Tennis Diva Scharapowa mal ganz rührend

Paris - Maria Scharapowa gab früher gern die zickig-coole Tennis-Diva. Nach ihrem French-Open-Sieg rührte sie die Fans, als sie auf die Knie sank, weinte und dann wie ein Mädchen mit wedelnden Armen im Kreis tanzte.

Diva Scharapowa mal ganz rührend (Foto)
Diva Scharapowa mal ganz rührend Bild: dpa

«Es ist surreal. Das war der einzigartigste Moment meiner Karriere», schilderte die neue Weltranglisten-Erste im proppenvollen Pressekonferenztraum von Roland Garros. «Als ich mit 17 Wimbledon gewann, dachte ich, dass das der wertvollste Moment meiner Karriere ist. Aber als ich auf die Knie fiel, wurde mit klar, wie extrem besonders dies war.»

Ob man die amerikanisierte Russin nun liebt oder hasst - zu ihrem steinigen Comeback nach der Schulter-Operation kann man nur sagen: Chapeau! Auch dazu, dass sie erst als zehnte Spielerin der Geschichte den Karriere-Grand-Slam gewann, also alle Major-Titel - nach Wimbledon 2004, den US Open 2006 und den Australian Open 2008.

«Das zehnte Weltwunder», titelte die Sportzeitung «L'Equipe» gar etwas übertrieben. Die dreimalige Paris-Siegerin Monica Seles im grauen Kostüm übergab Scharapowa nach dem 6:3, 6:2-Sieg im Eiltempo gegen die italienische Überraschungsfinalistin Sara Errani den silbernen Coupe Suzanne Lenglen und lobte: «Ich habe große Bewunderung für Maria. Sie ist ein wahrer Champion.»

Sogar das kritische französische Publikum, das Scharapowas Mätzchen sonst mit Pfiffen quittiert, war hin und weg. Spätestens als sie ihre Ansprache in holprigem Französisch begann und ein gehauchtes «Merci beaucoup» für diesen «moment magnifique» zustande bekam. Dank eines Spickzettels in der Tennistasche.

Französisch lernen war so eine fixe Idee der 25-Jährigen, sofort als sie 2008 von der schweren Schulterverletzung wusste. «Das erste, was ich gemacht habe, war, mir eine Französisch-Schule in der Nähe meines Hause zu suchen. Jeder dachte, ich sei komplett verrückt.»

Für ihre Französisch-Brocken schämte sie sich nun belustigt, wurde aber beim Gedanken an neun Monate Reha und das zähe Comeback ernst. «Ich hätte sagen können: Nein, ich brauch' das nicht. Ich habe Geld, bin berühmt, habe Siege und Grand-Slam-Titel. Aber wenn deine Liebe für etwas größer ist als all dies, stehst du weiter jeden morgen auf, wenn es draußen bitterkalt ist, wenn nichts klappt, wenn keiner draußen mehr an dich glaubt und du dir so mickrig vorkommst.»

«Für sie ist dies wie eine Wiederauferstehung», sagt ihr Trainer Thomas Hogstedt. Dank des erfahrenden Schweden fühlt sich «Mascha», wie sie ihre Fans nennen, auf Sand nicht mehr wie eine «Kuh auf Eis».

Erstmals seit 2008 ist Scharapowa nun wieder die Nummer eins der Tenniswelt. Die WTA-Tour braucht so eine Glamour-Frontfrau dringend. WTA-Chefin Stacey Allaster flötete der bestverdienenden Sportlerin der Welt aufgekratzt zu: «Maria, du bist die ultimative Botschafterin des Damentennis!»

Martina Navratilova meinte über die «göttliche Diva» («L'Equipe»), die in einem extra für Paris maßgeschneiderten Blazer auf den Court schritt und deren Süßigkeitsmarke «Sugapova» zu den US Open auf den Markt kommt: «Maria ist ein Superstar. Und es ist immer gut, wenn es ein Superstar ist, der an der Spitze steht.»

Facebook-Seite von Scharapowa

news.de/dpa

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