Gomez und Hummels Wirbel um Löws neue Helden

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Ullrich KroemerVon den news.de-Redakteuren und Philip Seiler
Ausgerechnet die zwei Wackelkandidaten sind derzeit die Hauptfiguren im DFB-Team: Mats Hummels spielte sich mit einer bärenstarken Leistung gegen Portugal ins Team, Mario Gomez avancierte mit seinem Tor zum Matchwinner. Um seine Person gibt es dennoch mächtig Wirbel.

Per Mertesacker und Miroslav Klose nahmen es sportlich. In den Katakomen des Stadions von Lwiw (Lemberg) wurden beide von den Reportern umlagert, obwohl sie gar nicht beziehungsweise nur kurz gespielt hatten. Beide altgedienten Kräfte im DFB-Team waren beim deutschen Auftaktspiel der Fußball-EM 2012 im Kader erwartet worden. Und beide hatten wohl auch selbst fest mit einem Einsatz gerechnet. Der Bundestrainer entschied sich bekanntlich anders - und landete mit Mats Hummels und Mario Gomez zwei Volltreffer.

Löw ließ die beiden kampferprobten Routiniers nicht etwa wegen Verletzungen draußen, sondern, weil er Hummels und Gomez derzeit vor ihnen sieht. «Ich habe in den vergangenen Monaten richtig viel trainiert und mich gut gefühlt», sagte Mertesacker kleinlaut. «Aber das ist das Leben eines Sportlers, es war klar, dass es harte Entscheidungen geben wird.» Klose bestätigte, dass er sich ebenfalls gut gefühlt habe und fit sei. «Der Trainer hat das so entschieden und das muss man akzeptieren», sagte das Geburtstagskind.

Hummels ignoriert Journalisten nach der Partie

Nun stehen die bisherigen Wackelkandidaten Hummels und Gomez im Rampenlicht. Der Dortmunder avancierte mit seiner hochkonzentrierten, taktisch glänzenden und energiegeladenen Weltklasseleistung zum besten Deutschen der Partie. Trotz großer Nervosität fand der gebürtige Bergisch Gladbacher erstmals im DFB-Dress überhaupt richtig ins Spiel - und das in dieser überaus wichtigen Partie.

Direkt nach dem Match wollte Hummels nichts sagen und lief einfach an den wartenden Journalisten vorbei. Es war die Antwort auf die Kritik (unter anderem im Spiegel), die er trotz einer überragenden Saison beim Deutschen Meister Borussia Dortmund hinnehmen musste. Tags darauf saß der 23-Jährige voller Genugtuung bei der Pressekonferenz, blieb aber dennoch bescheiden und stellte keine Ansprüche auf einen Stammplatz für den weiteren Turnierverlauf. Stattdessen dozierte der kluge Innenverteidiger über die Balance zwischen Defensive und Offensive. Man spürt, dass sich da einer nach recht langer Anlaufzeit endgültig in die Mannschaft gespielt hat.

Deutschland vs. Portugal
Neuer und Hummels bärenstark, Poldi schwach
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Scholl löst Debatte um Gomez aus

Als zweiter Gewinner des EM-Auftakts darf sich Mario Gomez fühlen, der dem DFB-Team und den etwa 11.000 mitgereisten Fans den einzigen Treffer des Spiels bescherte (72.). Wochenlang hatten die Zeitungen geschrieben, nicht er, sondern Miroslav Klose werde den Vorzug erhalten. Trotz des Siegtores gibt es um seine Person derzeit mächtig Wirbel, vor allem wegen Mehmet Scholls Aussagen am Samstagabend im TV.

Der ARD-Experte giftete nach dem Abpfiff des Deutschland-Spiels gegen den Stürmer. «Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss», sagte Scholl am Samstagabend in der ARD und forderte vom Bayern-Angreifer mehr Laufarbeit. Dank seines Tores muss sich der Halbspanier Gomez davon aber nicht weiter berühren lassen. Die besseren Argumente hat er auf seiner Seite und konterte die Attacke von Scholl bereits auf der DFB-Pressekonferenz am Montag.

