Basketball Bambergs unsichere Zukunft: Bleibt Machtwinner Pleiß?

Bamberg - Am Morgen nach der Meisterfeier dröhnt der Kopf für gewöhnlich ein bisschen. Bambergs Basketballer werden das Gefühl aus den vergangenen Jahren kennen - und wissen, dass es normalerweise bald vorbeigeht.

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Bambergs unsichere Zukunft: Bleibt Machtwinner Pleiß? Bild: dpa

Allerdings könnte die jüngste Party nach dem historischen dritten Double-Gewinn vom Sonntag nicht nur wegen der vielen Bierduschen mit einem schweren Kater für die Franken enden. Denn dem Champion drohen die deutschen Topspieler auszugehen. Und das ausgerechnet vor der kommenden Saison, wenn nur noch sechs statt sieben Ausländer im Kader stehen dürfen, um den heimischen Korbjägern mehr Spielzeit zu verschaffen. Nationalmannschaftscenter Tibor Pleiß steht vor dem Absprung in die nordamerikanische NBA und der Vertrag seines neuen Auswahlkollegen Karsten Tadda läuft aus. Außerdem ist die Zukunft des US-Amerikaners P.J. Tucker, dem wertvollsten Spieler der mit 3:0 Spielen gewonnenen Finalserie gegen Ulm, ungeklärt.

«Es wird einen Umbruch zur neuen Saison geben», bestätigte Bambergs Manager Wolfgang Heyder am Montag der Nachrichtenagentur dpa. «Wir werden mehr neue Spieler haben.» Besonders ein Abgang von Pleiß würde doppelt schmerzen: Ohne den laut Heyder «NBA-reifen» Center ginge den Franken nicht nur eine ganze Menge Qualität unter dem Korb verloren - sondern außerdem ein sicherer deutscher Stammspieler, der die verschärfte Ausländerquote nicht strapaziert.

Solche Qualitätsverluste mit heimischen Spielern zu kompensieren, scheint beinahe aussichtslos. Zumal Bambergs Konkurrenten Alba Berlin und der FC Bayern München bereits einen guten Teil der deutschen Nationalspieler unter Vertrag haben. Und auf unerkannte Talente aus dem Ausland können die Brose Baskets wegen der strengeren Quote immer weniger setzen - dabei war die Scouting-Abteilung gerade hier bislang besonders erfolgreich.

Umso wichtiger wird es, Spieler wie Tadda mit auslaufendem Vertrag zu binden. Vier bis fünf offene Fälle sieht Heyder - und große Konkurrenz: «Wir dürfen uns da keine Fehler leisten. Aber wenn Bayern München mit den großen Geldscheinen winkt, haben wir keine Chance.»

Und neben der aufstrebenden Macht von der Isar greift nun auch die NBA nach den Stars der Bamberger. Dass Pleiß, an dem der NBA-Finalist Oklahoma City Thunder seit 2010 die Transferrechte hält und ihn seitdem in der deutschen Heimat parkte, nun den Verein verlässt, ist laut Heyder so gut wie sicher. Der spektakuläre Alley-Oop-Korb zum vorentscheidenden 96:92 neun Sekunden vor dem Ende des Finals gegen Ulm könnte der letzte Punkt des 2,15-Meter-Riesen für Bamberg gewesen sein.

Und so sieht sich der Meister auch nach dem erstmals gelungenen dreifachen Double-Triumph keineswegs als Alleinherrscher im deutschen Basketball. «Wir sind nicht meilenweit entfernt von den anderen. Es kommt sicher keine Langeweile auf», sagte Heyder. «Das ist ja alles kein Selbstläufer, keine Routine. Wir müssen uns das immer wieder ganz, ganz hart erarbeiten.» In der neuen Saison vermutlich sogar noch härter als in den Jahren zuvor.

news.de/dpa

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