Wettskandal Verzichtet Italien auf die EM 2012?

Wettskandal: Findet die Fußball-EM 2012 ohne Italien statt? (Foto)
Wettskandal: Findet die Fußball-EM 2012 ohne Italien statt? Bild: dapd

Findet die Fußball-EM 2012 ohne Italien statt? Laut Trainer Cesare Prandelli ist das nach dem Wettskandal gut möglich. «Wenn es unserem Fußball helfen würde, dann wäre es kein Problem», sagte der Coach. Die Italiener belasten ständig neue Enthüllungen.

Italiens Fußball-Nationaltrainer Cesare Prandelli hat wegen des Wettskandals sogar einen Verzicht des Teams auf die Teilnahme an der Fußball-EM 2012 nicht mehr ausgeschlossen. «Wenn es unserem Fußball helfen würde, dass wir nicht zur Europameisterschaft fahren, dann wäre es kein Problem», sagte Prandelli.

Prandelli: «Es gibt wichtigere Dinge»

«Es gibt wichtigere Dinge», fügte der Coach hinzu. Eine Woche vor dem Start der EM 2012 in Polen und der Ukraine belasten immer neue Enthüllungen im Wettskandal auch das italienische Nationalteam. «Wir haben es so satt», klagte der Chef des italienischen EM-Teams Demetrio Albertini.

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Die Azzurri werden derzeit von den Ermittlungsverfahren gegen die EM-Spieler Leonardo Bonucci und den ausgemusterten Domenico Criscito abgelenkt. Und jetzt sorgt auch noch die kostspielige Wettleidenschaft des als Zocker bekannten Star-Torhüters Gianluigi Buffon für Wirbel.

Schecks in Höhe von 1,5 Millionen bei Buffon

Fahnder haben in einem Wettbüro in Parma Schecks des Juve-Stars in Höhe von 1,5 Millionen Euro gefunden. Zwischen Januar und September 2010 seien insgesamt 14 Schecks aufgetaucht. Buffons Anwalt erklärte, dass der Kapitän der Azzurri die Schecks einer Vertrauensperson gegeben habe. Finanz- und Immoblien-Geschäfte sollten dafür in Parma getätigt werden.

Sollte Buffon über einen Strohmann aber doch Wetten abgeschlossen haben, wäre dies immer noch unproblematisch, so lange es keine Wetten auf Fußballspiele in Italien oder internationale Spiele der Uefa und der Fifa waren. Dass Buffon gern wettet, ist längst bekannt. Strafbar ist das nicht. 2006 wurde deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen den Keeper eingeleitet, das aber eingestellt wurde. Buffon räumte damals ein, bis November 2005 zwei Millionen Euro auf alle möglichen legalen Wetten gesetzt zu haben.

Torwart sorgte mit Statement für Aufregung

Zu den neuen Ermittlungen äußerte sich Buffon nicht. Dass diese angeblichen Wetteinsätze gerade jetzt publik wurden, kritisierte Juve-Präsident Andrea Agnelli als «einzigartig». Derzeit läuft kein Ermittlungsverfahren gegen Buffon. Cremonas Staatsanwalt Roberto Di Martino betonte zudem, dass er den Nationaltorhüter vor der EM auch nicht als Zeuge im Wettskandal einbestellen werden.

Buffon hatte in der vergangenen Woche für Aufregung gesorgt, als er sagte: «Wenn zwei Mannschaften unentschieden spielen wollen, ist das ihre Sache. Manchmal sagt man: Zwei Verletzte sind besser als ein Toter.» Buffon betonte in dieser Woche, dass er damit keine Ergebnisabsprachen rechtfertigen wollte. Nationaltrainer Prandelli stellte sich hinter seinen Keeper. «Er ist stark und hat eine großartige Persönlichkeit. Aber auch für ihn ist so eine Situation sehr schwer», sagte Prandelli.

Criscito beschwert sich nach Rausschmiss

Für weiteren Ärger im Lager der Azzurri sorgte am Freitag Criscito. Er beschwerte sich über seine Ausmusterung. «Damit bin ich nicht einverstanden. Der Fußballverband hätte abwarten müssen», sagte der Verteidiger von Zenit St. Petersburg in einem Interview der Gazzetta dello Sport. Prandelli hatte Criscito aus dem EM-Kader gestrichen, weil die Staatsanwaltschaft Cremona gegen den Fußballer wegen des Verdachts der Wettmanipulationen ermittelt.

Am Pfingstmontag hatte die Polizei Criscitos Zimmer im Trainingszentrum der Azzurri in Florenz durchsucht. «Ich habe überhaupt nichts mit der Sache zu tun», verteidigte sich Criscito und klagte: «Jetzt werde ich zum Dreh- und Angelpunkt des Skandals.» Er sei zwar «erschüttert gewesen», habe sich aber dennoch in der Lage gefühlt, mit zur EM zu fahren.

Während Prandelli Criscito schnell ausmusterte, hielt er an Leonardo Bonucci fest. Dabei ermittelt die Staatsanwalt auch gegen den Verteidiger von Juventus Turin wegen des Verdachts des Sportbetrugs und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Einen entsprechenden Aktenbeleg veröffentlichte die Gazzetta. Der Fußballverband und Prandelli begründen die unterschiedliche Behandlung der beiden Spieler damit, dass Bonucci im Gegensatz zu Criscito keinen offiziellen Ermittlungsbescheid erhalten habe. Dies scheint jedoch nur eine juristische Formalität zu sein.

phs/kru/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Italy
  • Kommentar 1
  • 24.06.2012 12:54

Für euch Deutschen ist das Halbfinale das letzte weiter kommen. Wenn es auf Italien zu kommt, heisst es bye bye.

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