DFB-Elf im Viertelfinale Alles richtig gemacht, Herr Löw!

Die Einzelkritik
Matchwinner Bender, schwacher Özil

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Neun Punkte aus drei Spielen - und das in der Todesgruppe! Die DFB-Elf ist so erfolgreich wie noch nie in eine EM gestartet. News.de zieht nach der souveränen Qualifikation für das Viertelfinale Bilanz und fordert vorzeitig eine Trophäe für Jogi Löw: das Goldene Händchen.

1. Personalentscheidungen: Egal, welche Personalie der Bundestrainer derzeit anpackt - er trifft die richtige Entscheidung. Gäbe es für diese Kompetenz eine Trophäe, Joachim Löw erhielte mit Sicherheit das Goldene Händchen. Gegen Dänemark entschied sich Löw für den unerfahrenen Lars Bender als Ersatz für den gelbgesperrten Jerome Boateng und landete mit seiner Wahl einen Volltreffer. Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten in der Defensive bot Bender eine souveräne Leistung auf der ungewohnten Rechtsverteidigerposition und erzielte schließlich das erlösende Tor zum 2:1 (80., den kompletten Spielbericht lesen Sie hier). Löw könnte derzeit wahrscheinlich auch Ersatzkeeper Tim Wiese im Sturmzentrum aufbieten - der künftige Hoffenheimer würde mit Sicherheit zum Matchwinner avancieren.

Die coolste Nationalelf
Hip, hipper, Boateng

Auch dass Löw zu Turnierbeginn unerwartet Mats Hummels in der Innenverteidigung und Mario Gomez im Sturmzentrum das Vertrauen schenkte, stellte sich bislang als goldrichtig heraus. Gomez erzielte drei Tore, ist bislang entgegen anders lautender Meldungen noch nicht wund gelegen, widerlegte damit alle Kritiker und nahm ARD-Chefkritiker Mehmet Scholl die Glaubwürdigkeit. In jedem Spiel zeigt Gomez neue, ungeahnte Qualitäten: Gegen Dänemark bereitete der 1,89-Meter-Mix aus Brecher und Balletttänzer das 1:0 durch Lukas Podolski auf wundersame Weise per Hackentrick vor. Frei nach Thomas Mann darf man begeistert ausrufen: Mario, der Zauberer! Und Mats Hummels spielt in der Innenverteidigung ein so starkes Turnier, als trüge das DFB-Team schwarz-gelb. Von Löws richtigen Entscheidungen bei der Kadernominierung einmal ganz abgesehen. Man darf gespannt sein, welch sensationelle Entscheidungen der DFB-Chefcoach während des EM-Turniers noch aus dem Hut zaubert.

2. Stilwechsel: Zu Beginn dieses Jahres steckte die Nationalmannschaft in einer kleinen Krise. Bis zu dem Test gegen Israel, dem letzten vor EM-Start, hatten Deutschlands beste Kicker noch kein Spiel gewonnen. Von der Leichtigkeit und Kombinationssicherheit waren nur noch übersteigerte Anspruchshaltung und Krampf übrig geblieben. Aus dieser Tatsache heraus, angesichts der drohenden EM-Vorrunden-Todesgruppe und der Erfahrung aus den letzten titellosen Turnieren verpasste Löw dem Team ein neues, defensiveres Konzept. Zwar war dadurch bislang wenig vom Hurra-Stil zu sehen, der dem deutschen Team den Ruf als erster Titelanwärter neben Spanien eingebracht hatte. Dafür stand die Defensive ungeheuer sicher und geordnet. Selbst Lukas Podolski muss so viel mit nach hinten arbeiten, dass er kaum noch in der gegnerischen Hälfte gesichtet wird. Schafft es das Team die Stilmodifikation so umzusetzen, wie zwischen der 20. und 60. Minute im Spiel gegen die Niederlande, könnte das genau die richtige Titeltaktik sein, um auch Hochkaräter wie Spanien auszuhebeln.

