Fußball Träumen erlaubt: England feiert Rooney und Turnierglück

Träumen erlaubt: England feiert Rooney und Turnierglück (Foto)
Träumen erlaubt: England feiert Rooney und Turnierglück Bild: dpa

Donezk - Ganz England bejubelt die Rückkehr des so lange schmerzlich vermissten Turnierglücks. Nach dem Tor-Dusel von Donezk soll Wayne Rooney in der K.o.-Phase der EM nun auch die titellose Leidenszeit für die Three Lions beenden.

«So gut habe ich mich noch nie nach einem Tor für England gefühlt», frohlockte der Schütze zum 1:0 (0:0) über die Ukraine in Donezk, «ich habe lange Zeit nicht mehr in einem Turnier getroffen, und es gab so viel Gerede über mein Comeback für dieses Spiel.»

Die englischen Medien feierten Rooney gleich als Helden. «Er kam zurück, er traf, er eroberte. Bei seinem Comeback köpfte Wayne Rooney das Tor, das England ins Viertelfinale beförderte», schrieb «The Independent». Vor acht Jahren war Rooney, der die ersten beiden Partien bei der EURO gesperrt verpasst hatte, sein bislang letzter Treffer im Nationaltrikot bei einer EM oder WM gelungen.

673 Minuten musste er auf das Erfolgserlebnis warten. Da konnte auch der schmeichelhafte Einzug in das Viertelfinale gegen Italien mit einem nicht gegebenen Tor für die Ukraine die Freude kaum schmälern. «Wayne Rooney feuerte England ins Viertelfinale - mit etwas Hilfe eines ungarischen Linienrichters», befand «The Sun».

«Jeder sagt, dass der Ball hinter der Linie war», meinte Rooney zum vermeintlichen Ausgleich von Marko Devic (62.), «aber es war an der Zeit, dass wir auch einmal ein bisschen Glück haben.» Ein «gewisses Maß an Gerechtigkeit» erkannte die BBC in der meist diskutierten Szene dieser Vorrunde. Nachdem Frank Lampard im WM-Achtelfinale gegen Deutschland vor zwei Jahren ein klarer Treffer zum 2:2 versagt geblieben war, wähnt sich der Weltmeister von 1966 bei dieser EURO endlich auf der richtigen Seite des Schicksals. «Vor zwei Jahren hatten wir das Glück nicht, heute war es zu unseren Gunsten», meinte der starke Kapitän Steven Gerrard.

Bei großen Turnieren war auch Rooney zuletzt die Fortune abhanden gekommen. Die Erleichterung war nun so groß, dass das frisch frisierte Kraftpaket - ein Jahr nach einer Haartransplantation - beim Torjubel in der 48. Minute scherzhaft die Nutzung von Haarspray andeutete. Rooneys Kopfballtreffer aus knapp einem Meter und seine engagierte Leistung machen Mut. «Er wird mit jedem Spiel stärker, bekommt mehr Selbstvertrauen. Er ist so wichtig für uns», pries ihn Gerrard. Rooney habe Charakter gezeigt, sagte auch Coach Roy Hodgson: «Wir kennen seine Qualitäten. Diese 80 Minuten heute werden ihm erlauben, das nächste Spiel mit noch mehr Zuversicht anzugehen.»

Nach zahlreichen Verletzungen war England in diese EM mit so niedrigen Erwartungen wie lange nicht mehr gestartet. Doch inzwischen ist der Glaube des jungen Teams an die eigene Stärke so groß geworden, dass auch ein mögliches Halbfinale gegen Deutschland längst nicht mehr vermessen erscheint. «Wir wollen dieses Turnier so lange wie möglich genießen und so gut wie möglich spielen - wer weiß, wie weit uns das bringen kann?», orakelte Hodgson, der nach dem fünften Spiel seit seinem Amtsantritt weiter ohne Niederlage ist.

Der Glaube der Fans an «Roys Boys», wie das Team inzwischen von den Medien genannt wird, ist groß. «In Roy we trust» («Wir vertrauen Roy»), stand auf einem «Union-Jack»-Banner im Stadion in Donezk. Am frühen Mittwochmorgen gegen 4.30 Uhr wurden die müden Inselkicker bei der Ankunft nach dem 1500-Kilometer-Rückflug im EM-Hotel im polnischen Krakau von zahlreichen begeisterten Anhängern gefeiert.

Dank des Gruppensieges bleibt England das Duell mit Titelverteidiger Spanien erspart. Am Sonntag in Kiew kommt es nun zum pikanten Aufeinandertreffen mit dem Team aus dem Land von Ex-Trainer Fabio Capello. «Italien wird genauso schwer wie Spanien, das ist die K.o.-Phase», meinte Innenverteidiger Joleon Lescott zwar. Doch zumindest Medien wie die BBC gönnten dem Team bereits einen kleinen Blick nach vorn: «Sie können es sich erlauben, ein bisschen mehr zu träumen.»

news.de/dpa

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