Fußball Ukraine liegt Matchwinner Schewtschenko zu Füßen

Kiew - Oleg Blochin drückte Matchwinner Andrej Schewtschenko fest an sich und wollte ihn gar nicht mehr loslassen. Während ringsum im Olympiastadion von Kiew alles in einem gelb-blauen Freudentaumel versank, lagen sich bei beiden ukrainischen Fußball-Ikonen eine Minute lang still in den Armen.

Ukraine liegt Matchwinner Schewtschenko zu Füßen (Foto)
Ukraine liegt Matchwinner Schewtschenko zu Füßen Bild: dpa

Der 59-jährige Trainer wusste, bei wem er sich für die gelungene EM-Premiere seines Landes zu bedanken hatte. «Ich habe geträumt, dass Andrej heute zwei Tore schießt», sagte Blochin nach dem 2:1 (0:0)-Auftaktsieg gegen Schweden, für den der 35 Jahre alte Schewtschenko mit einem Kopfball-Doppelpack im Alleingang gesorgt hatte. Für die Ukraine sei nach dem EM-Auftaktsieg «alles möglich».

Die Fans huldigten dem König von Kiew bei seiner Auswechslung zehn Minuten vor Schluss mit Standing Ovations und begeisterten «Schewa, Schewa»-Rufen. Dabei hatte es vor Wochen noch ernsthafte Zweifel gegeben, ob der durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfene Stürmerstar überhaupt den Sprung ins EM-Aufgebot seines Landes schaffen würde. Der Oldie sei nur das «dritte Maskottchen neben Slavek and Slavko», hatten Kritiker hämisch angemerkt. Doch dann schlug der Rekordtorschütze der Ukraine (48 Treffer) innerhalb von sechs Minuten (55./61.) eiskalt zu.

«Das ist ein großartiger Sieg. Ich fühle mich fantastisch. Ich fühle mich wie 20», bekannte Schewtschenko, für den mit einem Schlag alle Schmerzen vergessen waren. An die Adresse der Nörgler gewandt fügte er hinzu: «Ich werde mich erst an den Kritikern gerächt haben, wenn wir weitergekommen sind.» Mit drei Punkten haben sich die Ukrainer jedenfalls einen kleinen Vorteil gegenüber den Konkurrenten Frankreich und England verschafft. Dennoch sei noch nichts erreicht. «Es ist ein historischer Sieg, aber wir haben noch zwei extrem schwere Spiele vor uns. Es ist jetzt nicht die Zeit für Euphorie», mahnte der zweifache Torschütze.

Mit 35 Jahren und 256 Tagen ist Schewtschenko nun zweitältester Torschütze der EM-Geschichte nach dem Österreicher Ivica Vastic, der beim Heimturnier 2008 noch drei Jahre älter war, als er gegen Polen traf. Fast eine Stunde lang hatte sich aber auch «Schewa» immer wieder in der Deckung der Schweden festgelaufen. Ex-Bundesligaprofi Andrej Woronin und der Wahl-Münchner Anatoli Timoschtschuk fanden vor 64 290 Zuschauern ebenfalls lange Zeit keine Mittel. Doch nach dem Führungstor der Schweden durch Zlatan Ibrahimovic (52.) schlug Europas Fußballer des Jahres 2004 zu.

«Schewtschenko machte den Unterschied», räumte Schwedens Trainer Erik Hamren ein. «Wir waren auf ihn vorbereitet, haben ihm aber im Strafraum zu viel Platz gelassen.» Ungewöhnlich hart ging der Coach mit seinem eigenen Team ins Gericht. «Wir wollten uns als Mannschaft präsentieren, aber nur fünf bis sechs Spieler haben ihre Leistung gebracht.» Seine Elf habe eigentlich nur reagiert. «Ich denke aber, dass ein Unentschieden gerecht gewesen wäre. Deshalb bin ich enttäuscht.»

Für Bayern-Profi Timoschtschuk war der Erfolg über die Skandinavier auch Produkt der Einheit im Team: «Wir wollten diese drei Punkte unbedingt. Wir haben gewonnen, weil wir eine Familie sind. Da standen nicht nur elf Spieler auf dem Platz. Unsere Bank, die Verbandsmitarbeiter und das ganze Stadium waren bei uns.» Nach dem Sieg im Olympiastadion war das ganze Land wie erlöst. Zigtausende feierten zwischen Lwiw und Donezk ihre Mannschaft mit Autokorsos und Freudentänzen. «Sieg!», schrieb die Zeitung «Komsomolskaja Prawda» am Dienstag. «Wir haben Charakter gezeigt und dürfen weiter träumen.»

news.de/dpa

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