Turnen Hauch von Olympia: Dreikampf um Turn-Krone

Hauch von Olympia: Dreikampf um Turn-Krone (Foto)
Hauch von Olympia: Dreikampf um Turn-Krone Bild: dpa

Düsseldorf - 41 Tage vor dem Auftakt in London liegt ein Hauch von Olympia über dem Dreikampf um die deutsche Turn-Krone: Fabian Hambüchen brennt in Düsseldorf auf das Comeback, Philipp Boy klagt über «Höllen-Schmerzen» - und Marcel Nguyen gilt als Geheimfavorit. «Wenn man sieht, wie die Konkurrenz fightet, bekommt man nach so einer langen Phase des Trainings wieder große Lust.

Ich bin heiß auf den Wettkampf», sagte Hambüchen vor dem ersten Kräftemessen mit Boy und Nguyen seit Oktober 2011.

Ganz fokussiert auf Olympia hat der Ex-Weltmeister aus Wetzlar nur einen Test in Frankreich bestritten, auch um seine nach einer Operation angegriffene Achillessehne nicht über Gebühr zu strapazieren. Am «Zitter-Pferd» hat er sich inzwischen stabilisiert, am Barren seine Schwierigkeit um drei Zehntel auf 6,5 gesteigert. Mit seiner superschweren Übung am Reck (7,7) gilt er sogar als Medaillenkandidat in London.

Hingegen muss der WM-Zweite Philipp Boy derzeit ständig Schmerztabletten schlucken, um die Qualen im seit Monaten entzündeten Handgelenk wegzustecken. «Ich werde die Zähne zusammenbeißen. Ich muss nüchterner rangehen und darf nicht zu viel von mir erwarten», erklärte der Lausitzer. «Fehlendes Training ist mit Routine nicht wettzumachen», konstatierte Cheftrainer Andreas Hirsch.

Völlig unbeschwert und mit dem Rückenwind des EM-Titels am Barren geht Marcel Nguyen in die erste Olympia-Qualifikation. «Wir wollen nicht drumherum reden: Es geht für ihn um den Titel», äußerte sein Trainer Waleri Belenki unverblümt den Anspruch, zum zweiten Mal nach 2010 die Träume von Boy und Hambüchen zu durchkreuzen. «Alle drei sollen einen Strauß ausfechten. Wichtig sind für mich die Leistungen, die geboten werden», sagte Hirsch. «Jeweils 90 Punkte wären natürlich ein maximales Ergebnis. Dann hätte auch das Team ein sicheres Fundament für London.»

Während Hambüchen seit Wochen jeden Tag den Physiotherapeuten aufsucht, um die Muskulatur des operierten Fußes zu stärken, hat Boy kaum Hoffnung, dass sich die chronische Entzündung bis London bessert. Seinen Olympiastart soll dies aber nicht gefährden. «Ich will dafür sorgen, dass kein Fragezeichen hinter meinem Namen steht», sagte Boy. «Ich werde das Training durchziehen, auch wenn es wehtut.»

Für Hirsch sind die drei für das Olympia-Team gesetzt, wenn es in Düsseldorf und zwei Wochen später in Frankfurt/Main nicht gravierende Einbrüche gibt. Doch für die Asse kommt es darauf an, in London nicht nur an einzelnen Geräten, sondern auch im Mehrkampf dabei zu sein. «Es kann gut sein, dass wir alle drei in London für den Sechskampf infrage kommen. Ich will auf jeden Fall dabei sein», sagte Hambüchen. Insgesamt gehören fünf Turner zum Olympia-Aufgebot, im Falle von drei Mehrkämpfern blieben für die restlichen zwei Kandidaten wie Ex-Europameister Matthias Fahrig maximal drei oder vier Geräte übrig.

Bei den Frauen wird gleichfalls ein Dreikampf um den Titel und die Olympia-Tickets erwartet. Elisabeth Seitz (Mannheim), Nadine Jarosch (Detmold) und Kim Bui (Stuttgart) gelten aus aussichtsreichste Bewerberinnen auf einen Platz im Team, den bisher nur Vize-Europameisterin Oksana Chusovitina (Herkenrath) aufgrund ihrer olympischen Medaillenchancen am Sprung sicher hat.

news.de/dpa

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