Fußball Kein Kuhhandel zwischen Spanien und Kroatien

Kein Kuhhandel zwischen Spanien und Kroatien (Foto)
Kein Kuhhandel zwischen Spanien und Kroatien Bild: dpa

Gniewino - Ein abgekartetes 2:2 - und beide stünden im Viertelfinale. Aber ein Kuhhandel mit Kroatien ist für Spanien völlig abwegig. «Wer denkt sich so was aus?», fragte Xavi vor dem übers EM-Weiterkommen entscheidenden Finale in der Gruppe C konsterniert.

«Das ist kompletter Schwachsinn.»

Verteidiger Raúl Albiol bezeichnete die von italienischen Medien lancierten Absprache-Möglichkeiten als «Dummheit» und «lächerlich». Kroaten-Coach Slaven Bilic bezeichnete eine mögliche Schiebung bei der Abschlusspressekonferenz in Danzig ebenfalls als ausgeschlossen. «Der Teil des Gehirns, der solche Sachen beinhaltet, existiert bei uns nicht», sagte der 43-Jährige «Ich verspreche den Italienern: "Leute, fürchtet euch nicht davor."»

«Wir sind Sportler. Kroatien und wir wollen gewinnen», hatte Vicente del Bosque bereits unmittelbar nach dem Aufkommen der Spekulationen versichert, es gebe keinen Pakt gegen die Italiener. Der äußerst honorige Trainer des Fußball-Europameisters betonte befremdet und verärgert: «Die Frage nach einem 2:2 stellt sich für uns überhaupt nicht. Wir wollen gewinnen und sonst nichts.»

Im Fall eines 2:2 oder noch höheren Remis zwischen Spanien und Kroatien kämen sofort Erinnerungen an die EM 2004 oder die «Schande von Gijón» auf. Vor acht Jahren hatten sich Dänemark und Schweden schiedlich-friedlich 2:2 getrennt - und Italien musste heimreisen. Bei der WM 1982 in Spanien verständigten sich Deutschland und Österreich auf ein schmutziges 1:0 - und die Algerier waren draußen.

Sollten sich Spanien und Kroatien am Montag (20.45 Uhr/ZDF) in der Arena Danzig 2:2 trennen, würde Italien in der Parallel-Partie gegen die bereits ausgeschiedenen Iren auch ein Kantersieg nichts nützen. Laut Reglement zählt bei Punktgleichheit mehrerer Teams erst der direkte Vergleich. Da Italien jeweils 1:1 gegen die «Selección» und die «Vatreni» gespielt hatte, würden sie weniger Tore als die beiden Kontrahenten aufweisen.

Für die stets offensiv ausgerichteten Spanier sind solche Spielchen indes undenkbar. «Wir können nur angreifen. Auf ein Remis spielen ist nicht unser Ding», sagte Xavi. «Wir wollen immer gewinnen - und daran ändert sich auch gegen Kroatien nichts.» Wie siegessicher und selbstbewusst Spanien dieses Spiel angeht, zeigt ihr teaminterner EM-Tipp: Schon vor Turnierbeginn sagten alle Akteure die Ergebnisse aller Partien vorher.

Stürmer Alvaro Negredo legte sich für das Montags-Match auf ein 2:0 fest. Raúl Albiol konnte sich nicht mehr genau erinnern. «Ich glaube 1:0», sagte der Innenverteidiger. In Anspielung auf die Kuhhandel-Vorwürfe fügte er spöttisch hinzu: «Aber nicht 2:2.»

Del Bosque erklärte, Kroatien verfüge über viel Qualität. «Wenn wir nicht wachsam sind, können wir in Gefahr geraten.» Am schlimmsten wäre es zu glauben, das werde einfach. «Wir werden unseren Spielern klarmachen, dass es ein schwierige Aufgabe wird», sagte er.

Wenigstens ist die nervige Mittelstürmer-Debatte vom Tisch. Nach Fernando Torres' Doppelpack beim glanzvollen 4:0 gegen Irland hat die klassische Nummer 9 ihren Stammplatz sicher. Auch sonst dürfte del Bosque erneut auf die bestens bewährten Kräfte bauen.

Die Kroaten ignorierten die Absprache-Vorwürfe bis zu Bilics aktueller Aussage schlichtweg und konzentrierten sich aufs Sportliche. Ihnen winkt die dritte Viertelfinal-Teilnahme bei einer EM. Der Trainer tönte: «Niemand ist fokussierter als wir. Psychisch sind wir sehr stark, aber wir haben auch viel Kraft.» Für den Ex-Profi des Karlsruher SC wäre das Weiterkommen auch persönlich ein großer Erfolg: Seine Amtszeit endet nach dem Turnier und er wechselt zu Lokomotive Moskau.

Mit mehr als einem Auge blicken die «Feurigen» nach Posen. Bilic setzt große Hoffnung in die «stolze Nation» Irland: «Sie werden alles tun, um nicht ohne einen Punkt nach Hause zu fahren. Ich würde nicht mit den Italienern tauschen wollen, die unbedingt siegen müssen.» Regisseur Luka Modric ist derweil überzeugt, dass Kroatien keine Schützenhilfe benötigt: «Ich bin ziemlich sicher, dass wir ins Viertelfinale kommen. Wir sind das bestvorbereitete Team dieser EM.»

Vieles spricht dafür, dass Bilic zum dritten Mal hintereinander derselben Startelf mit fünf Bundesligaprofis vertraut. Nikica Jelavics Einsatz ist wegen einer Grippe noch fraglich. Im Fokus steht erneut Mario Mandzukic, der nach einer enttäuschenden Saison in Wolfsburg hier wie noch nie aufblüht. Inzwischen wird der von Felix Magath wenig geliebte Stürmer sogar beim FC Barcelona gehandelt.

news.de/dpa

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