3. Trainingsgestaltung: Die Voraussetzungen waren «högschd» ungünstig. Als die Bayern-Spieler geknickt vom verlorenen Champions-League-Finale im Trainingslager eintrafen, waren es bis zum Abflug nach Polen gerade sieben Tage - inklusive Testspiel und freiem Wochenende. Der Bundestrainer hat es dennoch wieder geschafft, die wichtigen Weichen zu stellen: die Abwehr einzuspielen, das defensive Mittelfeld mit Khedira und Schweinsteiger zu organisieren und das so wichtige Umschalten von Defensive auf Offensive und umgekehrt einzustudieren. Nur Mesut Özil wirkt bislang noch nicht richtig fit, was dem deutschen Offensivspiel anzumerken ist. Doch die Formkurve des gesamten Teams wird in der K.o.-Phase weiter ansteigen.

4. Sozialkompetenz und Führungsqualitäten: Löw vertraut seiner Mannschaft und seine Mannschaft vertraut ihm. Mit Ruhe, Souveränität und einer gewissen Lockerheit führt der 52-Jährige die deutsche Mannschaft optimal. Je hektischer alles um ihn herum wird, desto besser kann sich Löw auf sein Ziel fokussieren und das auch seiner Mannschaft übermitteln. Da bleibt sogar Zeit, Balljungen zu foppen. Es wäre interessant zu wissen, welche dieser Späße Löw hinter abgehängten Trainingszäunen auch mit seinen Spielern treibt. In jedem Fall ist Löws Rückhalt im Team so stark wie eh und je. Führungsspieler wie Schweinsteiger und Lahm haben beispielsweise Löws neuen Spielstil komplett verinnerlicht, denken und reden bereits genauso titelorientiert defensiv wie der Bundestrainer. Wie Experten berichten, sei es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch Löws Frisur tragen würden.

Steigerungspotenzial: Das beste an der aktuellen Situation ist, dass die Mannschaft trotz all dieser positiven Faktoren noch enormes Steigerungspotenzial besitzt - eine ideale Ausgangsposition für die K.o.-Phase. Hätte das DFB-Team alle drei Vorrundenspiele 3:0 gewonnen, wäre sich das Team seiner Sache womöglich zu sicher gewesen. So hat jeder erkannt, dass für den Titeltraum eine Steigerung im Spiel nach vorn notwendig ist - genau wie 2010 im Achtel- und Viertelfinale gegen England und Argentinien - und diesmal hoffentlich auch noch einen Schritt weiter. Doch dafür muss das deutsche Team zunächst den griechischen Granit durchbrechen, Jogi Löw ist vor dem Viertelfinale am Freitag in Danzig gewohnt lässig: «Ich hatte mir überlegt, dass ich noch nie ein Spiel gegen Griechenland absolviert habe, dass es mal Zeit wird», sagte der Badener. «Für uns ist es eine gute Herausforderung, das zu lösen.»

jag/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Knoppka
  • Kommentar 5
  • 18.06.2012 16:04

Defensivkonzept?? Angriff ist das Zauberwort, das Runde muss in das Eckige und das geht nur wenn man aufs selbige schießt! Laß die Spanier schön spielen, weil, die können nebenbei auch noch Tore schießen. Passt mal auf, die harten Sachen kommen noch und dann gilt nur eins, gewinnen WOLLEN.

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  • Knoppka
  • Kommentar 4
  • 18.06.2012 14:26

Anzumerken wäre, der Frank Elstner ist schon zu lange beim Fernsehen. In der Öffentlichkeit wird der niemand kritisieren, und der Mehmet Scholl jetzt auch nicht mehr. Der hat mit Sicherheit richtig einen aufs Maul bekommen und redet jetzt nur noch schön.

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  • Knoppka
  • Kommentar 3
  • 18.06.2012 14:20
Antwort auf Kommentar 1

So sehe ich das auch. Ich guck mir dieses Geschleime von Waldis Gästen nicht mehr an. Wenn die Deutschen so weiterspielen, dann gute Nacht Marie!!! Man sieht nicht das sie unbedingt gewinnen wollen. Fußball ist ein Laufspiel und wenn der Gegner unterlegen ist und fast nur verteidigt, muß man aus 20-25 Metern schiessen

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