Fußball Löws Titeljäger spüren Erfolgsdruck - Anspannung groß

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Löws Titeljäger spüren Erfolgsdruck - Anspannung groß Bild: dpa

Danzig - Die Anspannung steigt - und die jungen Titeljäger von Joachim Löw spüren vor dem ersehnten EM-Startschuss mehr und mehr den Erwartungsdruck einer ganzen Nation.Nach der ersten Nacht im Danziger Teamhotel und den ersten Übungseinheiten auf polnischem Boden berichtete Teammanager Oliver Bierhoff am Dienstag von «aufkommender Nervosität» im Trainerstab und im Spielerkreis: «Träumen tun wir alle! Aber dafür müssen wir noch einiges tun.»Beim Ernstfall gegen Portugal am Samstag in der Arena in Lwiw müssen Mesut Özil & Co.

den eigenen Ansprüchen bei der Fußball-Europameisterschaft gleich gerecht werden. «Die Anspannung ist vielleicht noch nie so groß gewesen, weil ich weiß, die Hoffnung und die Erwartungen bei uns allen, im DFB, bei den Fans und in der Mannschaft sind groß», erklärte Bierhoff zum Titelziel.

«Aufgrund der erfolgreichen Qualifikation und der hohen Qualität der Spieler wissen wir, was möglich ist. Wir haben es gezeigt gegen Holland oder Brasilien oder in der Qualifikation», erläuterte Bierhoff. Aber der EM-Held von 1996 warnte nach einer holprigen Vorbereitung und den Testspielpleiten gegen Frankreich (1:2) und die Schweiz (3:5) auch vor der Gefahr des Scheiterns: «Die Fallhöhe ist auch groß.»

Miroslav Klose, der am Spieltag gegen Portugal 34 Jahre alt wird, geht mit einem «guten Gefühl» in sein sechstes Turnier. «Wir haben eine Supermannschaft, Superspieler», erklärte der Torjäger. Aber entscheidend werde sein, «dass wir das, was wir können, ins Spiel bringen». Daran arbeitet Löw im Endspurt intensiv. «Diese Woche müssen noch Reize gesetzt werden», erklärte der Bundestrainer, der am Dienstag zwei weitgehend geheime Trainingseinheiten auf dem neu angelegten Fußballplatz am Hotelgelände angesetzt hatte.

Die Schwerpunkte beim Feinschliff lägen nun nicht mehr in der «sehr starken physischen Arbeit», sondern auf den «Spielabläufen», verriet Bierhoff. «Wir sind sehr gut vorbereitet», betonte Klose. Auch Bastian Schweinsteiger ist nach seiner Wadenblessur endlich voll ins Training mit der Mannschaft eingestiegen. «Wir sind froh, dass wir auf alle 23 Spieler zurückgreifen können», erklärte Bierhoff.

In Topform wird Schweinsteiger nach einer verletzungsgeplagten Saison bis zum Turnierstart nicht kommen. Die Kardinalfrage für Löw lautet, ob ihm ein Schweinsteiger mit Defiziten als Anführer und Mittelfeldchef schon zum Turnierauftakt wertvoller erscheint als dessen topfiter Bayern-Kollege Toni Kroos. «Da verlasse ich mich aufs Bauchgefühl, nachdem ich vieles abgewogen und analysiert habe», sagte Löw zur schwierigsten Aufstellungsfrage. Auch der Chef der deutschen EM-Mission sehnt den Anpfiff herbei: «Wir hatten im vergangenen halben Jahr nur Testspiele. Das ist nicht im Sinne eines Trainers. Ich möchte Wettkämpfe, da ist auch richtig was los.»

Das Motto, das den EM-Bus der Mannschaft bei ihren Fahrten durch Polen und die Ukraine ziert, verdeutlicht die Marschroute, die Löw dem jungen Team vorgibt: «Von Spiel zu Spiel zum großen Ziel» prangt in großen Lettern auf dem Fahrzeug. «Dass wir eine Top-Mannschaft haben, die vieles erreichen kann, ist klar. Aber das ist keine Garantie, dass man Titel gewinnt», erklärte Kapitän Philipp Lahm.

Bierhoff betont die «enorme Wichtigkeit» des ersten Turnierspiels, auf das alle Konzentration ausgerichtet ist. Auch Klose mag nicht weiterdenken: «Portugal ist sehr stark, wir sind genauso stark. Es wird ein schönes Spiel.» Er wünscht sich an seinem 34. Geburtstag als Geschenk «eigentlich nur drei Punkte, einen Sieg».

Der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der zum Portugal-Spiel exakt den 100. Tag im Amt ist, äußerte bei der gemeinsamen Begrüßung mit Danzigs Oberbürgermeister Pawel Adamowicz seinen «Wunsch, dass wir möglichst lange hierbleiben möchten». Er spüre eine «unheimliche Vorfreude» auf das Turnier, erklärte Niersbach. Er erwarte «Super-Dinge» in Polen und der Ukraine. Der DFB hat sein Teamhotel optimistisch bis zum Tag vor dem Finale am 1. Juli in Kiew gebucht.

Danzigs Stadtoberhaupt Adamowicz betonte, dass «die EURO die Polen und die Deutschen noch näher zusammengebracht» habe. 10 000 polnische Fans hatten Klose, Podolski & Co. beim einzigen öffentlichen Training herzlich empfangen. «Vielleicht sehen wir uns Ende Juni nochmal wieder», sagte Niersbach zu Stadtoberhaupt Adamowicz: «Dann hätten wir auch dank der guten Danziger Ostseeluft eine gute EM gespielt.»

news.de/dpa

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