen Granit. «Ich musste frischen Wind reinbringen», sagte Bundestrainer Jogi Löw nach dem Spiel - und stellt den kommenden Gegner (England oder Italien) nun vor eine schwierige Aufgabe. Denn die Flexibilität «war irgendwie auch der Schlüssel zum Sieg.» Dass Linksverteidiger Philipp Lahm in seinem 90. Länderspiel sein so wichtiges fünftes Länderspieltor zum erlösenden 1:0 erzielte, passte hervorragend ins Bild.

Einzelkritik: Reus surft auf der perfekten Welle, Schweini blass

Die deutsche Nationalmannschaft hat gezeigt: Es gibt mehr als nur fünf, sechs hervorragende Offensivkräfte in der Mannschaft, verschiedene Kombinationen der Spieler sind möglich: Unberechenbarkeit als Taktik. Klose kam für Gomez, Reus für Müller, Schürrle für Podolski - allessamt überraschende, aber höchst effektive Einwechslungen. «Es war der Tag der Überraschungen», sagte Löw nach dem Sieg gelöst. Wieder einmal kann man dem Bundestrainer zu seinem Personalentscheidungen nur gratulieren: Alles richtig gemacht, Herr Löw! «Wir sind eine starke Mannschaft, wir sind auf jeder Position doppelt besetzt, das zeichnet uns aus. Wir wollen gewinnen», sagte Torschütze Klose nach dem Spiel - eine Tatsache, die im Halbfinale am Donnerstag in Warschau noch für die ein oder andere Überraschung sorgen kann und - vermutlich - wird. 

Im Halbfinale warten nun schwerere Gegner

Trotzdem: Griechenland war ein vergleichsweise einfacher Gegner. Im Halbfinale warten mit den Italienern oder Engländern zwei Schwergewichte, das weiß auch der Bundestrainer: «Beide Mannschaften sind gut», sagte er gestern nach dem Spiel. «England ist viel besser als 2010, viel besser organisiert unter Roy Hodgson. Sie stehen hervorragend defensiv und kontern schnell.» Und bei Italien sei es ähnlich, sie stünden gut, hätten schnelle Spieler und seien gerade dadurch so gefährlich. «Beide Mannschaften sind sehr unangenehm. Alle Mannschaften, die ins Halbfinale kommen, sind Titelanwärter.» Deutschland ist seit gestern Abend ein bisschen mehr Titelanwärter als andere.

kru/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Andrzej Lignowski
  • Kommentar 6
  • 24.06.2012 10:31

Deutschland hat gute Chancen für den Sieg. Andrzej Lignowski

Kommentar melden
  • Knoppka
  • Kommentar 5
  • 23.06.2012 15:11
Antwort auf Kommentar 3

love bleib lieber bei deinem 669

Kommentar melden
  • Knoppka
  • Kommentar 4
  • 23.06.2012 15:09
Antwort auf Kommentar 2

Auf welcher Position haben denn " Glück " und " Zufall " gespielt, habe ich da was verpasst?

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig