Fußball «Es wird ein großes Turnier» - EM der Zweifel beginnt

«Es wird ein großes Turnier» - EM der Zweifel beginnt (Foto)
«Es wird ein großes Turnier» - EM der Zweifel beginnt Bild: dpa

Warschau - UEFA-Präsident Michel Platini betreibt seit Tagen nur noch Werbung in eigener Sache. Kurz vor der EM-Eröffnungsfeier zu Chopin-Klängen im neuen Nationalstadion von Warschau überschlägt sich der Chef der Europäischen Fußball-Union fast vor Komplimenten.Mal erwartet der ehemalige französische Weltklasse-Profi «eine wunderbare EURO», mal einen «Meilenstein» in der Geschichte des europäischen Fußballs.

«Es wird ein großes Turnier werden», sagte Platini nun am Mittwoch in einem «Welt online»-Interview.

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Zweifel an der ersten Europameisterschaft im ehemaligen Ostblock so groß, dass sogar ein EM-Entzug ernsthaft erwogen wurde. «Ja, es gab Probleme, es gibt Probleme», sagte Platini zwei Tage vor dem ersten Turnierspiel zwischen Co-Gastgeber Polen und Griechenland.

Immer und immer wieder beteuerte der Europameister von 1984, all die Schwierigkeiten mit Infrastruktur, politischen Verhältnissen und überteuerten Hotelpreisen ernst zu nehmen. Schließlich steht auch Platini in der Verantwortung. Seit 2007 ist der eloquente und uneitle frühere Torjäger Präsident der UEFA. Das Turnier 2008 in Österreich und der Schweiz hat er quasi von seinem schwedischen Vorgänger Lennart Johansson geerbt. Die EURO 2012 ist auch Platinis EM.

«Es ist meine zweite EM als Präsident, aber eigentlich die erste so richtig», sagte der 56-Jährige am Dienstag bei der offiziellen Eröffnung des Internationalen Sendezentrums IBC auf dem Expo-Gelände der polnischen Hauptstadt. Platini selber stimmte damals nicht für Polen und die Ukraine, wie er mittlerweile offen einräumt. In der Vergangenheit äußerte er auch mehr als einmal seinen Missmut über den Stand der Vorbereitungen in den beiden Gastgeberländern. Einen «Fehler» nannte er die EM-Vergabe an Polen und die Ukraine sogar.

«Es war von Anfang an eine Herausforderung, dort ein so großes Turnier durchzuführen - für uns und für die Länder. Es war nicht einfach. Wir wissen, dass wir dort nicht Verhältnisse wie in Deutschland, Frankreich oder England haben», formulierte er es jetzt.

Die Zweifel sollen spätestens mit dem ersten Turnierpfiff des Spaniers Carlos Velasco Carballo der Vergangenheit angehören. «Die Stadien in Polen und der Ukraine sind wunderbar. Die Atmosphäre wird toll sein», sagte Platini «Welt online». Die UEFA jedenfalls hat ihren Beitrag geleistet. Auf den neuen Europameister wartet ein Rekord-Preisgeld, insgesamt schüttet der Dachverband eine Prämie von 196 Millionen Euro an die 16 Teams aus, zwölf Millionen Euro mehr als 2008 und 73 Millionen mehr als 2004 in Portugal. Der Europameister 2012 kann auf eine Summe von bis zu 23,5 Millionen Euro kommen.

Auch ansonsten strebt die UEFA mal wieder ein Turnier der Superlative an. 1,4 Millionen Fans werden nach offiziellen Angaben in den Stadien erwartet, mit 150 Millionen Live-Zuschauern auf der ganzen Welt rechnet der Verband. In mehr als 200 Ländern werden die 31 Partien in den acht EM-Orten Warschau, Danzig, Breslau, Posen (Polen) und Kiew, Donezk, Charkow, Lwiw (Ukraine) übertragen. Nur ein Zweifel bleibt in jedem Fall bis zum Abend des 1. Juli im Olympiastadion von Kiew. Wie der neue Europameister heißen wird? Da weiß auch Platini keine Antwort: «Die EURO ist ein sehr, sehr schweres Turnier», sagte der Franzose. Nicht nur unter sportlichen Aspekten.

news.de/dpa

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