Klaus Fischer: «Wer trifft, hat Recht»

Dennoch löste der Ex-Nationalspieler Scholl, ab kommender Saison wieder Trainer der Bayern-Amateure, mit seiner Kritik eine richtige Debatte um Mario Gomez aus. Die Mehrzahl der Experten hat der 26-jährige Nationalstürmer allerdings auf seiner Seite. «Ich finde die Kritik an Gomez nicht berechtigt. Er ist ein klassischer Strafraumstürmer, also wieso sollte er auf die Flügel ausweichen?», nahm Rekordnationalspieler Lothar Matthäus Gomez im TV-Sender Sport1 in Schutz. «Wer trifft, hat Recht», sagte auch Stürmerlegende Klaus Fischer.

Allerdings glauben viele Experten, dass ein mitspielender Stürmer wie Miroslav Klose besser in das Konzept der Nationalmannschaft passe. «Ein variableres Spiel ist mit Miro möglich. Normalerweise ist er der bessere Stürmer für die Mannschaft», sagte beispielsweise Ex-Nationalkeeper Oliver Kahn.

Hummels und Gomez gegen Holland wohl gesetzt

Trotz aller Diskussionen um Gomez: Für das kommende Spiel gegen die Niederlande (Mittwoch/20.45 Uhr/ZDF) dürfte die Mannschaft nun erst einmal in dieser Form gesetzt sein. Das akzeptierten sogar die Konkurrenten. «So wie die Mannschaft heute gespielt hat, hat sie gute Argumente gesammelt, im nächsten Spiel wieder so aufzulaufen», sagte Mertesacker.

Und Hummels sagte selbstbewusst: «Es wird eine große Aufgabe, Huntelaar und van Persie zu bewachen. Beide gehören zu den besten acht Stürmern der Welt.» Kein Zweifel, dass Hummels diese Aufgabe angehen wird. Schließlich sind nach dem Taktikwechsel von Jogi Löw plötzlich die Abwehrspieler die neuen Helden des Teams.

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iwi/news.de

Leserkommentare (13) Jetzt Artikel kommentieren
  • ATA
  • Kommentar 13
  • 12.06.2012 16:37
Antwort auf Kommentar 12

Völlig richtig: Gomez von Anfang an, Reuss oder Klose einwechseln. Mannschaftliche Kontinuität, kein unnötiges Herumexperimentieren! Eingewechselt wird noch genug wg. gelben Karten oder Verletzungen. Aber gegen Holland muss MUTIG gespielt werden, aus einer Ruhe und einer konsequenten Abwehr heraus. Die MÜSSEN kommen, wir KÖNNEN kommen.

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  • Allerhand
  • Kommentar 12
  • 12.06.2012 16:28

Lieber Löw, bitte lass ungeachtet der überall ausgelösten Diskussionen ausnahmsweise mal alles beim Alten. 2 Gründe: 1-Gomez taugt als Einwechselspieler überhaupt nichts, weil er in Kurzeinsätzen überhaupt nicht ins Spiel kommt. Also Gomez und Klose oder Reuss dann einwechseln! 2- Diese Mannschaft braucht nach der chaotischen Vorbereitungsphase Kontinuität. Das ist das allerwichtigste im Moment. Sie müssen sich finden und werden dann auch besser spielen, allesamt.

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  • Reifan
  • Kommentar 11
  • 12.06.2012 14:13

Es ist seit Genationen von selbsternannten Heimtrainern während ei-nes großen internationallen Fussballtunier so, das discotiert wird wel-ches die richtige Stammelf der Nationalmannschaft sein sollte. Die gegenwertige Elf hat ihr Auftaktspiel gewonnen. Ist das nicht die Hauptsache? Zudem wird sie sich sicherlich steigern können, so ist es immer gewesen.

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